Gescheiterte Hinrichtung in den USA: Chef von Strafvollzugsbehörde von Tennessee tritt zurück

Im US-Bundesstaat Tennessee muss Behördenchef Frank Strada seinen Posten räumen. Grund sind die Fehler bei der Hinrichtung der Mörderin Christa Pike.
Foto: Mark Humphrey/ap
afp | Das beispiellose Scheitern der Hinrichtung der US-Todeskandidatin Christa Pike hat personelle Konsequenzen: Der Chef der Strafvollzugsbehörde im Bundesstaat Tennessee reichte seinen Rücktritt ein. Gouverneur Bill Lee teilte am Samstag (Ortszeit) mit, Behördenleiter Frank Strada werde sein Amt noch in diesem Monat abgeben. Pike hatte am Mittwoch zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt.
Nach Angaben ihrer Anwälte war die 50-Jährige bewusstlos und wurde in einem Krankenhaus in einem lebensbedrohlichen Zustand künstlich beatmet. Pike war 1995 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Der Fall erregte damals landesweites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt.
Gouverneur Lee dankte Behördenchef Strada für „seine Bereitschaft, in einem schwierigen Augenblick die Interessen der Bewohner von Tennessee nach vorn zu stellen“. Zugleich erklärte Lee: „Ich glaube weiterhin, dass die Strafvollzugsbehörde ihre Verpflichtungen entsprechend den vorgesehenen Abläufen erfüllt hat.“ Lee hatte am Donnerstag weitere Hinrichtungen in Tennessee bis zum Jahresende ausgesetzt und eine unabhängige Untersuchung angeordnet.
Auch Strada erklärte, er sei weiterhin überzeugt, dass seine Behörde ihre Pflichten nach dem geltenden Hinrichtungsprotokoll erfüllt habe. Sein Rücktritt liege während der Untersuchung jedoch im besten Interesse der Bevölkerung Tennessees.
Anwälte äußerten vorab Einwände
Pike sollte am Mittwochabend (Ortszeit) als erste Frau in dem Bundesstaat seit mehr als 200 Jahren hingerichtet werden – doch dabei lief nichts wie geplant. Wie mehrere Augenzeugen berichteten, atmete Pike nach dem Verabreichen einer ersten Giftspritze weiter.
Danach wurde ihr eine zweite Spritze mit dem starken Schlafmittel Pentobarbital verabreicht, welches das Atemzentrum lähmen soll und das in Deutschland fast nur noch zum Einschläfern von Tieren verwendet wird. Im Gefängnis anwesende Journalistinnen berichteten, es seien eine Stunde lang starke Atem- und Schnarchgeräusche der Todeskandidatin zu hören gewesen.
Pikes Anwälte hatten schon im Vorfeld Einwände gegen das Hinrichtungsprotokoll erhoben und angeführt, dass es aufgrund von Pikes kleinen Venen und einer Bluterkrankung zu unnötigem Leiden führen würde. Anwalt Randy Spivey sagte, er habe allein in Pikes linkem Arm sieben Nadeln gesehen, während die Gefängnismitarbeiter versuchten, einen intravenösen Zugang zu legen. Eine davon war seinen Angaben zufolge offenbar verbogen, als sie nach einem gescheiterten Versuch wieder herausgezogen wurde.
Ein weiterer Anwalt, Stephen Ferrell, sagte, medizinische Fachleute hätten davor gewarnt, dass Nadeln verrutschen oder die Venen durchstechen könnten und so die tödlichen Gifte nicht in den Blutkreislauf, sondern in das Armgewebe dringen könnten.
In einem Gerichtsantrag der Anwälte heißt es, im Krankenhaus werde versucht, das Pentobarbital wieder aus Pikes Körper zu entfernen. Demnach ist das Mittel eine ätzende Substanz, die Verletzungen an Haut, Gewebe und Venen verursacht. Pikes Arme seien bei der Ankunft im Krankenhaus „geschwollen, verbrannt und voller Blasen“ gewesen.
Forderungen, ihre Strafe umzuwandeln
Bei dem Hinrichtungsversuch anwesende Medienvertreter hatten berichtet, dass Pike nach der Injektion gesagt haben soll, ihr Arm fühle sich an, als würde er „aufplatzen“. Laut der Organisation Death Penalty Information Center (DPIC) ist Pike die erste Gefangene, die eine Verabreichung „tödlicher Dosen Hinrichtungsmedikamente“ überlebt hat.
Pikes Anwälte forderten den Gouverneur nach dem gescheiterten Versuch erneut auf, ihre Strafe umzuwandeln. Sie hatten zuvor angeführt, dass Pike die Tat im Alter von nur 18 Jahren begangen und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen gelitten habe. Lee hatte eine Begnadigung abgelehnt und erklärt, er wolle rechtmäßig verhängte Urteile vollstrecken lassen.
Es war bereits die zweite gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in diesem Jahr. Im Mai wurde eine Exekution abgebrochen, nachdem medizinisches Personal keine Vene des Verurteilten punktieren konnte.
Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 wurden nach Angaben des Death Penalty Information Center 18 Frauen hingerichtet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des DPIC in den Vereinigten Staaten 47 Menschen exekutiert, der höchste Stand seit 2009. In diesem Jahr waren es bereits 28. Nur noch 27 US-Bundesstaaten haben die Todesstrafe, 23 haben sie abgeschafft.
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