Zehntausende Schüler protestieren in Frankreich
In zahlreichen Städten in Frankreich haben Schüler und Studenten am Dienstag erneut für eine bessere Ausstattung von Schulen und bessere Lernbedingungen demonstriert. Bei Protestmärschen und Kundgebungen in Paris und anderen Großstädten erhielten sie Unterstützung von Bildungsgewerkschaften.
Landesweit seien 214 Lycées blockiert worden, berichtete das Bildungsministerium, das von einem schrumpfenden Rückhalt für die seit über zwei Wochen andauernden Proteste sprach. Einem Streikaufruf seien nur wenige Beschäftigte gefolgt. Das Lycée entspricht als Schulform der gymnasialen Oberstufe.
Landesweit demonstrieren Schüler für bessere Lernbedingungen. Ihre Forderungen werden von Lehrkräften und Gewerkschaften unterstützt.
06.10.2026 | 2:03 minTränengas in Nantes, Beifall in Paris
Polizisten und Demonstranten gerieten wie schon bei vorangegangenen Protesten in einigen Städten aneinander. In Nantes setzte die Polizei zum Ende einer Kundgebung Tränengas ein. In Lyon ging die Polizei gegen eine Gruppe schwarz gekleideter Randalierer am Rande des Demonstrationszuges vor, an dem sich rund 11.000 Menschen beteiligten. In Paris erhielten demonstrierende Schüler Beifall von Passanten und Busse hupten den jungen Leuten zu.
Das Innenministerium meldete am Mittag insgesamt 30.000 Teilnehmer an Protestaktionen an Schulen und 21.000 Teilnehmer an den Demonstrationszügen, die sich bis dahin bereits in Bewegung gesetzt hatten.
Greta Thunberg unterstützt Schulprotest
Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mischte sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten. "Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen, was jungen Menschen einfach signalisiert, dass sie in unserer Gesellschaft keine Priorität haben", sagte Thunberg vor Journalisten.
Die Schulproteste seien klar von denen linksextremer Gruppen zu trennen, sagt Politikwissenschaftler Ross. Auch sozial schwache, gewaltbereite Jugendliche mischten sich unter die Demonstranten.
02.10.2026 | 12:09 minRegierung steht unter Sparzwang
Vor dem Hintergrund, dass Frankreichs Staatsverschuldung inzwischen auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen ist und Premier Sébastien Lecornu gerade erst einen Haushalt mit Milliardeneinsparungen vorgelegt hat, dürfte es ein Kraftakt werden, die protestierenden Schüler zufriedenzustellen.
Bislang sind im Budget für das kommende Jahr 1,2 Milliarden Euro an Mehrausgaben für Bildung vorgesehen. Außerdem sagte die Regierung kurzfristig mehr als 3.000 Vertretungslehrer zu, um den ärgsten Unterrichtsausfall zu bekämpfen.
Die Regierung kann die Forderungen der Schüler nach besseren Lernbedingungen nicht einfach erfüllen. Der Premierminister gestand ein, Frankreich müsse sein Haushaltsdefizit begrenzen.
08.10.2026 | 2:10 minAuch Protest gegen Verteilsystem von Studienplätzen
Die Schüler fordern jedoch zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen, wo häufig Fenster kaputt und Decken in Klassenzimmern herabgestürzt sind. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die Schüler mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Viele Schüler leiden auch unter Notendruck. Sie verlangen, dass das Verteilsystem für Studiengänge und Ausbildungen abgeschafft wird, das als komplex und intransparent gilt.
Demonstrierende in Paris: "Wenn wir brennen, brennt ihr mit uns."
Quelle: Firas Abdullah / epaGewaltsame Ausschreitungen und Vorwürfe gegen Polizei
Die Proteste haben in Frankreich nicht nur wegen ihrer Länge für Aufsehen gesorgt, sondern vor allem wegen der mitunter gewalttätigen Ausschreitungen. Immer wieder gab es Berichte über angegriffene Einsatzkräfte und Lehrpersonal. 147 Schulbeschäftigte wurden seit Start der Proteste verletzt, teilte das Bildungsministerium mit. Tausende junge Leute wurden bei den Protesten festgenommen.
Zugleich wurde das Vorgehen der Polizei teils als rabiat kritisiert und es gab den Vorwurf von Polizeigewalt. Mittlerweile laufen Dutzende interne Verfahren gegen Beamte.
Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF etwa in der Sendung heute - in Europa am 06.10.2026 ab 16:00 Uhr.
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