193 Millionen statt 66: Nächstes IT-Projekt des Bundes kritisch

- Dem Bund droht beim Migrationsregister ZEMIS das nächste IT-Debakel mit weiteren Millionenkosten.
- Die Kosten sind von 66 auf 193 Millionen Franken gestiegen.
- Der Einführungstermin 2032 ist laut der Finanzkontrolle unrealistisch.
- Das SEM akzeptiert die Empfehlungen und will Planung und Finanzierung überarbeiten.
Dem Bund droht das nächste IT-Debakel. Die Erneuerung des Zentralen Migrationsinformationssystems (Zemis) sollte ursprünglich 66 Millionen Franken kosten. Inzwischen rechnet der Bund mit 193 Millionen. Doch auch diese Summe könnte nicht reichen, wie ein neuer Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zeigt.
Zemis ist das zentrale Register für ausländische Staatsangehörige in der Schweiz. Es dient als die zentrale Schweizer Datenbank zur Erfassung und Bearbeitung von Personendaten im Ausländer-, Asyl- und Bürgerrechtsbereich. Rund 30’000 Mitarbeitende bei Bund, Kantonen und Gemeinden nutzen es täglich. Die Technik ist teilweise 20 Jahre alt und muss dringend ersetzt werden.
Jedes weitere Jahr kostet 25 Millionen
Ursprünglich sollte die Erneuerung 2027 abgeschlossen sein. Nach einer Neuplanung wurde daraus 2032. Doch auch dieser Termin ist laut Finanzkontrolle nicht mehr realistisch.
Das Problem: Die einzelnen Projekte sind aufwendiger als erwartet. Die finanziellen Reserven sind bereits stark beansprucht. Gleichzeitig hat der Bundesrat die Mittel für 2027 und 2028 um 17,9 Millionen Franken gekürzt. Weitere Einsparungen sind geplant.
Das könnte teuer werden. Jedes zusätzliche Jahr Verzögerung verursacht laut EFK Kosten von rund 25 Millionen Franken. Allein der parallele Betrieb der alten und neuen Systeme kostet jährlich rund 5 Millionen Franken zusätzlich.
Finanzkontrolle sieht Rot
Hinzu kommt Personalmangel. Fachleute können teilweise nur 30 bis 60 Prozent der zugesagten Arbeitszeit für das Projekt aufbringen, so die Finanzkontrolleure. Gleichzeitig sei das System nicht darauf ausgelegt, neue Vorgaben, die sich aus einem allfälligen Ja zu den neuen EU-Verträgen ergeben, zu erfüllen.
Die Finanzkontrolle beurteilt die Lage deshalb als kritisch. Während das Projekt Ende 2025 noch auf «Gelb» stand, müsste es nach Einschätzung der Prüfer inzwischen auf «Rot» gesetzt werden.
Es ist nicht das erste IT-Projekt des Bundes mit erheblichen Problemen. Immer wieder kommt es zu hohen Kosten und Verzögerungen.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) betont in seiner Stellungnahme, dass es keine Alternative zur Erneuerung gebe. Das bestehende System sei technisch veraltet und nicht zukunftsfähig. Die Empfehlungen der Finanzkontrolle akzeptiert das SEM. Nun wird es es die Planung überarbeiten und die Finanzierung klären.
Woran solltest du bei grossen IT-Projekten des Bundes am meisten ansetzen?
Stefan Lanz (sla) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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