Was bringt die Freigabe der Öl-Reserven wirklich?
Ein von den USA angedrohter Exportstopp für Diesel ist laut Präsident Trump vom Tisch. Zuvor hatten die G7 entschieden, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven freizugeben.
03.10.2026 | 0:24 minDie Ölpreise sind wegen des Kriegs im Nahen Osten seit Monaten auf Höhenflug. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA ist noch immer nicht beigelegt. In der für den weltweiten Energiehandel so wichtigen Straße von Hormus werden Tanker beschossen, die USA verlegen Medienberichten zufolge weitere Kriegsschiffe in die Region. Angesichts dieser Entwicklung wächst die Furcht vor Versorgungsengpässen. Das treibt die Preise.
Seit Beginn des Jahres ist Rohöl der Sorte Brent um mehr als 60 Prozent teurer geworden, was mittlerweile zu einem deutlichen Anstieg der Inflation geführt hat. Die Marke von 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) wurde überschritten. Die führenden Industrieländer (G7) wollen den Anstieg der Ölpreise bremsen. Denn der kommt an der Tankstelle an und belastet Verbraucher und Wirtschaft. Hier steuert Deutschland bereits mit dem Tankrabatt bis Ende des Jahres gegen.
Entwicklung des Ölpreises
ZDFheute Infografik
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Was haben die G7-Staaten beschlossen?
Es sollen unter Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) im Lauf der nächsten vier Monate 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel freigegeben werden. 100 Millionen Barrel entsprechen in etwa der Nachfrage an Rohöl, von der die IEA weltweit pro Tag ausgeht. Das Signal an den Markt: Es ist genügend Öl vorhanden, es droht keine Knappheit.
Freigegebene Mengen aus Deutschlands Ölreserve werden zu aktuellen Marktpreisen verkauft. Sie sollen eigentlich zur Abwendung einer Mangellage dienen, nicht zur Senkung etwa von Benzin- und Dieselpreisen.
Gab es Druck aus den USA?
US-Präsident Donald Trump hatte zunächst angekündigt, einen Exportstopp für Diesel aus den USA zu prüfen. Dies könnte eine Entlastung bei den Spritpreisen in seinem Land bringen. In der Erklärung der G7, zu denen auch die USA gehören, steht nun aber ausdrücklich, dass Mitgliedstaaten keine derartigen Beschränkungen vornehmen. Trump hat die Entscheidung der europäischen G7-Staaten zur Freigabe der Ölreserven ausdrücklich gelobt - und seine Exportstopp-Drohung zurückgezogen: Ein Exportstopp habe auch nie "wirklich auf dem Tisch gelegen", so Trump. In Deutschland kritisierten die Grünen die Freigabe als "politische Dummheit". Die Umweltschützer von Greenpeace mahnen, "die Abhängigkeit von Benzin und Diesel macht uns geopolitisch erpressbar.
Nach Einschätzung unserer Korrespondentin Isabel Schäfers in Brüssel haben die USA durchaus Druck gemacht. Einige Länder, darunter Deutschland, seien zunächst skeptisch gewesen und hätten nicht noch mehr Reserven freigeben wollen, weil sie nicht weiter in den Markt eingreifen wollten. Doch "der Druck aus den USA war eben sehr groß", so Schäfers. Überzeugt habe viele Skeptiker letztlich wohl, dass die G7 sich koordiniert, die Internationale Energieagentur eingebunden und die europäischen Partner abgestimmt hätten. Schäfers spricht von "einer Entscheidung auf politischen Druck", die kurzfristig eine kleine entlastende Wirkung haben könne. Mittel- und langfristig müssten die Reserven jedoch wieder aufgefüllt werden. Das Grundproblem bleibe, solange der Konflikt im Iran und rund um die Straße von Hormus andauere.
Die G7 geben Millionen Barrel Öl und Diesel frei. Die Hoffnung sei, dass Trump "von seiner Drohung ablässt, die Diesel-Exporte aus den USA zu stoppen", so Isabelle Schaefers.
02.10.2026 | 2:04 minNach dem Nahen Osten sind die Vereinigten Staaten zwar Europas wichtigster Lieferant von Diesel. Europa und Deutschland haben allerdings selbst hohe Raffineriekapazitäten und beziehen so insgesamt relativ wenig aus den USA - Experten gehen von etwa fünf bis sechs Prozent des Bedarfs aus. Durch den anhaltenden Iran-Krieg hatten sich die US-Liefermengen zuletzt aber erhöht.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es mit Blick auf Trumps Äußerungen zu einem möglichen Exportstopp, entscheidend seien koordinierte Lösungen. "Grundsätzlich gilt: Der Markt darf nicht verunsichert werden." Ministerin Katherina Reiche (CDU) teilte mit:
Für mich war in den vergangenen 48 Stunden in den Gesprächen entscheidend, aus einer angespannten Lage ein verlässliches gemeinsames Vorgehen zu machen.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin
Wie lange reichen die deutschen Ölreserven?
Auch Deutschland hält strategische Ölreserven, um Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Reiche betonte, die nun angestrebte Freigabe stelle kein Risiko für die Energieversorgung dar. Es bleibe jederzeit ausreichend Reserve zur Sicherung der Versorgung im System. Das werde fortlaufend überwacht.
Die Reserve setzt sich aus Rohöl und fertigen Mineralölprodukten wie Diesel, Ottokraftstoff, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff zusammen. Verantwortlich ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse lagert. Die Vorräte sind über ganz Deutschland verteilt.
Woher bekommt Deutschland sein Rohöl?
Überwiegend nicht aus dem Nahen Osten. Im Jahr 2025 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur 6,1 Prozent. Das betrifft unter anderem den Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Der wichtigste Rohöllieferant für Deutschland ist Norwegen. Von dort kommen 16,6 Prozent der Lieferungen. Knapp danach folgen die USA mit 16,4 Prozent. Das drittwichtigste Land ist Libyen mit 13,8 Prozent. Weitere wichtige Lieferanten sind Kasachstan und Großbritannien.
Die Huthis rücken im Jemen vor und bedrohen wichtige Öl- und Handelsrouten. Mehr als 130.000 Menschen wurden allein seit Anfang September vertrieben.
25.09.2026 | 2:30 minGeht der Ölpreis nun runter?
Die Ölpreise sind nach der Einigung auf Freigabe von Reserven am Freitag zunächst gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im Dezember fiel um mehr als drei Prozent auf 98,72 US-Dollar. Ein erwartetes größeres Angebot drückt weltweit die Preise.
Kommt das bei den Autofahrern an?
Die Spritpreise gaben der Vergleichs-App "Tankerkönig" zufolge im bundesweiten Durchschnitt am Samstag leicht nach. Bei Super E10 um etwas über zwei Cent je Liter, bei Diesel kräftiger um rund 4 Cent.
Die Freigabe von Öl- und Dieselreserven kann Autofahrer nach Ansicht der Ökonomin Samina Sultan aber allenfalls kurzfristig entlasten. Ähnlich wie der Tankrabatt sei die Maßnahme ein Pflaster, das kurzfristig Linderung verschaffen könne, sagte die Expertin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der Deutschen Presse-Agentur. Die grundlegende Problematik bleibe weiter bestehen.
Quelle: dpa, ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute Xpress am 03.10.2026 um 11:30 Uhr.
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