The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 5, 2026

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro und Lula ziehen in Stichwahl ein

Translate
Menschen gehen über auf dem Boden verstreute Wahlflyer.

Stand: 05.10.2026 • 01:24 Uhr

Die Abstimmung um die Präsidentschaft in Brasilien gilt als Richtungswahl. Derzeit werden die Stimmen ausgezählt. Herausforderer Bolsonaro liegt zwar vorn - aber die bisherigen Ergebnisse deuten auf eine Stichwahl mit Amtsinhaber Lula hin.

Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien liegt der rechte Senator Flávio Bolsonaro nach ersten Teilergebnissen vor dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Nach Auszählung von gut 90 Prozent der Stimmen lag Bolsonaro mit rund 48 Prozent vor Lula, auf den knapp 44 Prozent der Stimmen entfielen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Sollte keiner der insgesamt 12 Kandidaten mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen bekommen, treten die beiden stärksten Bewerber am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Das Meinungsforschungsinstitut Datafolha prognostizierte bereits, dass es zu einer Stichwahl zwischen Bolsonaro und Lula kommen würde.

In frühen Teilauszählungen hatte Bolsonaro zunächst bei mehr als 50 Prozent gelegen. Allerdings meldeten die ihm eher zugeneigten Südstaaten ihre Ergebnisse schneller - während die Stimmen aus Lulas Hochburg im Nordosten langsamer ausgezählt wurden.

80-Jähriger gegen Sohn von Ex-Präsidenten

Der Linkspolitiker Lula, inzwischen 80 Jahre alt, strebt eine vierte Amtszeit an. Der 45-jährige Flávio Bolsonaro will das Erbe seines Vaters antreten: Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Der sitzt in Hausarrest und ist zu 27 Jahren Haft wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt. Aus Sicht der Bolsonaro-Familie und ihrer Unterstützer hingegen ist er ein politischer Gefangener. Jair Bolsonaro war ein enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump.

Lula von der Arbeiterpartei PT will seine Politik mit Sozialprogrammen und öffentlichen Investitionen fortsetzen. Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL versprach einen schlankeren Staat und ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität.

Richtungswahl für die ganze Region

Die Wahl in Brasilien gilt als Richtungswahl. Ein Erfolg Bolsonaros würde den Rechtsruck in Lateinamerika weiter vorantreiben. In den vergangenen Jahren waren mehrere Länder durch Wahlen deutlich nach rechts gerückt. Ein Sieg Lulas würde dagegen Brasilien neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten.

Rund 159 Millionen Brasilianer waren in dem größten Land Lateinamerikas zur Wahl aufgerufen. Neben dem Präsidenten und seinem Vize wurden auch Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure gewählt. Der Wahlkampf war geprägt von Sorgen über die schwächelnde Wirtschaft, Korruptionsskandalen sowie Vorwürfen einer Einmischung der USA. Die Staatsverschuldung liegt bei über 82 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Der Präsident des obersten Wahlgerichts TSE, Nunes Marques, erklärte bei einer Pressekonferenz, Geheimdienstberichte hätten bislang keine konkreten Hinweise auf eine ausländische Einflussnahme auf die Wahl ergeben. Er äußerte sich dazu auf Nachfrage, nachdem die USA am Freitag ihre Konsulardienste in dem südamerikanischen Land aus Sicherheitsgründen geschlossen hatten.

View the original on Tagesschau →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.