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Tuesday, September 29, 2026

Kanzlerdebatte reist mit: Der wirklich ganz normale Türkei-Trip des Hendrik Wüst

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Kanzlerdebatte reist mitDer wirklich ganz normale Türkei-Trip des Hendrik Wüst

29.09.2026, 14:47 Uhr

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Wüst links außen, Erdogan im Zentrum - schließlich ist der deutsche Gast auch nur Ministerpräsident. (Foto: picture alliance/dpa/Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen)

Wenn Ministerpräsidenten verreisen, ist dies zumeist eher eine Randnotiz wert. Bei Hendrik Wüst ist das anders: Sein Besuch in der Türkei - schon vor langer Zeit geplant - fällt in die Zeit der Debatten um eine mögliche Ablösung von Kanzler Merz. Dies weckt auch das Interesse von Gastgeber Erdogan.

50 Minuten Audienz beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sind für einen deutschen Ministerpräsidenten eine absolute Ausnahme. Kein Wunder, dass sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am Montag bei seinem Besuch in Ankara einerseits über den Coup freut, als er vor die Kameras tritt. Andererseits heizt dies erneut Spekulationen an, ob Erdogan ihm diese Aufmerksamkeit vielleicht nur deshalb gewährte, weil er den CDU-Politiker als baldigen Nachfolger von Kanzler Friedrich Merz ansieht - was Wüst stets dementiert.

Der Ministerpräsident räumt ein, dass Erdogan ihn ausführlich nach den Landtagswahlergebnissen gefragt hat. Immerhin gab es schon im Mai durch eine Wüst-Reise nach Polen Gerüchte über einen "Kanzlertausch" oder eine Rolle als "Reserve-Kanzler". In beiden Fällen weisen der 51-Jährige und sein Team dies entschieden zurück - aber sie wissen, was sie auslösen.

Tatsächlich sind Auslandsreisen von Ministerpräsidenten gang und gäbe. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder oder Niedersachsens Landeschef Olaf Lies werben in anderen Staaten für ihre Bundesländer. Und die Türkei und Nordrhein-Westfalen zeichnet eine einzigartige Verbindung aus: Rund eine Million Menschen in Nordrhein-Westfalen haben türkische Wurzeln. Es gibt 25.000 bis 30.000 Firmen türkischstämmiger Unternehmer. Alle 23 Minuten startet ein Flugzeug von einem der Flughäfen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Richtung Türkei.

"Ich finde, es wird höchste Zeit, dass eine solche Reise stattfindet", sagt Wüst nach einem Treffen im türkischen Parlament. Aber wenn zu Hause in der eigenen Partei Krise herrscht, dann reist diese nun einmal beim Chef des größten Bundeslandes in den Köpfen mit. Jeder Auftritt von Wüst wird daraufhin abgeklopft, ob er dabei womöglich "kanzlerhaft" auftreten will. Am Dienstag traf der Ministerpräsident dann auch noch den Finanzminister und Erdogan-Vertrauten Mehmet Simsek, Außenminister Hakan Fidan sowie Industrie- und Technologieminister Mehmet Fatik Kacir. Auch das zeigt eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit.

Wüst oder Söder - darauf läuft es hinaus

Außen vor ist die Innenpolitik bei dem dreitägigen Besuch nie. Das zeigt sich schon daran, dass 32 Journalisten Wüst begleiten - davon rund 15 aus Berlin. Für Wüst ist dies durchaus heikel: Im April 2027 stehen in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen an, die er auch mit einem klaren Bekenntnis als Landesvater für seine Wählerinnen und Wähler gewinnen will. Spekulationen, ob er nach Berlin gehen könnte, schaden da nur. Aber im bevölkerungsreichsten Bundesland fragen sich einige in der CDU nervös, ob die Einbrüche der Partei bei den Wahlen im Osten der Bundesrepublik auch sie treffen könnten. Obwohl die Unions-Ministerpräsidenten und die Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Kanzler Merz unterstützt und ein Ende der Personaldebatten gefordert haben, wabern diese in den Medien weiter.

Und Wüst muss sich hinter den Kulissen auch Fragen gefallen lassen, warum er nicht "springe". Dabei sind sich zumindest die führenden Unions-Politiker bei allem Verdruss über die Kommunikation von Kanzler Merz einig, dass niemand weiß, ob ein Kanzlerwechsel der CDU überhaupt nutzen würde. "Die Probleme, etwa unpopuläre Sparmaßnahmen bei den Sozialversicherungssystemen mit einem schwierigen, ebenfalls verunsicherten Koalitionspartner SPD durchsetzen zu müssen, bleiben doch", sagt ein hoher CDU-Politiker kopfschüttelnd.

Kein Wunder, dass derzeit weder Wüst noch der ansonsten so selbstbewusste CSU-Chef Söder Lust auf ein Abenteuer in Berlin haben - Unmut an der Basis hin oder her. Aber die Frage einer Kanzlerkandidatur stellt sich spätestens für die Bundestagswahl 2029 gerade zwischen diesen beiden Männern: Da wirkt es symbolisch, dass Bayerns Ministerpräsident Söder zeitgleich zu Wüsts Türkei-Programm auf dem Münchner Oktoberfest mit dem grünen Oberbürgermeister Dominik Krause Achterbahn fuhr - und fünf Loopings absolvierte. Er könne auch 20, scherzte er danach.

Ausgerechnet Präsident Erdogan hat mit seiner fast höfischen Ordnung in seinem Palast am Montag klargemacht, als was er Wüst sieht - und als was eben (zumindest noch) nicht. Der NRW-Ministerpräsident erhielt zwar ein 50-minütiges Gespräch. Aber Erdogan setzte sich ganz bewusst ins Zentrum zwischen die beiden Nationalflaggen, wo normalerweise Regierungschefs und Präsidenten sitzen. Wüst wurde an seiner rechten Seite platziert.

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