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Tuesday, September 15, 2026

Mecklenburg-Vorpommern: Wirtschaft zwischen Feld und Meer

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Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat die politische Landschaft in Deutschland gehörig durcheinandergewirbelt. Obwohl es nur um ein einzelnes Bundesland ging, wurde das Ergebnis sogar im Ausland diskutiert und kommentiert.

Das ist für Mecklenburg-Vorpommern nicht zu erwarten. Dazu sitzt die Amtsinhaberin Manuela Schwesig, die nicht unumstritten ist, doch relativ fest im Sattel. Im Gegensatz zu ihrem Amtskollegen Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt kann sie einen "Amtsbonus" einbringen, der ihrer Partei, der SPD, helfen wird.

Auch die bislang erhobenen Umfrageergebnisse sprechen eher für ein Kopf-an-Kopf-Rennen als für einen Erdrutschsieg der einen oder anderen Partei:

Der Anstieg der SPD-Daten könnte auf einen erfolgreichen Endspurt der Amtsinhaberin hindeuten; die neue wäre dann die gegenwärtige Ministerpräsidentin: Manuela Schwesig.

Wo steht Mecklenburg-Vorpommern?

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt der Vergleich mit diesem Bundesland nahe. Manche Eckdaten sind ähnlich, zum Beispiel die Arbeitslosenstatistik:

Auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Arbeitslosigkeit leicht über dem Bundesdurchschnitt. Und die durchschnittlichen Einkommen sind auch hier niedriger:

In Ostdeutschland liegt das Lohnniveau generell unter dem des Westens. Was das Wirtschaftswachstum angeht, gibt es für Mecklenburg-Vorpommern aber nicht viel Grund, sich als abgehängt zu betrachten.

Seit 2020 sei, so Staatssekretär Jochen Schulte aus dem Wirtschaftsministerium, die Wirtschaft in Mecklenburg Vorpommern preisbereinigt um 5,0 Prozent gewachsen - stärker als in Deutschland insgesamt (4,6 Prozent). Unter den ostdeutschen Flächenländern weise Mecklenburg-Vorpommern damit unter den ostdeutschen Flächenländern die beste Entwicklung auf.

Von den rund 1,5 Millionen Einwohnern arbeiten knapp 600.000 als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte:

In der allgemeinen Erwartung ist Mecklenburg-Vorpommern ein Bundesland, in dem es viel Landwirtschaft gibt. Aber: Woher kommt es dann, dass in der Landwirtschaft nur so wenig Menschen arbeiten? Die Antwort liegt in der jüngeren Geschichte: In der DDR waren landwirtschaftliche Betriebe nicht privat organisiert, in Bauernhöfen wie im Westen etwa, sondern waren in staatlich geführten Großbetrieben zusammengefasst: den "Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften", kurz LPGs.

Diese Betriebsgrößen sind nach der Vereinigung in ganz vielen Fällen erhalten geblieben. Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern bewirtschaftet im Schnitt eine Fläche von rund 280 bis 283 Hektar. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei nur etwa 65 Hektar.

Jetzt privatwirtschaftlich geführt, profitieren diese Betriebe weiterhin von den Vorteilen großer Betriebe: effizienter Arbeitskräfteeinsatz, gute Marktpositionierung, mehr Marktmacht durch konzentrierten Einkauf und bessere Verhandlungspositionen beim Verkauf.

Schiffbau in Zeiten des Krieges

Der zweite wichtige Wirtschaftsbereich ist die Industrie an der Küste: So haben Schiffbau und maritime Dienstleistungen einen signifikanten Anteil an der Wirtschaftsleistung. Dazu beigetragen haben einerseits Investitionen großer westdeutscher Werften wie etwa der niedersächsischen Meyer-Werft aus Papenburg. Die Meyer Neptun GmbH ist auf den Bau von Flusskreuzfahrtschiffen und Spezialschiffen spezialisiert.

Auch profitiert das Land von der sogenannten Zeitenwende und der deshalb hochgefahrenen Rüstungsindustrie. Das kommt den Werftenstandorten in Wismar und Stralsund zugute. Dort entstehen unter anderem durch Ansiedlungen wie Thyssenkrupp Marine Systems und weiteren Schiffbauern neue industrielle Perspektiven und Arbeitsplätze.

Beliebte Urlaubsregion

Bis 1990 war Mecklenburg-Vorpommern eins der wichtigsten Reiseziele für die Bürger der DDR. Seit der Wende kommen neben Ost- auch Westdeutsche an die Ostseeküste und inzwischen gilt das Land als die zweitbeliebteste Urlaubsregion in Deutschland.

Der Grund, dass laut der Statistik nur relativ wenig Menschen im Tourismus beschäftigt sind, liegt einerseits an Überschneidungen mit Arbeitsplätzen der Rubrik 'Dienstleitungen' und auch daran, dass viele Arbeitsplätze in diesem Bereich saisonabhängig sind, also nicht das ganze Jahr hindurch zur Verfügung stehen.

Nach offiziellen Angaben des Wirtschaftsministeriums und touristischen Bilanzen zufolge hängen rund 150.000 bis über 160.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Allein der Wassertourismus an Binnenseen und an der Ostsee bietet schätzungsweise über 19.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz.

Starker Gesundheitssektor

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Wirtschaft stark von Dienstleistungen in Tourismus, Handwerk und Landwirtschaft geprägt. Klassische, große Unternehmen wie Automobilwerke oder Chemieunternehmen sind im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger stark vertreten. So ist das Land und sein öffentlicher Dienst selbst der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns.

Zu den weiteren wichtigen Arbeitgebern gehören die Helios Kliniken. Mit Standorten unter anderem in Schwerin und Stralsund sind sie einer der größten privaten Klinikbetreiber im Land.

In Rostock findet man AIDA Cruises. Der Kreuzfahrtanbieter ist ein bedeutender Arbeitgeber im Bereich Tourismus, Kreuzschifffahrt und Verwaltung. Die Nordex SE ist ein großer Hersteller von Windkraftanlagen mit regionaler Produktion, z. B. in Rostock. Ebenso bietet die Deutsche Bahn mit Service- und Wartungseinrichtungen viele Arbeitsplätze, was auch für die großen Häfen in Rostock und Sassnitz gilt.

Der Energiestandort

Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist der Energiesektor, beispielsweise der Energieversorger WEMAG. Auf diesem Gebiet ist Mecklenburg-Vorpommern für das gesamte Bundesgebiet von Bedeutung. Denn über die Ostsee kommt ein großer Teil der benötigten fossilen Brennstoffe ins Land.

Durch den zum Erliegen gekommenen Import russischen Gases haben die Nord Stream-Anschlussstellen bei Lubmin an Bedeutung verloren. Doch dafür wird in dem Bundesland ein großer Teil der deutschen Flüssiggasimporte angelandet, verarbeitet und weitergeleitet. Die Energieverfügbarkeit - nicht nur durch fossile Träger wie Öl und Gas, sondern auch durch 'grüne' Quellen wie Wind und Sonne - ist für das Land zunehmend wichtig.

Im August hat die Schwarz-Gruppe - sie betreibt die Handelsketten Lidl und Kaufland - angekündigt, 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums südlich vom Rostock zu investieren. In Brandenburg betreibt Schwarz bereits ein ähnlich großes Rechenzentrum im Volumen von elf Milliarden Euro. Bei der Vorstellung des Projekts in Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, betonte Schwarz, dass die Investitionen auch hier noch einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen könnten.

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