«Es ist immer genau das Gegenteil»: User genervt von Apple Wetter

- Die vorinstallierte Wetter-App von Apple sorgt bei vielen iPhone-Nutzern für Frust wegen unzuverlässiger Prognosen.
- Apple nennt zwar internationale Datenquellen wie den Deutschen Wetterdienst und ECMWF, legt aber nicht offen, welche Daten für die Schweiz genutzt werden.
- Meteorologe Peter Wick erklärt: Die komplexe Topografie der Schweiz macht lokale Wetterprognosen besonders schwierig.
Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigt derzeit, wie verwirrend die Übergangszeit sein kann. Während die einen morgens noch im T-Shirt aus dem Haus gehen, packen sich andere bereits dick ein. Kein Wunder, denn zwischen Sonnenaufgang und Nachmittag können die Temperaturen um bis zu 15 Grad steigen. Zudem steht diese Woche ein Wetterumschwung bevor.
Doch wer für die Kleiderwahl rasch einen Blick auf die Wetter-App wirft, ist nicht unbedingt besser informiert. Besonders die Wetter-App von Apple sorgt bei Userinnen und Usern immer wieder für Frust. Sie ist auf jedem iPhone vorinstalliert und deshalb für viele die erste Wahl. «Ich finde die App zuverlässig: Es ist immer genau das Gegenteil», schreibt etwa ein User sarkastisch auf Tiktok. Ein anderer möchte wissen, was die Apple-Wetter-App eigentlich beruflich macht. Doch liegt das tatsächlich an Apple, oder stossen Wetter-Apps in der Schweiz schlicht an ihre Grenzen?
Woher kommen Apples Wetterdaten?
Apple nennt als Datenquellen für seinen Wetterdienst etwa den Deutschen Wetterdienst, das europäische Wetterzentrum ECMWF, Météo-France und die US-Behörde NOAA. Welche Daten in der Schweiz konkret verwendet und wie sie gewichtet werden, legt der Konzern jedoch nicht offen. MeteoSchweiz wird auf der öffentlichen Liste nicht ausdrücklich erwähnt. Apple nennt für die Schweiz keine eigenen Wetterstationen. Auch ob das Unternehmen lokale Messstationen nutzt oder Prognosen von Meteorologinnen und Meteorologen überprüfen lässt, bleibt unklar.
Wie sehr nerven dich Wetter-Apps, wenn sie in der Schweiz danebenliegen?
Gerade bei Schweizer Wetterlagen ist das relevant. MeteoSchweiz etwa gleicht seine Modelle laut eigenen Aussagen mit aktuellen Messwerten sowie Radar-, Satelliten- und Webcam-Bildern ab, danach formulieren Meteorologinnen und Meteorologen die Prognosen. Bei manchen Wetter-Apps würden Vorhersagen hingegen vollautomatisch berechnet, sagt Meteorologe Peter Wick – «ohne dass ein Meteorologe nochmals darüber schaut». Ob dies auch bei Apple Wetter zutrifft, ist nicht bekannt.
Die Kritik an Apple hängt auch mit Dark Sky zusammen. Apple kaufte die bei Wetterfans beliebte App 2020 und stellte sie Anfang 2023 ein. Dark Sky war besonders für lokale Kurzfrist-Prognosen bekannt, etwa für die Frage, wann es in den nächsten Minuten zu regnen beginnt. Apple erklärte damals, deren Funktionen seien in die eigene Wetter-App integriert worden. Die Niederschlagsprognose für die nächste Stunde ist etwa in der Schweiz aber weiterhin nicht verfügbar. 20 Minuten hat Apple zu seinen Datenquellen und der Kontrolle der Prognosen angefragt. Bis zur Veröffentlichung des Artikels lag keine Antwort vor.
Wetter-App ist nicht gleich Wetter-App
Für Meteorologe Wick ist klar: Eine Wetterprognose ist keine Garantie, sondern die Berechnung der wahrscheinlichsten Entwicklung. Der exakte Zustand der Atmosphäre lasse sich trotz Milliarden von Messdaten nie vollständig erfassen. Schon kleine Abweichungen bei Temperatur, Feuchtigkeit, Wind oder Luftdruck könnten den Wetterverlauf Stunden oder Tage später verändern.
Zudem arbeiteten Apps mit unterschiedlichen Modellen und Berechnungsmethoden. Deshalb könne auf demselben Handy eine App für Samstag 24 Grad und Sonne anzeigen, während eine andere 20 Grad und Regen prognostiziert. «Das bedeutet nicht zwingend, dass eine App schlecht ist», betont Wick. Oft zeige es vielmehr, dass die Wetterentwicklung noch unsicher sei.
Die Schweiz ist ein kompliziertes Pflaster
Gerade die Schweiz sei zudem meteorologisch gesehen ein «ziemlich kompliziertes Pflaster», sagt Wick. Jura, Mittelland, Voralpen, Alpen, grosse Täler, Seen, Föhntäler und unterschiedliche Höhenlagen beeinflussen Wind, Wolken, Niederschlag und Temperatur. Die Verhältnisse könnten sich bereits innerhalb von 20 oder 30 Kilometern massiv unterscheiden. Besonders schwierig seien lokale Ereignisse wie Gewitter, Nebel oder einzelne Regenschauer. Ein Gewitter lasse sich für eine Region zwar oft gut vorhersagen, ob es aber genau über Zürich, Winterthur oder Bülach ziehe, sei teilweise erst kurzfristig abschätzbar.
Der Meteorologe rät deshalb, sich von einzelnen Wettersymbolen nicht zu stark leiten zu lassen. «Man muss nicht zehn Tage im Voraus den Grillabend absagen, nur weil die App ein Regensymbol zeigt.» Je weiter ein Termin entfernt sei, desto eher sollte man die Prognose als Trend verstehen. Für die nächsten Stunden sei zudem das Regenradar häufig wertvoller als das klassische Wettersymbol.
Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News
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