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Wednesday, September 23, 2026

Warum Gewalt gegen Frauen im südlichen Afrika anhält

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Am 17. September entdeckte die Polizei im Johannesburger Stadtteil Dawn Park die Leiche einer Frau. Sie war bereits die neunte Frau, die seit Juli in verschiedenen Teilen der Metropolgemeinde Ekurhuleni tot aufgefunden wurde. Ob die Fälle miteinander zusammenhängen, ist bislang unklar.

Eine der identifizierten Toten ist die 38-jährige Dineo Evelyn Motapane. Ihre Leiche war am 15. September am Straßenrand von Kwa-Thema gefunden worden, einem Township in Springs östlich von Johannesburg. Ihre Familie hatte sie am folgenden Tag identifiziert.

Für Dineos Schwester Carol ist ihr Tod mehr als eine weitere Zahl in der StatistikSüdafrikas - eines Landes, in dem geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide seit November 2025 als "nationale Katastrophe" eingestuft sind.

"Wir werden sie nie wieder durch die Tür kommen sehen. Und das Schlimmste: Ihre zweijährige Tochter hat keine Ahnung, was passiert ist", sagte Carol der DW. "Wie soll man ihr erklären, dass ihre Mutter brutal ermordet, hinter Büschen abgelegt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde? [...] Und dass sie deshalb keine Mutter mehr hat?"

Südafrika Springs 2026 | Forensiker am Fundort einer weiteren Frauenleiche in KwaThema
Forensiker bei Untersuchungen am Fundort einer weiteren Frauenleiche in KwaThema östlich von JohannesburgBild: AP Photo/picture alliance

Die Polizei erhöht die Präsenz

Die Behörden haben die Polizeipräsenz in den betroffenen Gebieten verstärkt. Eine multidisziplinäre Ermittlergruppe aus Kriminalpolizei, Forensik, Nachrichtendiensten und weiteren Spezialisten untersucht die Fälle. Die Regierung hat zudem eine umfassende Notfallstrategie beschlossen.

Die Polizei warnt davor, Spekulationen über einen Serienmörder als Tatsache darzustellen - die Ermittler überprüfen derzeit verschiedene mögliche Zusammenhänge.

Für Frauen in der Metropolgemeinde Ekurhuleni hat die Serie von Tötungen den Alltag verändert. Gewalt ist ein zunehmend drängendes Problem - nicht zuletzt nach der Welle fremdenfeindlicher Gewalt gegen Ausländer, von der auch viele Frauen betroffen waren. Einige vermeiden es, allein zu Fuß unterwegs zu sein. Die Behörden rufen die Bevölkerung auf, Vermisste möglichst schnell zu melden und Hinweise zu den Taten direkt an die Polizei weiterzugeben.

Bei einer Demonstration in Johannesburg warnte die südafrikanische Ministerin im Präsidialamt für Frauen, Jugend und Menschen mit Behinderungen, Sindisiwe Chikunga, Gewalt gegen Frauen beginne häufig im privaten Umfeld.

"Bitte hört auf damit. Hört auf, Frauen zu vergewaltigen. Hört auf, Frauen zu beleidigen. Hört auf, Frauen finanziell zu missbrauchen", appellierte sie an die Täter. Gewalt könne sich steigern: "Es beginnt mit Beleidigungen. Dann kommt es zu Übergriffen und schließlich zu Mord. Das darf nicht sein."

Südafrika Boksburg 2026 | Polizei ermittelt nach Serienmorden an Frauen östlich von Johannesburg
Die Polizei ermittelt nach Serienmorden an Frauen östlich von Johannesburg, hier in BoksburgBild: Emmanuel Croset/AFP

Gesetze allein reichen nicht

Südafrika verfügt über Gesetze und Programme zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Im Juli 2026 setzte Präsident Cyril Ramaphosa zudem den sogenannten "National Council on Gender-Based Violence and Femicide" ein. Das Gremium soll die Umsetzung der nationalen Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt koordinieren.

Für Naledi Masipa von Gender Links, einer Organisation für Geschlechtergerechtigkeit im südlichen Afrika, liegt die Herausforderung jedoch vor allem in der Umsetzung. "Gesetze und politische Maßnahmen zu haben, verändert nicht automatisch das, was in Gemeinschaften und Haushalten geschieht", sagte sie der DW.

Das gesamte Unterstützungssystem müsse funktionieren - von Polizei und Gesundheitswesen über psychosoziale Hilfsangebote bis hin zur juristischen Unterstützung. "Der eigentliche Test ist, ob sich eine Frau in ihrem Alltag sicherer fühlt."

Auch Amnesty International South Africa fordert, den geschlechtsspezifischen Charakter solcher Tötungen stärker zu berücksichtigen. "Femizid wird selbst nicht als Straftat anerkannt. Er wird einfach als weiterer Mord betrachtet", so Tegan Snyman, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Organisation.

Südafrika Boksburg 2026 | Anwohner am Tatort nach Fund einer Frauenleiche
Anwohner am Tatort in Boksburg, östlich von JohannesburgBild: Emmanuel Croset/AFP

Die Gewalt betrifft die ganze Region

Das Problem beschränkt sich nicht auf Südafrika. Auch die Nachbarländer Botsuana und Sambia kämpfen mit einem hohen Ausmaß an geschlechtsspezifischer Gewalt.

In Botsuana haben nach Angaben der Vereinten Nationen rund 37 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens Gewalt erlebt. Im Juni 2026 starteten Regierung und Vereinte Nationen ein gemeinsames Programm. Es soll unter anderem Prävention, die Unterstützung von Betroffenen und die Stärkung staatlicher Institutionen fördern.

Auch in Sambia gibt es trotz entsprechender Gesetze und nationaler Programme weiterhin geschlechtsspezifische Gewalt: "Sie ist tief in Machtverhältnissen, Ungleichheit und gesellschaftlichen Erwartungen verwurzelt", so Anne Mbewe-Anamela vom sambischen Non-Governmental Coordinating Council gegenüber der DW.

"Wir können starke Gesetze haben. Aber wenn Gemeinschaften weiterhin glauben, Gewalt sei eine private Angelegenheit oder ein normaler Bestandteil einer Ehe, bleiben Betroffene stumm und gefangen."

Auch in anderen Teilen Afrikas, etwa in Nigeria und Kenia, rückt Gewalt gegen Frauen zunehmend in den Fokus – sowohl in der Politik als auch in der Zivilgesellschaft.

Nigeria: Wenn Schulden Mädchen zu Opfern machen

Schutz muss im Alltag ankommen

Für Aktivisten in der Region geht es deshalb nicht nur darum, weitere Gesetze zu verabschieden. Entscheidend ist, ob Schutz, Unterstützung und Strafverfolgung tatsächlich funktionieren.

Auch die südafrikanische Regierung räumt ein, dass geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide trotz verstärkter Gesetzgebung und weiterer Maßnahmen weiterhin weit verbreitet sind. Die nationale Strategie setzt deshalb neben der Strafverfolgung auch auf Prävention und Unterstützung für Betroffene.

Für Dineos Familie ist die Frage nach der Wirksamkeit dieser Maßnahmen längst keine politische oder statistische mehr. Ihre Schwester Carol weiß, dass Dineo nicht zurückkommen wird. Sie möchte, dass ihre Tochter eines Tages versteht, dass das, was ihrer Mutter widerfahren ist, nicht normal war - und dass Frauen ein Recht darauf haben, sicher zu leben.

Wie Kenia gegen die wachsende Zahl an Femiziden kämpft

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