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Thursday, October 29, 2026

Kreuzfahrt-Fiasko: Gestrandete Carol gibt «Trump die Hauptschuld»

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  • Die 15-jährige Kreuzfahrt der MS Odyssey endete nach zwei Jahren abrupt in Kambodscha.
  • 203 Passagiere und 156 Crewmitglieder mussten das Schiff innerhalb von sieben Stunden verlassen.
  • Der Betreiber begründet den Abbruch mit explodierenden Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs.
  • Viele Passagiere haben grosse Teile ihrer Ersparnisse investiert und wissen nun nicht, wie es weitergeht.

«Nach zwei Jahren einfach von Bord geschmissen.» So erging es Lanette Canen und Johan Bodin. Eine Durchsage am Dienstag setzte ihrem Traum vom Leben auf dem Kreuzfahrtschiff MS Odyssey ein abruptes Ende. Genau gesagt endete er im Hafen von Sihanoukville (Kambodscha). Dabei hatte der Anbieter der auf 15 Jahre ausgelegten Kreuzfahrt ihnen und den rund 200 weiteren Passagieren ein «sorgloses» Leben versprochen.

Plötzlich obdachlos und weit weg von zu Hause

Doch daraus wird nichts. Im Gegenteil, wie Long Dimanche, der stellvertretende Gouverneur der Provinz Preah Sihanouk, in einer Stellungnahme klarmacht: «Die plötzliche Anordnung zur Ausschiffung hat viele Passagiere und Besatzungsmitglieder Tausende von Kilometern von ihren Heimatländern entfernt obdachlos gemacht.» Ihnen blieben nur sieben Stunden, ihre Sachen zu packen und das Schiff zu verlassen. Die Anweisung traf 203 Gäste und 156 Crewmitglieder. Viele von ihnen sitzen in Kambodscha fest. Der Rentner Benjamin Schatz erklärte gegenüber CBS News, unter Schock zu stehen. Er dachte, das Schiff sei sein Zuhause. «Ich bin untröstlich.» Wie ihm geht es vielen Passagieren.

«Kostenexplosion»: So erklären die Verantwortlichen das Aus der Reise

Die Firma Villa Vie Residences begründet das unplanmässige Ende der Kreuzfahrt mit explodierenden Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs. «Pro Kabine und Monat betragen die Treibstoffkosten, die in der Vergangenheit durchschnittlich bei etwa 1800 US-Dollar lagen, in Teilen Asiens nun schätzungsweise 6000 bis 8000 US-Dollar», heisst es in einer Mitteilung. Das sei nicht zu stemmen. Und man könne die Kostensteigerungen nicht einfach an die Bewohnenden weitergeben.

Bisher ergriffene Massnahmen brachten nichts

Trotzdem sei man nicht tatenlos geblieben, heisst es weiter: «Seit Beginn des Konflikts Ende Februar haben wir erhebliche Massnahmen ergriffen, um den Treibstoffverbrauch zu senken, darunter eine Verlangsamung der Reiseroute und längere Hafenaufenthalte. Diese Massnahmen reichten jedoch nicht aus.» Man wolle nun Alternativen zur Umstrukturierung und Rekapitalisierung prüfen.

Gegenüber «CBS News» sagte Firmenchef Mikael Petterson, die gesamten monatlichen Ausgaben seien von rund 400’000 auf zwei Millionen Dollar geklettert.

Frances Paroissien: Lieber auf dem Schiff als allein in der Wohnung

Ebenfalls eiskalt überrascht vom abrupten Ende der 15-Jahres-Kreuzfahrt wurde Frances «Fran» Paroissien, eine ehemalige Lehrerin aus Melbourne. Die 78-Jährige hatte sich auf eine lange Zeit auf der MS Odyssey eingestellt und ihre Kabine für 15 Jahre gekauft. Unterkunft, Verpflegung, Reinigung und medizinische Versorgung – das Kreuzfahrtschiff böte alles, was sie brauche, erzählte sie vor zwei Jahren dem Portal «Cruise Passenger». Ein Leben an Bord eines Schiffes sei für sie als Witwe deutlich attraktiver als das in einer Wohnung oder in einem Pflegeheim. Noch vor rund einem Jahr schwärmte sie in einem Instagram-Clip von Villa Vie Residences von ihrer Zeit an Bord. Zwar gebe es hin und wieder kleine Konflikte. Aber generell kämen alle Passagiere gut miteinander aus.

Vor rund einem Jahr erzählte die heute 78-Jährige in einem Instagram-Video von der Reise. Heute weiss sie nicht, wie es mit ihr weitergeht.

Vor rund einem Jahr erzählte die heute 78-Jährige in einem Instagram-Video von der Reise. Heute weiss sie nicht, wie es mit ihr weitergeht.Screenshot Instagram/villavieresidences

Jeff Wetherelland und Barbara Figiel

Auch Barbara Figiel, eine ehemalige UN-Mitarbeiterin, schwärmte in einem Instagram-Clip von Villa Vie Residences von ihrer Zeit auf der MS Odyssey. Die 62-Jährige hatte die Reise im Dezember 2024 gemeinsam mit ihrem Mann Jeff Wetherelland angetreten – und sich damit einen grossen Traum erfüllt. «Ich habe immer gesagt: ‹Oh, wenn ich in Rente gehe, möchte ich auf einem Kreuzfahrtschiff leben›», sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die erste Zeit sei auch toll gewesen. Aber in den letzten vier Monaten «wussten wir, dass etwas nicht stimmte, weil sie immer mehr und mehr Geld von uns verlangten». Wie viel das Paar für ein Leben auf See investiert hat, ist nicht bekannt. Ebenso, ob sie jemals wieder etwas davon wiedersehen werden. «Ich glaube nicht, dass wir betrogen wurden», sagt Figiel. «Wir haben einen tollen Lebensstil genossen, aber die Kosten wurden unterschätzt.»

Randy und Kit Cassingham

Rund eine Million Dollar haben Randy und Kit Cassingham für die All-inclusive-Kreuzfahrt hingeblättert. Dies in der Hoffnung, dass diese 15 Jahre dauern würde. Auch sie bezeichnen das Angebot von Villa Vie Residences als perfekt für sie: «Meine Frau und ich reisen sehr gerne. Aber wir hassen Flughäfen und Airlines. So konnte man nur einmal auspacken, jede Nacht im eigenen Bett schlafen und alle paar Tage an einem neuen Ort aufwachen», zitiert sie die AFP. Die Zeit an Bord sei «grossartig» gewesen, zumindest «eine Zeit lang». Sollte die Kreuzfahrt irgendwann fortgesetzt werden, würden sie wieder an Bord gehen. Für andere sehe es aber deutlich schlechter aus: Einige Passagiere hätten einen Grossteil ihrer Altersvorsorge in die Reise gesteckt und wüssten nun nicht, wie es nun weitergehe. Eine Sache geht den beiden selbst gehörig gegen den Strich: Die Cassinghams werfen dem Betreiber vor, «absolut nichts» getan zu haben, um den gestrandeten Passagieren zu helfen. Sie seien ins Stadtzentrum gefahren und dort ohne eine Liste von Hotels zurückgelassen worden.

Carol Larson gibt Trump «die Hauptschuld»

Nicht ganz so tief in die Tasche gegriffen hat die 69-jährige Carol Larson aus Kalifornien, die mit einer Kollegin reiste: Sie zahlte 120’000 Dollar plus die monatlichen Gebühren für die Wartungen der Kabine. Auch sie zeigt sich überrumpelt ob des plötzlichen Endes der Weltreise auf dem Wasser. Für sie hat die US-Regierung das Desaster zu verantworten: «Ich gebe Trump die Hauptschuld», sagte sie der AFP. «Aber es gab da wohl auch einige finanziell fragwürdige Buchführungspraktiken.» Aktuell sitzt das Frauen-Duo in Sihanoukville. Voll Groll ist sie laut eigener Aussage aber nicht. Die Reise habe sich «auf jeden Fall gelohnt».

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Holly Hennessey muss «vielleicht eine ganze Zeit» in Kambodscha bleiben

So sieht es auch die Amerikanerin Holly Hennessey (70), die die Reise 2024 zusammen mit ihrer Katze Captain angetreten ist. Auch sie findet trotz des überraschenden Abbruchs nur positive Worte: «Die zwei Jahre waren magisch», erzählt sie gegenüber RTÉ Radio 1. «Wir sind teilweise fünf Tage an einem Hafen gewesen, das ist mehr als bei anderen Kreuzfahrten.» Dass die Reise nun vorbei ist, kommentiert sie mit einem Schulterzucken: «Es war ein Start-up-Unternehmen, es hat nicht funktioniert.» Offen sei jetzt für sie aber, wie es weitergehe. Wegen Captain. «Jedes Land, in das ich reisen könnte, verlangt Exportpapiere», erzählt sie. «Es könnte also sein, dass ich eine ganze Weile in Kambodscha bleiben werde.»

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Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.

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