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Tuesday, October 20, 2026

Hier bröckelt der Forschungsstandort Deutschland

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Wasserschäden, marode Gebäude: An vielen deutschen Hochschulen ist der Sanierungsstau enorm.

20.10.2026

Für die angehenden Ingenieure, Physiker und KI-Experten an der TU Berlin ist die erste Lektion im Studium erstaunlich einfach: Wenn es aus der Decke tropft, stell einen Eimer drunter. An einer von Deutschlands Top-Universitäten wird dank Sanierungsstau Spitzenforschung in Schrottgebäuden betrieben.

Im Mai musste das Hauptgebäude der TU Berlin plötzlich schließen, sämtliche Vorlesungen und Seminare umorganisiert, alle Büros geräumt werden. Die Gründe: Wasserschaden und Brandschutzmängel.

TU Berlin: Gebäudeschließung belastet Studierende

Den Studierenden macht der Zustand ihrer Uni zu schaffen. "Wie sollen wir jetzt damit umgehen? Man hat ja auch Zukunftsängste. Kann man hier noch seinen Bachelor machen? Kann man hier noch seinen Master machen? Muss ich woanders hinziehen?", so Maschinenbaustudentin Josefine Frentin gegenüber ZDF frontal.

Das Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin wurde wegen Wasserschäden und anderen Beeinträchtigungen vorerst gesperrt. Die Mängel wurden bei einer Begehung durch Behörden festgestellt.

11.05.2026 | 1:46 min

Die Uni selbst schätzt die nötigen Investitionen insgesamt auf etwa drei Milliarden Euro. Nach der Schließung des Hauptgebäudes gab es rund 20 Millionen Euro vom Land Berlin als Nothilfe.

"Die hilft uns natürlich, erste kleine Löcher zu stopfen", sagt Professor Eike Roswag-Klinge, zuständig für die Campusentwicklung. Doch der Sanierungsstau existiere seit 30 Jahren, die Gebäude seien "auf Verschleiß gefahren". 300 bis 500 Millionen Euro bräuchte es von der Berliner Landesregierung bis Ende der Legislatur.

TU Berlin drohen weitere Gebäudeschließungen

Gebe es nicht höhere Investitionen, dann "werden weitere Gebäude geschlossen werden", warnt Roswag-Klinge. Auf Anfrage erklärt die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft lediglich, die Forderungen seien "bekannt" und man befinde sich in "konstruktivem Austausch".

Der Deutsche Hochschulverband warnt schon lange, weil nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland viel mehr Geld benötigt werde, als die Unis zur Verfügung haben. Wenn sich das nicht ändere, seien die Folgen gravierend.

Ich denke, wir werden als Innovationsstandort massiv zurückfallen.

Professor Lambert Koch, Deutscher Hochschulverband

Hessen streckt Mittel für die Hochschulsanierung

Doch der Fokus der Politik liegt oft stärker auf Prestigeprojekten wie dem Bau neuer Forschungsgebäude.

An der Universität Marburg etwa wird gerade ein Laborgebäude mit höchster Sicherheitsstufe gebaut. Währenddessen: Betonfraß bei den Gebäuden aus den 60er- und 70er-Jahren - und das alte Chemieinstitut steht seit Jahren leer.

Nach der Schule soll es richtig losgehen - doch die positive Aufbruchstimmung fehlt vielen jungen Menschen. Sie sorgen sich um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

21.05.2026 | 10:56 min

Eigentlich wollten sie mit Mitteln aus dem hessischen Hochschul-Sanierungsprogramm "Heureka" Gebäude für Gebäude sanieren - doch das Programm wurde jetzt faktisch halbiert. Statt 1,4 Milliarden Euro für fünf Jahre und Hochschulen in ganz Hessen soll das Geld nun doppelt so lange reichen.

Universität Marburg warnt vor wachsendem Sanierungsstau

Der Präsident der Universität Marburg, Professor Thomas Nauss, warnt vor einem noch größeren Sanierungsstau. Dann müsse man Reparaturen aus dem laufenden Universitätshaushalt zahlen und es bleibe weniger Geld für Forschung und Bildung.

Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) begründet den Schritt gegenüber ZDF frontal mit der wirtschaftlichen Lage und geringeren Steuereinnahmen als erwartet.

Deutschland hat Rekordschulden in Höhe von 2,8 Billionen Euro. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist das noch vergleichsweise wenig. Für Unsicherheit sorgen sie trotzdem.

18.09.2026 | 9:14 min

Bundeshilfen mit "temporärem Charakter"

Der Bund greift den Ländern hier unter anderem mit der "Schnellbauinitiative" unter die Arme - Hilfen, die "nur ergänzenden und temporären Charakter haben", wie Forschungsministerin Dorothee Bär von der CSU betont.

Mit Mitteln aus dem Sondervermögen unterstützt die Initiative Hochschulen und Kitas in ganz Deutschland bis 2029 insgesamt mit bis zu einer Milliarde Euro jährlich. Aus einem anderen Topf des Sondervermögens gibt es für einige Länder außerdem bis zu hundert Millionen Euro extra.

"Das ist lobenswert, aber es ist ein winzig kleiner Anfang", sagt Professor Lambert Koch vom deutschen Hochschulverband.

Bundeshilfen decken Sanierungsbedarf der Hochschulen nicht

Etwa 140 Milliarden Euro bräuchte es demnach, um alle Hochschulen in Deutschland zu sanieren. Die Hilfen des Bundes und der Länder würden dafür bei Weitem nicht reichen. Vom Bundesforschungsministerium gab es auf diesen Vorwurf keine Antwort.

Aus Sicht von Koch müsse sich die Politik "noch mehr bewusst machen, dass Bildung und Wissenschaft nicht nur ein Randthema sind" - sondern Voraussetzung dafür, "dass wir die anderen großen Herausforderungen überhaupt lösen können".

Über dieses Thema berichtete ZDF frontal am 20.10.2026 um 21:00 Uhr.

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