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Sunday, October 25, 2026

Proteste in Europa - auch mit Gewalt

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Demonstranten stehen im Strahl eines Wasserwerfers.

Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Albanien Proteste in Europa - auch mit Gewalt

Stand: 25.10.2026 • 09:55 Uhr

Nicht nur Frankreich - auch in vielen anderen europäischen Ländern wurde wieder protestiert. Dabei kam es mancherorts erneut zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Insgesamt melden die Behörden aber weniger Gewalt als am vergangenen Wochenende.

In vielen Ländern Europas sind erneut Menschen auf die Straße gegangen - zum Teil mit ähnlichem Anliegen. Oft geht es den Veranstaltern dabei unter anderem um steigende Lebenshaltungskosten, um hohe Mietkosten, um Korruption. In vielen Orten schlug der Protest dabei allerdings in Gewalt um.

Frankreich: 1.000 Festnahmen

Bei den größten Demonstrationen in Frankreich kam es erneut zu Ausschreitungen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden fast 1.000 Menschen festgenommen. Die Zahl werde noch steigen, weil noch Bilanz gezogen werden müsse, sagte Minister Laurent Nuñez. Es habe zwar auch wieder Sachbeschädigungen und Plünderungen gegeben. Sie seien aber nicht vergleichbar mit denen der vergangenen Woche.

Hunderttausende auf den Straßen: In Frankreich kam es erneut zu großen Protesten. Dabei wurden auch Ausschreitungen gemeldet.

Die Sicherheitskräfte waren in Alarmbereitschaft, nachdem es am 17. Oktober zu schweren Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen gekommen war. 70.000 Polizeikräfte und Gendarmen sollten nun über das Wochenende im Einsatz sein, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Ladenbesitzer hatten etwa in Paris Spanplatten vor die Schaufenster montiert, um sie vor Beschädigungen zu schützen. In mehreren Städten gab es Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren.

Gestern nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen an den landesweiten Protesten teil, davon rund 110.000 in Paris. Der Gewerkschaftsverband CGT meldete laut Medienberichten dagegen rund 800.000 Teilnehmende. Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.

Italien: Zusammenstöße in Bologna und Turin

In Italien haben am Samstag Zehntausende Menschen in verschiedenen Städten protestiert - zur großen Eskalation wie am vergangenen Wochenende in Mailand ist es aber nicht gekommen. In vielen Fällen demonstrierten die meist jungen Menschen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen friedlich zum Beispiel gegen hohe Lebenshaltungskosten, gegen Aufrüstung oder Israels Politik im Nahostkonflikt. Insbesondere in Rom, Bologna und Turin kam es aber auch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Protestierenden - Demonstrierende warfen zum Beispiel Flaschen oder Feuerwerkskörper. Die Polizei hat Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Hunderte Demonstrierende wurden an verschiedenen Orten in Polizeigewahrsam genommen.

Die Protestaktionen, zu denen über einen Account namens "Movimento 17 ottobre" in Sozialen Medien aufgerufen wurde, haben offenbar nicht stattgefunden - der Name des Accounts kann als Hinweis auf die Krawalle in Mailand am 17. Oktober gelesen werden Die Polizei hatte offenbar Ausschreitungen befürchtet, mehrere Durchsuchungen in Norditalien durchgeführt und einen Mann mit auf die Wache genommen, der für den Account verantwortlich sein soll.

Albanien: Auseinandersetzungen in Tirana

In Albanien haben sich bei erneuten regierungskritischen Protesten in der Hauptstadt Tirana Demonstranten und Sicherheitskräfte heftige Auseinandersetzungen geliefert. Protestierende warfen Steine auf das Bildungsministerium und attackierten die Sicherheitskräfte mit Feuerwerkskörpern, die Polizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 13 Menschen verletzt, darunter neun Demonstranten. An der Demonstration nahmen Tausende Menschen teil.

Steine, brennende Mülltonnen: Auch in Albanien blieb der Protest nicht friedlich.

Schon seit Ende Mai hatte es immer wieder Proteste gegeben. Auslöser waren Pläne für ein Luxus-Hotelprojekt in einem Küstennaturschutzgebiet. Das Projekt steht mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka Trump, und ihrem Ehemann Jared Kushner in Zusammenhang und wird wegen Korruptionsvorwürfen und mangelnder Transparenz heftig kritisiert. Die Proteste richteten sich in der Folge gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama und Korruption im Allgemeinen. Demonstriert wird auch gegen schlechte Studienbedingungen und hohe Studiengebühren.

Portugal: Proteste gegen die Wohnungskrise

Die portugiesische Polizei hat in den frühen Morgenstunden am Sonntag ein Protestcamp gegen die Wohnungsnot im Zentrum von Lissabon geräumt. Dabei ging sie gewaltsam gegen Demonstranten vor und nahm mehrere Personen fest, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Es habe Leichtverletzte gegeben, genaue Zahlen lägen jedoch bislang nicht vor. Hintergrund ist die Wohnungskrise in Portugal, die zu den schwersten in Europa zählt. Die Immobilienpreise haben sich seit 2017 mehr als verdoppelt, die Mieten für Neuverträge sind fast ebenso stark gestiegen. Besonders junge Menschen sind betroffen.

Die Demonstranten hatten nach einem Protestmarsch mit Tausenden Teilnehmern am Samstag mehr als 100 Zelte aufgeschlagen. Bereits am Dienstag hatte die Polizei ein ähnliches Lager an gleicher Stelle geräumt. Der Abgeordnete des Linksblocks, Fabian Figueiredo, nannte den Polizeieinsatz "völlig unverhältnismäßig", da es keine Störung der öffentlichen Ordnung gegeben habe. Die Demonstranten fordern von der Regierung, einen Gesetzentwurf zur Erleichterung von Zwangsräumungen zu kippen und die Mieten für neue Verträge zu begrenzen. Nach Schätzungen der portugiesischen Zentralbank fehlen landesweit 300.000 Wohnungen. Ähnliche Proteste gab es zuletzt auch in Belgien, Frankreich, Italien und Spanien.

Brennende Barrikaden: In Barcelona wurden etwa 100 Demonstranten festgenommen.

Spanien: Geschäfte geplündert

In Barcelona sind Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene zu Protesten zusammengekommen. Junge Leute hätten dabei Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt, Geschäfte geplündert und Müllcontainer angezündet, berichteten unter anderem die spanische Tageszeitung El País und der katalanische Fernsehsender Betevé. Die katalanische Polizei und die städtische Polizei in der Hauptstadt Kataloniens nahmen demnach rund 100 Demonstranten fest. Bei etwa einem Viertel der Festgenommenen habe es sich um Minderjährige gehandelt. Mehr als 220 Beamte waren den Angaben zufolge im Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Laut Berichten waren die Jugendlichen einem Aufruf über Soziale Medien zu einer unangekündigten Demonstration im Stadtzentrum gefolgt.

Mit Informationen von dpa, AFP, Reuters und Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

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