Broadcom versteckt das VDDK – ein Entwickler baut es einfach nach
Der Cloud-Architekt Andrija Panić hat mit OpenVDDK eine freie Alternative zu VMwares Virtual Disk Development Kit entwickelt. Die Bibliothek springt in die Lücke, die Broadcom Ende August gerissen hat: Damals sperrte der Konzern den öffentlichen Zugriff auf das VDDK, beschränkte die Downloads auf registrierte Partner und erschwerte so den Wechsel von vSphere zu anderen Hypervisoren erheblich.
OpenVDDK ist ein Drop-in-Ersatz für die zentrale VMware-Bibliothek libvixDiskLib.so.8.0.3. Die Ersatzbibliothek steht derzeit ausschließlich für Linux auf x86-64 bereit. Das Werkzeug richtet sich an Systemadministratoren, Cloud-Provider und Entwickler, die virtuelle Maschinen sichern oder auf andere Plattformen wie KVM, Proxmox VE, Apache CloudStack oder OpenShift umziehen wollen. Das Original-VDDK wurde von VMware zwar primär für Hersteller von Backup-Software konzipiert, bildet unter der Haube aber auch das Fundament für freie Migrationstools wie virt-v2v und nbdkit. Nachdem Broadcom den VMware-Ausstieg erschwert hatte, liefen diese Werkzeuge bei Neuinstallationen ins Leere. Anbieter wie ShapeBlue dokumentierten den plötzlichen Entzug, den Broadcom gegenüber Kunden im Nachhinein mit Sicherheits- und Lizenzvorgaben begründete.
Clean-Room-Implementierung in Go und C
Panić hat die Bibliothek nach eigenen Angaben im Clean-Room-Verfahren von Grund auf neu entwickelt. Die Implementierung basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglicher Dokumentation sowie Black-Box-Tests und enthält explizit keinen Programmcode von VMware. Wie der Entwickler gegenüber The Register per E-Mail erläuterte, besteht OpenVDDK technisch aus einem Kern in Go, über dem ein schlanker C-Wrapper liegt. Er bildet exakt die C-Schnittstelle (ABI), den Dateinamen und die Symbolversionen des Originals nach. Bestehende Migrationswerkzeuge laden die Ersatzbibliothek dadurch ohne Anpassungen am eigenen Quellcode.
Erfahrene Administratoren üben in diesem iX-Workshop praxisnah, wie sie virtuelle Maschinen von VMware ESXi erfolgreich auf Proxmox VE migrieren. Dazu erfahren sie auch, wie sie ihre bestehende Virtualisierungsinfrastruktur analysieren und auf einen Umstieg vorbereiten.
Im Unterschied zum Original von VMware beschränkt sich OpenVDDK allerdings rein auf den Lesezugriff. Für die Migration von Workloads und für Backups reicht das aus, Schreiboperationen auf VMDK-Dateien unterstützt die Bibliothek nicht. Wiederherstellungen (Restores) sind damit nicht möglich. Auf der Projektwebseite sind erfolgreiche Tests mit den vSphere-Versionen 6.7, 7.0.3 und 8.0.3 dokumentiert. Gegenüber The Register gab Panić an, die Bibliothek im eigenen Labor inzwischen auch erfolgreich gegen Version 9.1.1 getestet zu haben. Die Release-Notes zu OpenVDDK 0.7.4 führen HotAdd, NBDSSL und NBD als unterstützte Transportmodi auf. HotAdd funktioniert bislang nur über vCenter, bei direkten ESXi-Verbindungen stehen NBDSSL und NBD zur Verfügung. Den SAN-Transport und den direkten Zugriff auf lokale VMDK-Dateien unterstützt OpenVDDK nicht.
Quellcode veröffentlicht, erste Praxistests
Der Quellcode von OpenVDDK steht unter der Apache-2.0-Lizenz öffentlich auf GitHub bereit. Für Version 0.7.4 bietet das Projekt außerdem fertige Pakete für Anwender und Entwickler zum Download an.
Gegenüber The Register schilderte der Entwickler bereits erste Einsätze in Produktionsumgebungen, betonte dabei aber, dass es sich nicht um unabhängig auditierte Referenzen handelt. So nutze ein deutscher Cloud-Provider die Bibliothek, um einen großen Dateiserver zu migrieren, während ein US-Unternehmen damit Workloads zu Apache CloudStack und KVM umziehe. Unabhängige Tester hätten ihm zudem erfolgreiche Migrationen mit Forklift nach KubeVirt und mit Red Hats Migration Toolkit for Virtualization (MTV) gemeldet – sowohl im ausgeschalteten Zustand (Cold) als auch mit Vorab-Kopie im laufenden Betrieb (Warm). Außerdem habe er Berichte über erfolgreiche Migrationen mit einer Proxmox-VE-Pipeline erhalten.
Alternative Migrationswege anderer Anbieter
Neben dem neuen Ersatzprojekt arbeiten auch andere Plattformanbieter daran, die Abhängigkeit von Broadcoms gesperrter Bibliothek zu lösen. Red Hat darf das VDDK-Image aus Lizenzgründen nicht selbst ausliefern, wie aus der MTV-Dokumentation von Red Hat hervorgeht. In einem Support-Dokument im Red Hat Customer Portal nennt das Unternehmen Storage-Offloading per XCOPY als möglichen Workaround, sofern das Backend-Storage diese Funktion unterstützt. Die Entwicklungsabteilung sucht unterdessen nach langfristigen Alternativen.
Andere Hersteller sind diesen Schritt bereits gegangen. So hat Nutanix in den Release-Notes zu Nutanix Move 6.3.3 die Funktion DirectPath eingeführt, die Festplattendaten bei neuen Deployments direkt von ESXi zum eigenen Hypervisor AHV überträgt und das VDDK komplett umgeht. Auch OpenNebulas Werkzeug OneSwap kann VMware-VMs ohne VDDK migrieren, etwa durch den Import zuvor exportierter OVAs. Laut der offiziellen OneSwap-Dokumentation erreicht das Tool in der Praxis eine Erfolgsquote von 96 Prozent bei der automatischen Konvertierung.
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