Niederer Wasserstand – Gourmet-Kreuzfahrten auf dem Rhein stehen still

Gebaizter Saibling, dann eine Hummerbisque, als Hauptspeise ein Kalbsfilet und ein «Pâtisserie-Dessert auf Restaurantniveau». Zubereitet werden diese Speisen von Spitzenköchen, oft solchen, die bereits mit Gault-Millau-Punkten oder Michelin-Sternen ausgezeichnet wurden.
So oder ähnlich lassen sich die Gäste verwöhnen, die ihre Gourmet-Schiffsreise auf dem Rhein meist schon Monate im Voraus gebucht haben. Während sie schlemmen, ziehen Altstädte wie Strassburg oder Köln, Weinberge und Burgen an ihnen vorbei.
Oder sie passieren die berühmte Passage des Unesco-Welterbes zwischen Rüdesheim und Koblenz. Die Spitzenköche und die ständig wechselnde Kulisse sind die grossen Verkaufsargumente für die boomenden Fahrten.
Diese Schlemmer-Reisen wurden bei den Gästen in den vergangenen Jahren stets beliebter. Für die Schifffahrtsgesellschaften und Reedereien sind sie ein wichtiges Geschäft: Sie können damit die weniger lukrativen Zeiten – Herbst und Weihnachtszeit – füllen.
Nichts geht normal
Nach der Trockenheit des Hitzesommers ist dieses Geschäft nun aber arg geschwächt, sagt Peter Stalder von der IG Rivercruise, dem Dachverband der Flusskreuzfahrten in Europa. Die Schiffe, die man für diese Fahrten einsetzt, seien nämlich nicht in der Region stationiert, sondern in der «Tiefwasserregion» Niederlande.
Viele der geplanten und oft ausverkauften Gourmetfahrten müssen deshalb abgesagt werden: Die Schiffe kommen auf dem Mittelrhein zwischen Bonn und Bingen nicht durch, weil der Fluss in diesem Abschnitt zu wenig Wasser führt.
«Weil Niedrigwasserabschnitte an Mittelrhein, Oberrhein und in Niederbayern derzeit unpassierbar sind, können unsere Schiffe nicht nach Basel oder Strassburg gelangen, sodass wir die Festival-Termine bis zum 2. November absagen mussten», antwortet die Excellence Cruise.
Besonders stark betroffen sind die Gourmetfahrten zwischen Basel und Strassburg, die alle abgesagt wurden.
Schaden lässt sich nicht beziffern
Die Absagen betreffen eine ohnehin schon gebeutelte Branche. Schon während der Hitzeperiode im Sommer konnten die Flusskreuzfahrten nicht wie geplant stattfinden: 25 Prozent seien zu Beginn des Niedrigwassers ganz ausgefallen, 75 Prozent hätten angepasst werden müssen, sagt Stalder.
«Den Schaden können wir noch nicht abschätzen», sagt Stalder. «Dass es weniger Gäste gab als geplant, wissen wir aber zuverlässig.» Es brauche nun «genügend Regen, viel Regen, sehr viel Regen», so Stalder. Aber dieser sei nicht in Sicht.
Basel setzt Hoffnungen auf Weihnachtsfahrten
Die fehlenden Gourmetschiffe bemerkt man auch an den Orten, an denen die Gäste aussteigen, also beispielsweise in Basel. Dort seien die Schiffsgäste relevant für den Tourismus, sagt Tourismusdirektorin Letizia Elia. Wichtiger als Gourmetreisen seien in der kühlen Jahreszeit allerdings Geschäftsreisen und Businessevents.
Hoffen auf Regen und Gäste
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 2. Letizia Elia, Direktorin von Basel Tourismus, glaubt, dass die Schifffahrt rund um Basel im Dezember wieder anzieht. Bildquelle: KEYSTONE / Michael Buholzer.
-
Bild 2 von 2. Peter Stalder, Geschäftsführer IG Rivercruise, hofft dasselbe wie Elia, ist aber etwas weniger optimistisch. Bildquelle: zVg IG Rivercruse.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Elia setzt zudem auf das Weihnachtsgeschäft: «Ich gehe davon aus, dass Flussreisen im Dezember stattfinden können.» Allerdings sei die Situation auf dem Rhein «dynamisch».
Peter Stalder vom Dachverband der Flusskreuzfahrten in Europa hofft ebenfalls auf dieses Szenario, ist aber weniger optimistisch. Derzeit könne man «nur in eine Glaskugel schauen» und habe nur wenige Anhaltspunkte dafür, ob die Flussschifffahrt in Basel dann wieder normal laufe.
Regionaljournal Basel, 28.10.2026, 17:30 Uhr ; kenc/gygn;thon;rama
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.