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Saturday, August 15, 2026

Fehler des Verteidigers und Venenstruktur entlarven Mörder

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Ein Rentner verschwindet spurlos. Blutspuren, ein rätselhaftes Testament und seine Hündin führen Ermittler auf die Spur eines mutmaßlichen Tötungsdelikts - ohne Leiche, voller Rätsel.

08.08.2026 | 44:36 min

Sie waren kaum sichtbar, aber eindeutig da: 58 Blutspuren rund um das Bett und viele weitere in der restlichen Wohnung. Eine Leiche gab es nicht, doch der 76-jährige Rainer M. aus Wiesbaden wurde einige Tage zuvor im August 2013 von Nachbarn als vermisst gemeldet.

Sie waren es auch, die eine erste Spur fanden. Denn Rainer M.s Hündin Ida war ebenfalls verschwunden. Die Nachbarn fanden sie im Tierheim, abgegeben von Herrn S., einem angeblichen Freund von Rainer M.

Herr S. behauptete, der Vermisste sei in die Schweiz gezogen. Schließlich landete der Fall bei Kriminalkommissarin Julia Bornhausen.

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Welche Spuren die Polizei verfolgte

Die Ortung von Rainer M.s Handy brachte die Beamten nicht weiter: Das Gerät lag in seiner Wohnung. Nächste Anlaufstelle: die Bank, um Geldabhebungen zu prüfen. Die Vollmachten auf den Namen des Nachbarn waren widerrufen und von M.s Konto höhere Summen abgehoben worden. Kriminalkommissarin Bornhausen erfuhr, "dass Herr M. im Grunde genommen millionenschwer gewesen ist". Damit hatte die Polizei ein mögliches Motiv.

Bei der Bank erhielt die Kommissarin Einblicke in Überwachungsvideos: "Den Moment werd' ich nie vergessen in meinem Leben", sagt Bornhausen.

Dann guck ich auf den Monitor von dieser Videoüberwachung und da war klar: Hier haben wir es wohl mit einem Gewaltverbrechen zu tun.

Julia Bornhausen, Kriminalkommissarin

Die Bilder zeigten einen scheinbar alten Mann, der von Rainer M.s Konto Geld abhob. Tatsächlich hatte der Mann jedoch eine Faschingsmaske und Latexhandschuhe übergezogen, um seine wahre Identität zu verbergen.

Außerdem befragte die Polizei die letzte bekannte Kontaktperson von Rainer M., Herrn S. In der Befragung verwickelte Herr S. sich in Widersprüche und wurde so schnell verdächtig.

Es stellte sich heraus: Als sein ehemaliger Finanzberater wusste er von Rainer M.s Vermögen. Damit hatte er ein Motiv: Habgier. Als ein gefälschtes Testament aus der Schweiz eintraf, das Herrn S. mit 500.000 Euro bedachte, schien die Sachlage klar. Für eine Verhaftung fehlten allerdings weiterhin eindeutige Spuren vom Tatort.

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Suche nach Beweisen

Von November 2013 bis Januar 2014 durchsuchte die Polizei die Mülldeponie Singhofen, circa 40 Kilometer entfernt von Wiesbaden. Herr S. soll im tatrelevanten Zeitraum laut Zeugenaussagen Gegenstände in eine Mülltonne geworfen haben - und dieser Müll landet auf der Deponie Singhofen. Doch die Polizei fand auch hier keine Beweise für den Mord an Rainer M.

Aufschlussreicher war die Auswertung von Herrn S.' Handydaten. Immer, wenn es um tatrelevante Zeiten ging, wurde das Gerät nicht genutzt. So zeigten die Daten, dass sein Handy sich am 27. August 2013 neun Stunden unbewegt auf dem Frankfurter Messeparkplatz befand. Eine Abfrage bei der Deutschen Bahn ergab, dass an jenem Tag morgens an der S-Bahnstation bei der Messe ein Zugticket nach Zürich gekauft und bar bezahlt worden war. Kurz bevor aus der Schweiz das gefälschte Testament verschickt wurde.

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Einzigartiges Venenmuster überführt den Täter

In der Zwischenzeit hatten die Kriminaltechniker auf dem Überwachungsvideo aus der Bank die Venen des unbekannten Mannes auf elf Bildern isolieren können. Nach einem Abgleich mit 400 Vergleichsbildern war klar: Die Venen auf den Bildern stimmten mit Herrn S.' Venenstruktur überein. Er war der Mann mit der Faschingsmaske.

Bei Zugangskontrollsystemen in Hochsicherheitseinrichtungen wird das schon seit langer Zeit verwendet, weil das Venenmuster so individuell ist, dass das die gleiche Sicherheit bietet wie beispielsweise ein Fingerabdruck.

Dr. Peter Neis, Rechtsmediziner

Blutanalyse löst den Fall

Der Fall landete vor Gericht. Die Verteidigung argumentierte: ohne Leiche kein Mord. Sie stellte einen Antrag auf eine Blutspurenmusteranalyse. Bislang hatte es nur eine repräsentative Auswertung gegeben, nun mussten alle Blutspuren genetisch untersucht werden. Es war das Puzzleteil, das den Fall löste.

Die Forensiker entdeckten eine winzige Mischspur aus dem Blut des Opfers und des Täters. Der Mörder hatte sich selbst verletzt und seine genetische Visitenkarte am Tatort hinterlassen. Herr S. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Rainer M.s verbrannte Leiche hatte er im Wald vergraben.

Ermittlungen laufen

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