KI-Agent löscht M365-Dateien? Veeam will gezielt zurückspulen
Veeam Software hat die allgemeine Verfügbarkeit von Veeam Intelligent ResOps for Microsoft 365 bekannt gegeben und die Neuerungen auf seinem virtuellen Launch-Event VeeamON Global Launch vorgestellt. Das Add-on für Veeam Data Cloud for Microsoft 365 soll erkennen, welche KI-Agenten auf Daten in SharePoint, OneDrive, Teams und Exchange zugreifen, und deren Änderungen bei Bedarf Datei für Datei zurücknehmen. Es ist das erste allgemein verfügbare Produkt der neuen Familie Intelligent ResOps (iResOps). Für die selbst betriebene Veeam Data Platform und den Identitätsdienst Okta laufen zugleich Private Previews.
Veeam-CEO Anand Eswaran begründete den Schritt in seiner Keynote mit einem Fall aus Spanien. Dort hatte die Datenschutzbehörde AEPD am 14. September 2026 die erste bei ihr eingegangene Meldung einer Datenpanne öffentlich gemacht, bei der ein von Dritten eingesetzter KI-Agent nach Schwachstellen gesucht, personenbezogene Daten verändert und auf Rechnungen zugegriffen haben soll. Die Angaben stammen laut AEPD von der betroffenen Organisation und werden noch geprüft. Für die Meldung binnen 72 Stunden müsse ein Unternehmen wissen, welche Datensätze sich geändert hätten, was sie nun enthielten und wie sie vorher ausgesehen hätten, so Eswaran. Ein Wiederherstellungspunkt beantworte das nicht, nötig sei zusätzlich eine „Wiederherstellungskarte“, die zeige, was zurückgesetzt werden solle und was nicht.
Agenten, Rechte und ROT-Daten
Grundlage ist der DataAI Command Graph der DataAI Command Platform. Er soll Produktivdaten mit dem Backup-Kontext verknüpfen und Dateien, Benutzer, Berechtigungen, Agenten und Schutzstatus einander zuordnen. Die Funktionen für Datensicherheit und Governance stammen laut Pressemitteilung von Securiti AI. Bestehende Produkte wie Veeam Data Platform und Veeam Kasten würden an die Plattform angebunden, sagte Eswaran.
Laut Hersteller erfasst das Add-on bekannte und unbekannte Agenten einschließlich Copilot und zeigt, auf welche sensiblen Daten sie zugreifen und welche Dateien sie geändert oder gelöscht haben. Redundante, veraltete und unwesentliche Daten (Redundant, Obsolete, Trivial, kurz ROT) lassen sich in Quarantäne verschieben. In einer Spotlight-Session zeigte Field CTO Brad Linch Richtlinien, die Dateien mit Konto- oder Kreditkartennummern automatisch kennzeichnen und so für Copilot sperren, sowie eine Zeitleiste erfasster Agentenaktionen, über die sich einzelne gelöschte Dateien wiederherstellen lassen.
Private-Preview-Kunden hätten unter anderem 25 Agenten in einem einzelnen Tenant gefunden, von denen zwei aktiv Daten veränderten, so Veeam. Andere hätten nach Daten mit Bezug zu DORA oder DSGVO gesucht. Laut dem von Veeam herausgegebenen Data Trust & Resilience Report 2026 setzten 88 Prozent der Unternehmen KI-Agenten ein oder testeten sie, als KI-reif gälten aber nur 7 Prozent. Das Add-on ist in zwei Editionen sowie über Veeam Cloud & Service Provider (VCSP) erhältlich. Foundation kostet laut Produktseite 2,49 US-Dollar je Nutzer und Monat, Advanced mit erweiterter Klassifizierung und Kennzeichnung sensibler Daten 4,99 Dollar, jeweils bei jährlicher Abrechnung.
Version 13.1 in den Technik-Sessions
In der Session „Designing Data Resilience for the Modern Enterprise“ stand die aktuelle Version 13.1 der Veeam Data Platform im Mittelpunkt. Rick Vanover, VP Tech Marketing, und Field CTO Emilee Tellez führten die inzwischen allgemein verfügbare Active Directory Forest Recovery vor, die aus Image-Backups von Domain-Controllern einen kompletten Forest wiederherstellt. Die geführte Wiederherstellung unterstützt derzeit Domain-Controller aus VMware-vSphere- und Microsoft-Hyper-V-Backups; als Ziele kommen ebenfalls diese beiden Virtualisierungsplattformen infrage. Neu sind Update-Einstellungen für Backup-Server unter Windows, die Sicherheitsupdates standardmäßig binnen 30 Tagen einspielen, sowie das Application Backup Repository, eine von Veeam verwaltete NFS-Freigabe für Anwendungen ohne eigene Integration. Der Assistent Veeam Intelligence bringt zwei neue Agenten für Malware-Tiefenanalyse und Backup-Administration mit. Für die Migration auf die Veeam Software Appliance verweist der Hersteller auf den Knowledge-Base-Artikel KB4800.
Todd Vancil, Vice President Systems Engineering, und Ben Young, Field CTO APJ, zeigten eine neue Version des Plug-ins für Palo Alto Networks Cortex, die im Marketplace bereitsteht. Es übernimmt Ergebnisse von Backup-Scans, Alarme eines Recon-Scanners in der Backup-Infrastruktur und Befunde des Security & Compliance Analyzer als Incidents. Playbooks starten unter anderem Scans mit YARA-Regeln, Schnell-Backups oder Instant Recoveries. In einer weiteren Demo löste ein EDR-System nach dem Fund einer Ransomware-Notiz automatisch Backups von Entra ID und Fileservern aus.
Previews für VBR, Okta und Code
In der Private Preview für die Veeam Data Platform lassen sich bestehende Backup-and-Replication-Server (VBR) ohne Datenmigration an die DataAI Command Platform anbinden. Die Daten bleiben lokal, eine Cloud-Konsole zeigt die gesamte VBR-Flotte samt Umgebungen unter Hyper-V, VMware und Nutanix und warnt vor Servern mit zu knappen Ressourcen. Drei Agenten für Dashboard, Graph und Backup-Administration ergänzen die Konsole. Die Funktion soll mit Veeam Data Platform v13.2 kommen, deren allgemeine Verfügbarkeit Veeam im vierten Quartal 2026 erwartet.
iResOps für Okta läuft als vollständig verwalteter Dienst. Okta biete keine native Point-in-Time-Wiederherstellung und für Benutzer nur ein 30-tägiges Soft-Delete-Fenster, argumentiert Veeam. Der Dienst erzeuge unveränderliche Wiederherstellungspunkte für 29 Objekttypen, prüfe jedes Objekt über die Live-API auf Wiederherstellbarkeit und stelle beim Zurücksetzen auch Mitgliedschaften, App-Zuweisungen und Rollen in der richtigen Reihenfolge wieder her. Für Active Directory und Microsoft Entra ID bietet Veeam Identitätsresilienz bereits an.
Im vierten Quartal 2026 sollen Private Previews für GitHub und Azure DevOps folgen, die Code, Pipelines, Einstellungen und Berechtigungen abdecken, ebenso eine Preview für Google IAM. Als weitere Kandidaten nannte Rehan Jalil, President of Products and Technology, unter anderem Google Workspace, AWS IAM und GitLab, ohne Termine anzugeben. Laut Veeam können sich die Funktionen der Private Previews bis zur Freigabe noch ändern.
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