Neues Apple TV 4K und HomeView: Wie Apple die EU unter Druck setzt
Apple will am 13. November seine neue Smart-Home-Zentrale HomeView auf den Markt bringen, allerdings nicht in der EU, sondern zunächst in englischsprachigen Ländern wie den USA, Kanada, Australien und Großbritannien. Das für 299 US-Dollar (netto) angebotene Gerät sieht aus wie ein quadratisches iPad mini mit 7-Zoll-LC-Display und 1088 × 1088 Pixel Auflösung.
Das Tablet ist in zwei Versionen verfügbar: Im Modell zur Wandmontage sind zwei kleine Lautsprecher integriert. Das Modell mit Standfuß bringt einen dritten Tieftöner für volleren Klang mit. Beide sollen Stereo sowie Dolby Atmos unterstützen. Strom bekommen sie per USB-C, einen Akku haben sie nicht.
HomeView ist nicht auf einen einzelnen Nutzer zugeschnitten, sondern erkennt bis zu sechs registrierte Personen aus dem Haushalt. Je nachdem, wer gerade in die Kamera schaut, passt sich die Anzeige an und zeigt konfigurierbare Informationen zu Wetter oder Smart-Home-Geräten. Zudem erlaubt das Gerät Videotelefonate und spielt Musik und Videos ab, die sich auf dem Touchdisplay steuern lassen.
Dazu soll es passende Smart-Home-Geräte wie Kameras und Türschlösser geben, die Apple gemeinsam mit LG und anderen Firmen entwickelt. Persönliche Informationen, Nachrichten und Kalender zeigt HomeView nur an, wenn es die Person am Gesicht erkennt und sich ihr kürzlich entsperrtes iPhone oder iPad im selben WLAN befindet. Mithilfe seiner eingebauten Mikrofone soll HomeView Stimmen auseinanderhalten und aus größerer Entfernung erkennen. Dazu nutzt das Gerät Siri AI mit einer gegenüber der alten Siri erheblich verbesserten Spracherkennung.
Und hier kommt die Krux: HomeView hat zwar einen eigenen A18-Chip und ein Betriebssystem, aber keinen App Store. Stattdessen muss es, ähnlich wie CarPlay, über ein iPhone oder iPad mit iOS/iPadOS 27.2 eingerichtet und mit Apps versorgt werden, danach läuft es autark. Siri AI braucht eine Verbindung zu einem KI-fähigen iPhone oder iPad nur, wenn sie auf den persönlichen Kontext des Nutzers zugreifen soll. Für allgemeine Fragen und zur Musikwiedergabe ist keine Kopplung nötig.
Druck auf die EU
Die neue Siri AI ist zwar in einigen Ländern bereits auf Englisch verfügbar, befindet sich aber noch im Beta-Stadium. Die Verknüpfung mit verschiedenen Apps und die Abstimmung mit Cloudanfragen müssen sich im Alltag erst bewähren. All das braucht ebenso Entwicklungszeit wie die Anpassung an weitere Sprachen wie Deutsch.
Apple argumentiert, die EU hindere den Konzern daran, Siri AI in der Union einzuführen. Doch der Digital Markets Act (DMA) verlangt lediglich, konkurrierenden Anbietern gleichwertigen Zugang zu den von Siri AI genutzten iOS-Schnittstellen zu gewähren. Das soll Monopolbildungen erschweren und hat in der Vergangenheit etwa durchgesetzt, dass Anwender ihren Standardbrowser frei wählen können. KI-Assistenten werden künftig jedoch eine wesentlich zentralere und dominantere Position als Webbrowser einnehmen, sodass hier Markt- und Schnittstellenöffnung umso wichtiger ist.
Der DMA verlangt dies allerdings nur für bestimmte, als Gatekeeper eingestufte Systeme, zu denen iOS und iPadOS gehören. macOS und tvOS sind davon nicht betroffen, ebenso wenig das Betriebssystem von HomeView.
Die EU verbietet weder Siri AI noch den Verkauf neuer Apple-Geräte. Doch offenbar nutzt Apple die Verzögerungen bei der Entwicklung und beim Rollout, um öffentlichen Druck gegen die Regulierer aufzubauen. Nach dem Motto: Wenn ihr unser Monopol perforieren wollt, dann bekommt ihr eben nicht unsere neuesten Gadgets.
Flotteres Apple TV
Wie wenig stichhaltig Apples Argumentation ist, sieht man am neuen Apple TV 4K, das ebenfalls am 13. November erscheint – anders als HomeView auch in Deutschland. Die Streamingbox enthält nun zusätzliche Mikrofone, die Sprachbefehle auch aus entfernten Winkeln des Wohnzimmers verstehen sollen. Diese würden den Bedienkomfort jedoch erst mit Siri AI verbessern, denn die alte Siri versteht einen oft falsch. Doch in Europa geht sie auch auf dem Apple TV noch nicht in Rente, weil Apple Siri AI dort an ein iPhone oder iPad mit Siri AI koppelt. Das ist wie beim HomeView aber Apples Entscheidung, kein Verbot der EU.
Eine weitere Neuerung am Apple TV 4K ist Anschlussmöglichkeit von bis zu vier aktuellen HomePods oder HomePod minis für Surround-Sound. Letztere wurden in der bereits am 30. Oktober erscheinenden zweiten Generation mit schnellerem S10-Chip aufgerüstet – ihr Preis steigt auf 169 Euro.
Ansonsten sticht bei der Streamingbox allein der schnellere A19-Chip hervor. Dessen vermutlich von vier auf acht GByte vergrößerter Arbeitsspeicher könnte unter anderem Abstürze beim häufigen Wechsel und Spulen zwischen Dolby-Atmos-Stücken in der Musik-App reduzieren. Da dürften nur wenige Enthusiasten bereit sein, den geforderten Preis von 349 Euro zu bezahlen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.