Gute Schule ist kein Zufall
Über Schule wird in Deutschland gerne im Krisenmodus gesprochen. Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfall, marode Gebäude, Digitalisierung und nun wieder Pisa: Die Leistungen der 15-Jährigen liegen auf einem Niveau, mit dem wir uns nicht zufriedengeben dürfen. Besonders beunruhigend ist, dass immer mehr Jugendliche die Schule verlassen, ohne sicher lesen, rechnen oder naturwissenschaftliche Probleme lösen zu können.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Man könnte daraus schließen, dass gute Schule unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum noch möglich ist. Das wäre ein Fehler. Denn gleichzeitig gibt es in Deutschland Schulen, die unter ganz normalen - teilweise ausgesprochen schwierigen - Bedingungen erstaunlich erfolgreich arbeiten. Der Deutsche Schulpreis macht solche Schulen seit vielen Jahren sichtbar. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was läuft falsch? Sondern: Was machen gute Schulen richtig?
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Gute Schulbildung? Auf den Unterricht kommt es an
Die Bildungsforschung gibt darauf eine ziemlich klare Antwort. Gute Schulen konzentrieren sich konsequent auf ihr Kerngeschäft, den guten Unterricht. Sie haben eine gemeinsame Vorstellung davon, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen, überprüfen regelmäßig, ob diese Ziele erreicht werden, und verändern ihren Unterricht, wenn dies nicht der Fall ist.
Warum lernen manche Menschen ganz ohne Schule erfolgreich? Eric Mayer zeigt, was Freilerner richtig machen und was Schulen davon lernen können.
03.09.2026 | 12:20 minDas klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Noch immer wird Unterricht in Deutschland häufig als Angelegenheit der einzelnen Lehrkraft verstanden. Gute Schulen funktionieren anders. Lehrkräfte arbeiten zusammen, entwickeln Unterricht gemeinsam, tauschen Materialien aus und sprechen über die Lernfortschritte ihrer Schülerinnen und Schüler.
Dabei nutzen sie Daten nicht, um Schulen oder Kinder an den Pranger zu stellen. Daten sind für sie ein diagnostisches Instrument: Wer von meinen Schülerinnen und Schülern kann schon sicher lesen? Wer von ihnen hat Schwierigkeiten mit Brüchen? Wer braucht zusätzliche Unterstützung? Und vor allem: Hat unsere Förderung funktioniert?
Mit innovativen Methoden unterrichtet Lehrer Reff Ethik, Politik und Geographie an einer Berliner Brennpunktschule und setzt sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Mobbing ein.
27.01.2026 | 28:36 minLeistung braucht Unterstützung
Gute Schulen lösen außerdem einen vermeintlichen Widerspruch auf. Sie erwarten viel von ihren Schülerinnen und Schülern und unterstützen zugleich diejenigen besonders intensiv, denen das Lernen schwerfällt.
Gerade die diesjährige Hauptpreisträgerin des Deutschen Schulpreises, die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, zeigt, was das bedeuten kann. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler wachsen unter schwierigen Bedingungen auf. Trotzdem gelingt es der Schule, Jugendlichen Bildungswege zu eröffnen, die ihnen zuvor kaum zugetraut wurden.
Der Gewinner des Deutschen Schulpreises kommt dieses Jahr aus Hessen: Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf darf sich über ein Preisgeld von 100.000 Euro freuen.
29.09.2026 | 1:43 minDahinter steckt kein pädagogischer Zaubertrick. Entscheidend sind klare Lernwege, verlässliche Strukturen, individuelle Begleitung und ein Kollegium, das gemeinsame Ziele verfolgt. Selbstständiges Lernen bedeutet dort gerade nicht, Kinder sich selbst zu überlassen.
Gute Schulen sind lernende Organisationen
Vielleicht liegt hier die wichtigste Botschaft. Wir diskutieren Bildungspolitik häufig über Strukturen: Ganztag oder Halbtag, Gymnasium oder Gemeinschaftsschule, analog oder digital. Diese Fragen sind wichtig. Aber keine dieser Strukturen garantiert guten Unterricht.
Welche Fähigkeiten brauchen Kinder für eine Zukunft mit KI, Krisen und ständigem Wandel? Wie Schule sein muss, damit sie wirklich aufs Leben vorbereitet.
03.09.2026 | 12:59 minEntscheidend ist vielmehr, ob eine Schule in der Lage ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Gute Schulen warten nicht darauf, dass irgendwann alle Rahmenbedingungen stimmen. Sie analysieren ihre Probleme, probieren Lösungen aus und überprüfen deren Wirksamkeit. Schulleitungen schaffen dafür Freiräume und geben zugleich eine klare Richtung vor.
Das gilt übrigens auch für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ein Tablet macht noch keinen guten Unterricht. Und ChatGPT wird schlechte Didaktik nicht reparieren. Digitale Technologien entfalten ihren Nutzen dort, wo sie in ein überzeugendes pädagogisches Konzept eingebettet werden.
Überflieger, Ausnahmetalent, Genie, aber auch Schulabbrecher und Einzelgänger: Als hochbegabt gilt, wer einen IQ über 130 hat. Der Mittelwert liegt bei 100.
05.07.2022 | 28:42 minDeutschland braucht nicht noch mehr Modellprojekte
Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht darin, herauszufinden, wie gute Schule funktioniert. Darüber wissen wir inzwischen erstaunlich viel. Das Problem ist ein anderes: Wir schaffen es nicht, dieses Wissen zuverlässig in die Fläche zu bringen. Gute Schulen bleiben häufig Leuchttürme. Nach einigen Jahren kommt das nächste Programm, das nächste Modellprojekt, die nächste Reform.
Wir sollten das Prinzip umdrehen. Schulen brauchen weniger wechselnde Projekte und mehr dauerhafte Unterstützung bei der Verbesserung ihres Unterrichts. Erfolgreiche Konzepte müssen systematisch verbreitet werden. Lehrkräfte brauchen Zeit für gemeinsame Unterrichtsentwicklung. Schulleitungen benötigen Handlungsspielräume und zugleich klare Ziele, an denen sie ihre Arbeit ausrichten können.
Wie schaffen wir eine Reform hin zu einem modernen und gerechten Schulsystem? Und wie könnte man eine solche Wende ganz konkret in die Tat umsetzen?
29.10.2023 | 43:11 minPisa sollte uns deshalb nicht nur darüber diskutieren lassen, wie schlecht deutsche Schülerinnen und Schüler abgeschnitten haben. Interessanter ist die Frage, warum es manchen Schulen trotz vergleichbarer Bedingungen gelingt, aus den Möglichkeiten ihrer Kinder und Jugendlichen deutlich mehr herauszuholen.
Gute Schule ist möglich. Unsere Aufgabe besteht darin, aus guten Schulen ein gutes Schulsystem zu machen.
Bildungsforscher Olaf Köller weiß, warum Schulreformen schleppend vorankommen, Noten trotz sinkender Leistungen gleich bleiben - und wie Schule 2050 aussehen könnte.
01.09.2025 | 8:42 min... ist Bildungsforscher und Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bildungsqualität, Kompetenzentwicklung und der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung von Schule und Unterricht beitragen können. Ihn treibt die Überzeugung an, dass Herkunft nicht darüber entscheiden darf, welche Bildungschancen Kinder und Jugendliche haben.
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