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Friday, November 6, 2026

Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen in Deutschland: Die größte palästinensische Diaspora Europas

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In den letzten 20 Jahren kamen etwa 56.000 asylsuchende Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen nach Deutschland. Über ihre Lebensrealitäten weiß man wenig.

Seit 2005 haben etwa 56.000 Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Das ergab eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die der taz vorliegt. Fast die Hälfte von ihnen kam demnach in den Jahren 2014 und 2015 nach Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen aus Syrien nach Deutschland kamen und dort bereits als Geflüchtete gelebt hatten.

Im Durchschnitt waren die Asylsuchenden 22,5 Jahre alt – 21.000 von ihnen waren bei ihrer Ankunft in Deutschland minderjährig. Es kamen etwa doppelt so viele Männer wie Frauen. Über die Lebensgeschichten der in Deutschland lebenden Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen ist dabei recht wenig bekannt. „Offizielle Daten sind lückenhaft, weil viele als Folge der Nakba staatenlos sind oder die Staatsbürgerschaft eines anderen Staates haben“, sagt Clara Bünger von der Linken der taz. Als Nakba bezeichnet man die Flucht und Vertreibung der Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen im ersten Nahostkrieg 1948 und während der Staatsgründung von Israel.

Bei 32.000 der 56.000 Asylsuchenden war die Staatsangehörigkeit ungeklärt. Etwa 10.000 weitere waren staatenlos. Nach der Staatsgründung Israels waren Hunderttausende Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen nach Syrien, in den Libanon und andere angrenzende Nachbarländer geflohen. Dort erhielten sie jedoch meist keine Staatsbürgerschaft und auch ihre Kinder und Enkel blieben Geflüchtete.

Aus den palästinensischen Gebieten Gaza und Westjordanland kamen nur etwa 3.000 der Antragsteller nach Deutschland. 55 Prozent ihrer Asylanträge wurden bewilligt. Die Quote lag allerdings deutlich höher, wenn die Asylsuchenden nicht direkt aus den palästinensischen Gebieten kamen. Die Anträge von anerkannten Staatenlosen wurden sogar in 90 Prozent der Fälle bewilligt. Im Durchschnitt wurden seit 2005 etwa 80 Prozent der gestellten Asylanträge bewilligt.

Größte Diaspora in Europa

Seit 2024 gab es laut der kleinen Anfrage 21 Abschiebungen von Palästinenser*innen, davon 13 nach Griechenland. Weitere Abschiebungen gingen nach Rumänien, Frankreich, Italien und Nordmazedonien. Alle bis auf 1 Abschiebung erfolgten im Rahmen des Dublin-Abkommens, wonach Geflüchtete in dem europäischen Land Asyl beantragen müssen, in das sie zuerst eingereist sind. Im gleichen Zeitraum wurden 51 Personen ausgewiesen – alle bis auf 3 haben Deutschland inzwischen verlassen. Zuletzt waren die Asylzugänge generell stark zurückgegangen.

Dazu, wie viele Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen tatsächlich in Deutschland leben, gibt es keine verlässlichen Zahlen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schätzt, dass es zwischen 175.000 und 225.000 Menschen sind – damit wäre Deutschland das Land mit den meisten palästinensischen Geflüchteten in Europa. Trotzdem drehen sich öffentliche Debatten meist um extremistische Einzelfälle.

„Palästinenserinnen und Palästinenser werden in der politischen und medialen Debatte oft pauschal kriminalisiert und unter Gewalt- und Terrorverdacht gestellt“, sagt Bünger. Das gelte insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. „Legitime und überwiegend friedliche Proteste gegen den Genozid in Gaza wurden regelmäßig von der Polizei zusammengeknüppelt“, sagte sie.

Zahlen zu rassistischen Vorfällen gegen Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen in Deutschland lagen der Bundesregierung nicht vor. „Die Bundesregierung glänzt mit Desinteressse“, sagte Bünger dazu. Sie fordert ein Ende des pauschalisierenden Blicks auf die palästinensische Community in Deutschland. Stattdessen brauche es eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihren Perspektiven, ihrem Schmerz und ihren Interessen.

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