Kolumbiens Präsident macht karibisches Touristenmekka zur Kampfzone
Kolumbien Karibisches Touristenmekka wird zur Kampfzone
Stand: 29.09.2026 • 13:57 Uhr
Für viele Reisende gilt die kolumbianische Karibikküste als Traumziel. Doch Kolumbiens neuer Präsident will die dort herrschenden Paramilitärs mit allen Mitteln zerschlagen. Und so wird die Region gerade zur Kampfzone.
Die Straßen von Santa Marta sind leergefegt, ausgebrannte Autos stehen herum. Die hier herrschenden Paramilitärs reagierten mit Gewalt, nachdem vergangene Woche mehrere ihrer hochrangigen Mitglieder getötet wurden.
Geleitet hat den tödlichen Militäreinsatz der neue kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella, der die Militarisierung der Karibikküste ankündigte. "Keine kriminelle Gruppe wird ehrlichen, hart arbeitenden Menschen ihre Bedingungen aufzwingen", erklärte er. "Wer sich nicht unterwirft, wird getötet. Die Bürger werden sich nicht dem Terror beugen, auch der Staat nicht."
Region lahmgelegt
Jetzt schlagen die Paramilitärs zurück. Seit Jahrzehnten herrschen sie in der Karibikregion, erpressen Schutzgelder, verstehen sich aber auch als alternative Sicherheitsgaranten zu den fehlenden staatlichen Strukturen, wie etwa der Polizei.
Mittlerweile haben sie die Region lahmgelegt, unter anderem, indem sie den Menschen verboten, ihre Häuser zu verlassen. Niemand könne zur Arbeit gehen oder einkaufen, sagt Patricia Elena Restrepo, Gemeindeaktivistin im Küstenort Palomino. "Wir haben Kinder und älter Menschen zu Hause, die nicht wissen, was sie essen sollen."
Es ist ein in Kolumbien bisher beispielloser Vorgang. Laut dem kolumbianischen Sicherheitsexperten Luis Trejos habe nicht einmal der berüchtigte Drogenboss Pablo Escobar seine Heimatstadt Medellín so zum Stillstand gezwungen. Tagelang sind die Straßen zwischen den Großstädten Santa Marta und Riohacha teils gesperrt.
Sorge bei Touristen und Reisebranche
Mittendrin die vielen Touristen. Die Karibikküste Kolumbiens ist ein beliebtes Ziel für Backpacker wie für Kreuzfahrtreisende. Doch die weißen Strände, Tropenwälder und wilden Flüsse rund um Santa Marta und den Nationalpark Tayrona sind nun eine Kampfzone.
Auch Greta Striethörster aus Köln steckt dort fest: "Es ist schon ein komisches Gefühl. Es wurde nicht informiert, es wurden einfach alle Läden geschlossen, ohne, dass vorher gesagt wurde, kauft jetzt nochmal ein." Arztpraxen seien geschlossen, Straßen gesperrt.
Die Tourismusbranche befürchte einen nachhaltigen Schaden, sagt Hotelbetreiberin Nerlis Vergara aus Palomino. "Hinter jeder stornierten Buchung steckt viel mehr: Der Landwirt, die Restaurants, Motorradtaxis, Reiseleiter, Kunsthandwerker, Surfer, Lieferanten - da gerät die gesamte Kette ins Stocken."
Selbst wenn der Konflikt nur wenige Tage dauern sollte, könne dies auf Dauer Touristen verunsichern, so die Befürchtung Vergaras.
"Noch mehr Hunger, Gewalt und Angst"
Auch wenn viele in der Region unter der Militarisierung leiden - gerade hier hat eine große Mehrheit der Menschen für de la Espriella als neuen Präsidenten gestimmt. Der will, trotz der großen Gegenwehr, weiter mit harter Hand gegen die Paramilitärs vorgehen und deren gesamte Struktur zerschlagen.
Das kritisiert unter anderem die Aktivistin Patricia Elena Restrepo: "Es bedeutet: Aggressivität mit Aggressivität bekämpfen. Ich glaube nicht, dass das die Lösung ist. Es geht darum, dass die Zivilbevölkerung, die schon immer die Hauptlast getragen hat, Hoffnung auf Sicherheit bekommt."
Dieser "Krieg" bringe ihnen stattdessen noch mehr Hunger, Gewalt, Unruhe und Angst. "Damit gehen wir rückwärts", so Restrepo.
Am Ende zahlen vor allem zwei den Preis: die Zivilbevölkerung - und ein Tourismussektor, der bislang mit der stillen Gewalt der Paramilitärs umzugehen wusste, jetzt aber direkt zwischen die Fronten gerät.
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