Verbot von lautem Feuerwerk – Was Graubünden schon kennt und die Feuerwerksbranche fürchtet

Verbot von lautem Feuerwerk Was Graubünden schon kennt und die Feuerwerksbranche fürchtet
Das mögliche Feuerwerksverbot polarisiert. Die Gemeinde St. Moritz fühlt sich bestätigt, Händler bangen um die Zukunft.
Wie viele Goldregen und Böller dürfen es in Zukunft sein? Darüber stimmt die Schweiz Ende November ab. Dann kommt die Feuerwerksinitiative an die Urne. Für die einen ist Feuerwerk unverzichtbares Spektakel, für andere ein konstantes Ärgernis.
Zu Letzteren gehört die St. Gallerin Corinne Meister. Sie hat bei der Initiative mitgewirkt und ist im Komitee. «Wir setzen uns ein für Menschen, für Tiere und für die Natur. Das private Geknalle ist einfach nicht mehr zeitgemäss.»
Genau beim Lärm setzt die Initiative an. Sie will Verkauf und Verwendung von lauten Feuerwerkskörpern im Grundsatz verbieten. Ausnahmen von dieser Regel soll es für grössere Anlässe geben können.
Keine Alternativen zum Grossfeuerwerk
Ein solcher ist das Seenachtsfest Kreuzlingen am Bodensee. Es findet jeweils im Sommer statt und lockt rund 40'000 Besucherinnen und Besucher an. Schlusspunkt ist ein grosses Feuerwerk über dem See.
Sollte die Initiative angenommen werden, gibt es für OK-Präsident Markus Baiker zwei Szenarien. Ein Szenario: Der Anlass würde nur mit Mühe eine Ausnahmebewilligung für das Grossfeuerwerk erhalten. Dann sähe Baiker langfristig keine Zukunft für das Fest.
Die Ausnahmebewilligung könnte aber auch Zulauf verschaffen: «Wenn in den Dörfern um uns herum kein Feuerwerk mehr stattfinden würde, könnten wir von mehr Besucherinnen und Besuchern profitieren.»
Alternativen zum traditionellen Feuerwerk hat das Organisationskomitee geprüft und verworfen. Dazu gehören Drohnenshows und Wasserspiele. «Für die Drohnenshow braucht es eine Soundanlage und das Wasserspiel ist für die Zuschauenden nur begrenzt sichtbar», resümiert OK-Chef Baiker.
Jede dritte Bündner Gemeinde verbietet Feuerwerk
Einige Erfahrung mit Feuerwerksverboten hat Graubünden. Die Gemeinde Davos hat bereits 2020 ein solches erlassen und damit eine Vorreiterrolle eingenommen. Andere Bündner Gemeinden sind dem Beispiel gefolgt. Zu ihnen gehört auch St. Moritz.
Nach vier Jahren sagt Gemeindepräsident Christian Jott Jenny: «Die Leute können sehr gut damit leben.» Ausnahmen vom Verbot sind auch in seiner Gemeinde möglich. Er würde eine einheitliche Regelung begrüssen. «Es ist absurd, wenn jede Gemeinde für sich alleine entscheidet.»
Zukunftsängste im Handel
Gemäss der letzten SRG-Umfrage stösst die Feuerwerksinitiative mehrheitlich auf Zustimmung. Demnach gaben 69 Prozent der Befragten an, eher oder klar für das Verbot von lauten Feuerwerkskörpern zu stimmen. Ausnahmen beträfen lärmarmes Feuerwerk wie Vulkane.
Der Ostschweizer Feuerwerkshändler Alain Stucki hofft, dass es anders kommt. Er gehört zu den Initiativgegnern. Der St. Galler Familienbetrieb lebt seit Jahren vom Geschäft mit Vulkanen, Raketen, Böllern und Co.
Für ihn steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel. «Vulkane und bengalische Zündhölzli machen gut einen Viertel des Umsatzes aus. Damit alleine trägt sich das Geschäft aber nicht», bilanziert Stucki. Das Abbrennen von Feuerwerk mit allem Drum und Dran ist für ihn eine schöne Tradition, an welcher er auch persönlich gerne festhalten würde. Die Initiative geht ihm zu weit.
Dass es für die betroffene Branche zu wirtschaftlichen Einbussen kommen kann, ist Initiantin Corinne Meister bewusst. Aber sie wendet ein, dass die Unternehmen seit Einreichung der Feuerwerksinitiative im Jahr 2022 Zeit gehabt hätten, sich darauf vorzubereiten.
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