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Saturday, October 24, 2026

Bundeswehr-Digitalfunk: Test bestanden, aber der Marder fällt durch

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Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben einen Meilenstein bei der Erneuerung ihrer Führungssysteme erreicht. Die erste Einsatzprüfung für den Bundeswehr-Digitalfunk im Rahmen des Großprojekts Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) sei nach wochenlangen Tests auf dem Truppenübungsplatz in Munster abgeschlossen worden, meldet das Bundesverteidigungsministerium. Gemeinsam mit Vertretern der Industrie und des Heeres sei das Gesamtsystem unter realitätsnahen Bedingungen auf Herz und Nieren geprüft worden. Dabei sei in der finalen Phase auch scharf geschossen worden.

Nach Angaben des Verteidigungsressorts ist die Grundfunktionalität des Digitalfunks des Heeres damit gegeben. Das stelle sicher, dass die der NATO zugesagte „Forward Land Forces“-Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 ab Januar einsatzbereit und digitalisiert führungsfähig sein werde. Die hochmobilen Kräfte sollen im Ernstfall die Bündnisverteidigung an der Ostflanke unterstützen.

Trotz des offiziellen Erfolgs sei die Erprobung nicht reibungslos verlaufen und habe kurzfristige Kurskorrekturen erforderlich gemacht, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). So habe sich just das traditionsreiche Arbeitstier der Panzergrenadiere, der Schützenpanzer Marder, bei der technischen Integration als ungeeignet erwiesen. Wegen unüberwindbarer Schwierigkeiten beim Einbau der neuen Geräte in die Jahrzehnte alte Bordverständigungs- und Fernmeldetechnik sei der Marder in der Erprobungsphase durchgefallen.

Um den Zeitplan für die NATO-Brigade nicht zu gefährden, habe die Bundeswehr umdisponieren müssen, heißt es in der FAZ. Nun würden Verbände mit dem modernen Schützenpanzer Puma in die Brigade eingegliedert. Das bestätigte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding. Um auch ältere oder noch nicht umgerüstete Fahrzeuge einzubinden, setzt die Truppe vorerst auf einen sogenannten Mischbetrieb mit speziellen Schnittstellen und Handfunkgeräten.

Hinter der Modernisierung der Funktechnik verbirgt sich mehr als der bloße Austausch von Geräten. Die Streitkräfte vollziehen laut dem Verteidigungsministerium „einen technologischen Quantensprung“, der das Heer binnen weniger Jahre in das digitale Zeitalter katapultieren und etwa eine durchgängige Verschlüsselung sicherstellen soll.

Der Ukraine-Krieg dient dabei als Warnung, da leicht abhörbare analoge Funksprüche an der dortigen Front oft tödliche Konsequenzen haben. Der schnelle Datenaustausch von Drohnen, Radarsystemen und Lagekarten in Echtzeit gilt auf dem modernen Gefechtsfeld als kriegsentscheidend. Entsprechend hoch ist der Zeitdruck. Eigentlich war für den Technologiewechsel ein Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren veranschlagt. Doch angesichts der Bedrohungslage soll das Projekt schneller umgesetzt werden. Das führe zu enormen Belastungen, erläutert das Verteidigungsressort: Entwicklung, Erprobung, Truppeneinführung und die aufwendige Umrüstung von rund 16.000 Fahrzeugen unterschiedlichster Typen müssten zeitgleich laufen.

In den vergangenen Jahren kam es bei der Migration immer wieder zu Rückschlägen. Neben Softwareproblemen bereiteten den Technikern vor allem mechanische Hürden Kopfzerbrechen, da Kabel, Stecker und Antennen teils mühsam angepasst und sogar Fahrzeugdächer aufgeschweißt werden mussten. Auch die gelieferten Geräte fügten sich zunächst nicht reibungslos in jede Plattform.

Mittlerweile scheint sich die Arbeit an den neuen Funksystemen zu stabilisieren. Doch die Serienintegration hinkt trotz des teuren Einsatzes externer Berater dem ambitionierten Zeitplan weiter hinterher. Aktuell liege die Industrie rund 300 Fahrzeuge hinter den eigenen Zielvorgaben zurück, weiß die FAZ. Von den angestrebten 2700 umgerüsteten Fahrzeugen an den Standorten bis Ende 2026 seien bislang erst gut 2000 Stück auf den Stand der D-LBO-Basisversion gebracht worden.

Um die Mammutaufgabe organisatorisch zu stärken, hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Stationierung des neuen Zentrums Digitalisierung Land in Munster beschlossen. Es hat seine Arbeit Anfang Oktober aufgenommen. Durch die Nähe zu den Kampfverbänden und dem Truppenübungsplatz sollen Kompetenzen gebündelt und künftige Schritte beschleunigt werden. Nach der Digitalisierung der Panzergrenadierbrigade 37 gilt das nächste Etappenziel der Panzerbrigade 45 in Litauen, die bis Mitte 2027 digital funken können soll. Anschließend wird das System dem Plan nach schrittweise auf die gesamten Landstreitkräfte ausgerollt.

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