Klimakatastrophe im Jahr 1815 – Das Jahr ohne Sommer

Vulkanausbrüche sorgten in der Weltgeschichte mehrmals für markante Wetter- und Klimaänderungen. Im April 1815 erschütterte der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien die Welt. Er gilt als die stärkste historisch dokumentierte Eruption der letzten Jahrhunderte. Der Knall der Explosion war über eine Distanz von 2'600 km weit zu hören. Der Vulkanausbruch forderte alleine auf den indonesischen Inseln über 100'000 Todesopfer.
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Bild 1 von 3. Vulkane schleudern nicht nur Lava. Bildquelle: Antonio Parrinello, Vulkan Etna in Italien.
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Bild 2 von 3. Sie emittieren vor allem viel Asche, Wasserdampf, Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff. Bildquelle: Kyodo, Vulkan Shinmoedake in Japan.
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Bild 3 von 3. Dabei erreichen die Gase sogar die Stratosphäre, welche sich über der Wetterschicht (Troposphäre) befindet. Bildquelle: Ivan Alfarado, Vulkan Puyehue-Cordon Caulle in Chile.
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Tambora schleuderte enorme Mengen Asche und Schwefeldioxid bis zu 40 km hoch in die Stratosphäre. Dort bildeten sich Sulfataerosole, welche sich wie ein Schleier um die Erde legten. Diese Partikel reflektierten - wie winzig kleine Spiegel - einen Teil des Sonnenlichts zurück ins Weltall und die Erde kühlte sich vorübergehend ab.
Die Abkühlung hatte ihren Höhepunkt im Jahr 1816 und hielt sich bis ins Jahr 1819 hartnäckig.
Tambora brachte das Weltklima aus dem Takt
In der Folge kühlten sich vor allem die Kontinente rasch ab. Ozeane können Wärme länger speichern. Die neu entstandenen Temperaturgegensätze zwischen den Kontinenten und den Ozeanen brachten die üblichen Wetterverhältnisse ins Wanken. In Teilen Afrikas und Asiens schwächte sich der Monsun markant ab, in den Tropen entstanden deutlich weniger Gewitter. Als weitere Folge konnte sich das Azorenhoch seltener durchsetzen und so prägten häufig feuchte Winde vom Atlantik das Wetter in Europa.
Die Auswirkungen waren vor allem in West- und Mitteleuropa spürbar. Dort lag der Sommer 1816, ein Jahr nach dem Ausbruch des Tambora, rund 2 bis 4 Grad unter dem langjährigen Mittel. Zudem führten die Tiefdruckgebiete in der Westströmung wiederholt zu Niederschlägen.
Johann Wolfgang von Goethe vermerkte im Juli 1816 frustriert in seinem Tagebuch, dass es seit Wochen jeden Tag regne.
Das Wetter in der Schweiz im Sommer 1816
- Dauerregen und Kälte: Zwischen April und September 1816 gab es in der Schweiz kaum eine Woche ohne Niederschlag. Es war im Schnitt 3 bis 4 Grad kälter als im langjährigen Mittel.
- Schnee bis ins Flachland: Im Juni und Juli fiel in den Schweizer Alpen Neuschnee bis auf 1000 Meter hinunter, teilweise schneite es sogar im Mittelland. Die Pässe blieben wochenlang blockiert.
- Überschwemmungen: Der Rhein, die Linth und andere Flüsse führten durch den Dauerregen extremes Hochwasser. Ganze Täler standen unter Wasser.
Die Existenzkrise: Missernten und Hunger
Die Landwirtschaft brach unter den Wetterbedingungen völlig zusammen:
- Verfaulte Ernten: Die Kartoffeln verfaulten im nassen Boden, das Getreide reifte wegen des Lichtmangels nicht aus und das Heu für das Vieh verschimmelte auf den Wiesen.
- Astronomische Preise: Die Lebensmittelpreise explodierten. Der Preis für ein Brot vervielfachte sich innerhalb weniger Monate.
- Verzweiflung im Osten: Besonders hart getroffen wurde die Ostschweiz (v. a. die Kantone Glarus, St. Gallen und Appenzell). Da die Textilindustrie dort gerade kriselte, hatten die Menschen kein Geld für die teuren Importe. Die Menschen assen Gras, Brennnesseln, Moos und totes Vieh, um zu überleben. Schätzungsweise starben 20'000 bis 30'000 Schweizerinnen und Schweizer direkt oder indirekt an den Folgen der Hungersnot.
Anekdote: Frankenstein
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Das düstere Wetter zwang eine prominente Gruppe englischer Romantiker im Sommer 1816, ihren Urlaub am Genfersee drinnen zu verbringen. Eingesperrt im Haus, im Schein des Kaminfeuers und angesichts der unheimlichen Dunkelheit draussen, forderte Lord Byron (britischer Dichter) seine Freunde auf, Horrorgeschichten zu schreiben. Die damals 18-jährige Mary Shelley erfand dabei ihren weltberühmten Horrorroman «Frankensein».
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