Blocher spaltet SVP: Fast jeder 3. Wähler stimmt gegen Initiative

- Der Abstimmungssonntag ist vorbei: Das Stimmvolk lehnte sowohl die Neutralitätsinitiative wie auch die Ernährungsinitiative deutlich ab.
- Die Nachabstimmungsumfrage von LeeWas zeigt, dass die Neutralitätsinitiative nur in der SVP-Basis eine Mehrheit fand.
- Doch selbst in der Volkspartei stimmten 29 Prozent Nein.
Am Sonntag mussten sowohl Christoph Blocher als auch Franziska Herren eine klatschende Niederlage einstecken. Das Stimmvolk versenkte die Neutralitätsinitiative und die Ernährungsinitiative mit grosser Mehrheit.
70,2 Prozent sprachen sich dagegen aus, die «immerwährende und bewaffnete» Neutralität in der Verfassung zu verankern und damit etwa Sanktionen faktisch zu verbieten.
Zur Umfrage
Noch deutlicher watschte die Stimmbevölkerung die Ernährungsinitiative ab. 72,5 Prozent sprachen sich dagegen aus, den Selbstversorgungsgrad innert zehn Jahren von 42 auf 70 Prozent zu steigern.
Die Nachabstimmungsumfragen von LeeWas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia zeigen, wer für welche Vorlage war, welche Gräben sich öffneten und wie gut die Parteien ihre Basis erreichten.
Neutralitätsinitiative: Sogar die SVP nicht geschlossen dafür
Laut der Umfrage fand die Neutralitätsinitiative einzig bei der Basis der SVP eine Mehrheit. Immerhin 71 Prozent stimmten für Blochers Initiative, 29 Prozent lehnten sie ab. Die SVP gab zwar die Ja-Parole heraus, federführend war aber Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Formal lanciert wurde die Initiative von der SVP-nahen Vereinigung Pro Schweiz.
Alle anderen Parteien lehnten die Neutralitätsinitiative mit überwältigender Mehrheit ab. Am stärksten die Sympathisanten der SP mit 94 Prozent. Am grössten war die Minderheit noch bei der Basis der Grünen mit 19 Prozent. Tatsächlich gab es einzelne Gruppen aus dem linken Spektrum, welche die Initiative befürworteten.
Besonders gross war die Ablehnung der Initiative bei den Senioren: Bei den über 65-Jährigen lag der Nein-Anteil bei 79 Prozent. Auch das Einkommen spielte eine Rolle: Je tiefer das Einkommen, desto grösser der Ja-Anteil. Jene, die weniger als 4000 Franken im Monat verdienen, sagten zu 41 Prozent Ja.
Nur Grün-Wählende stimmten für Ernährungsinitiative
Auch die Ernährungsinitiative wurde mit 72,5 Prozent deutlich abgelehnt. Einzig bei der Basis der Grünen fand das Anliegen eine Mehrheit, mit 64 Prozent sogar eine klare. Die Partei selbst hatte Stimmfreigabe beschlossen.
Die üblichen Gräben haben sich ansonsten nicht aufgetan: Die Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land lehnten die Initiative nahezu gleich deutlich ab. Ähnlich klein verblieb der Unterschied zwischen Männern und Frauen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Schulabschluss. Bei jenen, die die obligatorische Schule besucht haben, lag der Ja-Anteil bei 40 Prozent. Bei jenen mit Abschluss von einer Uni oder Fachhochschule noch bei 16 Prozent. Sprich, die Zustimmung nahm mit steigendem Bildungsgrad ab.
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Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
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