Patt zwischen Netanjahu und Eisenkot - Regierungsbildung offen
Mit Spannung wird die Wahl in Israel verfolgt.
Quelle: APBei der Parlamentswahl in Israel ist die rechtskonservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut Prognosen stärkste Kraft geworden. Auf Platz zwei landete demnach die Mitte-Partei Jaschar des Ex-Militärchefs Gadi Eisenkot.
Der Oppositionsblock um Eisenkot liegt hingegen leicht vor Netanjahus Regierungskoalition. Für eine Mehrheit reicht es aktuell für beide Seiten nicht. Wie aus den Nachwahlbefragungen mehrerer israelischer Fernsehsender hervorgeht, kommt das Bündnis um Eisenkot auf 52 bis 53 Sitze, Netanjahus Bündnis auf 50. Für die absolute Mehrheit in der Knesset sind 61 Sitze nötig.
Deutliche Zugewinne verzeichneten demnach die arabischen Parteien. Die islamisch-konservative Raam-Partei kommt auf sieben Sitze, die linksgerichtete Vereinigte Liste auf zehn bis elf Sitze. Die arabischen Parteien könnten einer Regierungskoalition im Parlament zu einer Mehrheit verhelfen.
Sehr hohe Wahlbeteiligung
Vor Schließung der Wahllokale hatte sich eine außergewöhnlich hohe Beteiligung abgezeichnet. Bereits bis 18 Uhr Ortszeit hatten nach Angaben der Zentralen Wahlkommission 66,7 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Dies war der höchste Wert zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1973.
Es war die erste Parlamentswahl in Israel seit dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023. Der Wahltag war zudem von Streit um mögliche Wahlmanipulationen begleitet worden. Netanjahu hatte der arabischen Raam-Partei Wahlbetrug vorgeworfen. Die Polizei berichtete von drei Festnahmen wegen des Verdachts der Stimmenbestechung, die Wahlkommission sprach von einem Einzelfall. Einen Antrag von Netanjahus Likud-Partei auf eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale hatte die Kommission abgelehnt.
Netanjahu in der Kritik
Netanjahu ist der am längsten amtierende Ministerpräsident Israels. Eine Mehrheit der Israelis macht den 77-Jährigen für das Versagen der Sicherheitskräfte bei dem Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel verantwortlich. Wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen im Gazastreifen gibt es einen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Darüber hinaus läuft ein Verfahren gegen ihn wegen Korruption.
International ist Israel unter Netanjahu zunehmend isoliert wegen des Krieges im Gazastreifen mit Zehntausenden Toten sowie der Siedlungspolitik und der zunehmenden Gewalt im Westjordanland. Netanjahus Koalition treibt den laut Völkerrecht illegalen Siedlungsbau im Westjordanland massiv voran. In seiner rechtsreligiösen Koalition ist der Regierungschef aktuell auf rechtsextreme und ultraorthodoxe Partner angewiesen.
Alle Entwicklungen zur Wahl in Israel im Liveblog:
Liveblog
Quelle: dpa, Reuters, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 27.10.2026 ab 20:50 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.