Melonis Plan für Italiens Schulen: Ausländerquote und Schleierverbot

Italiens Ministerpräsidentin will das Tragen von Gesichtsschleiern in Schulen verbieten. Außerdem will sie Eltern zum Italienischlernen verpflichten.
Foto: Valentina Stefanelli/ap
rtr | Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will das Tragen von Gesichtsschleiern in Schulen verbieten und die Zahl ausländischer Schüler pro Klasse begrenzen. Eine Maßnahme dazu solle demnächst dem Kabinett vorgelegt werden, sagte sie am Sonntag auf einer Jugendveranstaltung ihrer Partei Fratelli d'Italia. Das geplante Gesetz soll Burkas und Nikabs in Schulen verbieten. „Man muss mit unbedecktem Gesicht zur Schule gehen“, sagte die Ministerpräsidentin. „Und in Italien kann niemand im Namen einer echten oder vermeintlichen Tradition entscheiden, dass eine junge Frau sich verstecken muss.“ Die Integration von Migranten ist in der italienischen Politik und Gesellschaft ein stark umstrittenes Thema.
Zudem sollen Eltern ausländischer Schüler mit großen Integrationsschwierigkeiten verpflichtet werden, Italienisch zu lernen. „Wenn nur ein Kind in einer Klasse ist, das kein Italienisch versteht, wird es die Sprache wahrscheinlich schnell lernen können“, sagte Meloni. „Wenn die Zahl der Kinder, die die Sprache nicht verstehen, jedoch groß wird – oder sogar die Mehrheit ausmacht – ist das keine Integration mehr, sondern Vernachlässigung.“ Eine genaue Obergrenze für die Klassen nannte die rechte Politikerin nicht.
Italien ist aufgrund seiner Lage im zentralen Mittelmeer eines der Länder Europas, die am stärksten von der Ankunft von Migranten betroffen sind. Nach Angaben des Forschungsinstituts Fondazione ISMU sind derzeit knapp zwölf von 100 Schülerinnen und Schülern in Italien keine italienischen Staatsbürger.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Meloni zur Wahl in Sachsen-Anhalt „Brandmauer-Strategie funktioniert nicht“
Italiens Regierungschefin hielt sich zunächst mit Aussagen zum Wahlausgang in dem deutschen Bundesland zurück. Nun erklärt sie, sie halte die Politik der Abgrenzung für nicht erfolgreich.
Eine Party für Meloni Postfaschismus stabil
Die italienische Ministerpräsidentin ist länger im Amt als jeder ihrer Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Geschenk: neue Pläne zur Wahlrechtsreform.
Von Michael Braun
Chefin der italienischen Opposition Mailand oder Madrid – Hauptsache links
Elly Schlein will die sozialdemokratische Partei Italiens wieder mit den Arbeitenden versöhnen. Muss Giorgia Meloni ihre Gegenspielerin fürchten?
Von Michael Braun
10 Ausgaben für 10 Euro Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.
- Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
- Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt kennenlernen
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.