Games-Förderung: Bund weiß nicht, was aus geförderten Spielen geworden ist
Die Bundesregierung weiß nicht genau, wie viele der von ihr geförderten Videospiele tatsächlich veröffentlicht wurden. Auch zu Verkaufszahlen und Umsätzen der Spiele liegen ihr keine Angaben vor. Das geht aus einer Antwort des Forschungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag hervor.
Ob ein gefördertes Spiel nach Projektende erschienen ist, werde „nicht flächendeckend erfasst“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung (PDF). Geprüft werde das nur im Einzelfall bei der Kontrolle der Verwendungsnachweise. Auf die Fragen nach Vertriebsplattformen, verkauften Exemplaren und Umsatzerlösen antwortet das Ministerium jeweils gleich: „Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.“ Das Branchenmagazin Gameswirtschaft hat zuerst über die Antwort berichtet.
Dabei müssen Studios, die sich die Produktion eines Spiels bezuschussen lassen, dieses laut Förderrichtlinie auch veröffentlichen – andernfalls droht ihnen eine Rückforderung. Ausgenommen davon sind ausschließlich Prototypen und Projekte aus dem früheren De-minimis-Programm.
„Zuwendungsrechtlich nicht relevant“
Was nach Projektende passiert, sei „zuwendungsrechtlich nicht relevant“ und werde nicht erfasst, schreibt das zuständige Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt nun aber. Auch wie viele Arbeitsplätze in den geförderten Projekten entstanden sind und wie viele davon Bestand haben, wird nicht pro Projekt ausgewertet.
Der Bund hat bisher in fünf Fällen bereits ausgezahltes Geld zurückgefordert. Daedalic Entertainment hat 618.000 Euro für ein abgebrochenes Projekt zurücküberwiesen, das laut Gameswirtschaft ein Nachfolger des Gollum-Spiels werden sollte. Gegen Rückforderungen von 531.000 Euro bei Piranha Bytes und 1,1 Millionen Euro bei m2p Entertainment sind Klagen anhängig.
Rechnungshof hatte gewarnt
Der Bundesrechnungshof hatte die Games-Förderung schon 2024 grundlegend infrage gestellt: Die Prüfer bezweifelten die Zuständigkeit des Bundes und kritisierten, dass Studios die Zuschüsse auch bei wirtschaftlichem Erfolg nicht zurückzahlen müssen. Bei 10 von 18 untersuchten Projekten erwarteten die Antragsteller selbst, dass die Erlöse spätestens drei Jahre nach Release die Projektkosten übersteigen. Der Branchenverband game argumentierte, nur eine international konkurrenzfähige Förderung könne den Rückstand deutscher Studios aufholen.
Auch die Erfolgskontrolle bemängelte der Rechnungshof: Die Verwendungsnachweise reichten nicht aus, um die erreichten Ziele des Förderprogramms zu beurteilen, heißt es in der Prüfungsmitteilung des Bundesrechnungshofs.
Die Empfehlung, grundsätzlich nur noch bedingt rückzahlbare Zuwendungen statt Zuschüssen zu vergeben, hat die Ampel-Regierung im August 2024 verworfen. Bei Erfolg profitiere der Staat letztlich über höhere Steuereinnahmen, schreibt das zuständige Ministerium nun in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage.
Studien sollen Wirkung klären
Der Bund fördert nicht völlig ohne Überblick: Schon 2023 ließ das Wirtschaftsministerium die Förderung von der Wirtschaftsprüfung PwC evaluieren. Seit 2025 befragt der Projektträger DLR die geförderten Unternehmen jährlich zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und zur Zahl der Beschäftigten. Das Ministerium hat zudem das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung mit einer begleitenden Evaluation beauftragt.
Ergebnisse dieser Untersuchungen nennt die Antwort noch nicht. Die Umfragen richten sich laut Ministerium an einen zufällig ausgewählten Teil der Studios und werden anonymisiert ausgewertet. Ob ein bestimmtes Spiel erschienen ist und wie es sich verkauft hat, lässt sich damit auch künftig nicht beantworten.
Für 2027 sind 123,8 Millionen Euro an Spieleförderung eingeplant, dazu kommen Verpflichtungsermächtigungen über 171,1 Millionen Euro bis 2032.
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