Jetzt sucht Trumps Vize die Distanz
Nach dem Wahldebakel bei den Midterms suchen die Republikaner nach einem Verantwortlichen. Vizepräsident Vance deutet auf Trump. Andere Parteimitglieder distanzieren sich ebenfalls von ihm.
05.11.2026 | 1:35 minEs ist ein Onlinepost, der den Republikanern die große Frage nach dem "Warum" beantworten soll. Kurz nach den Midterms meldet sich Vizepräsident J.D. Vance auf der Plattform X zu Wort, liefert seine Erklärung für die historische Niederlage.
Der Grund, wieso wir verloren haben, ist der Krieg.
J.D. Vance, US-Vizepräsident
Im Rennen um Trumps Nachfolge gilt Vance als Favorit, nun kratzt sein Statement am Kurs der eigenen Regierung. Drei Herausforderungen, vor denen J.D. Vance nun steht.
1. Die Positionen: Iran, Israel und ICE
In seinem Post geht Vance gleich in mehreren Fragen auf Distanz zum Weißen Haus. So sei der Iran-Krieg für die Niederlage hauptverantwortlich gewesen, Befürworter einer diplomatischen Lösung dagegen zu Unrecht in die Kritik geraten. Er habe sich zudem mit einem Meinungsforscher beraten, berichtet Vance - und den Daten zufolge wünschten sich viele Wähler eine andere Haltung gegenüber Israel. Was daraus folgt, lässt er offen.
Zuletzt hatte die US-Beziehung zu Israel innerhalb der Republikaner für Streit gesorgt. So distanzierten sich prominente Stimmen wie der rechte Kommentator Tucker Carlson von Trumps klarer Unterstützung für die israelische Regierung.
J.D. Vance auf X
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Doch auch innenpolitisch geht Vance auf Distanz. So hätten die Republikaner Wähler wegen der Lebenshaltungskosten verloren, schreibt Vance. Damit sende der mögliche republikanische Präsidentschaftsbewerber ein Signal an Wähler aus der Arbeiterklasse, erklärt Sudha David-Wilp vom German Marshall Fund gegenüber ZDFheute.
Nach der Niederlage von Trumps Republikanern bei den Midterms gibt man sich in Teheran schadenfroh. Trotzdem erwarten viele Iraner durch das Ergebnis keine großen Veränderungen.
05.11.2026 | 2:32 minAuch die umstrittenen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE streift Vance in seinem Post, ohne sie direkt zu nennen. "Ich bin offen für die Idee, dass wir die Durchsetzung ändern", schreibt Vance. Möglicherweise müsse man sich stärker auf Unternehmen konzentrieren, die illegale Arbeitnehmer beschäftigen.
2. Der Präsident: Trumps schweres Erbe
Vance wolle sich mit seinem Statement von Trump lösen, erklärt Expertin David-Wilp, "ein ziemlich forscher Vorstoß für einen Vizepräsidenten." Bislang gilt der 42-Jährige als eng in Trumps MAGA-Bewegung verwurzelt. Seine Rede beim letzten Parteitag der Republikaner wurde von vielen als inoffizieller Start seiner Kandidatur gedeutet, unter Trumps Anhängern erntete Vance lautstarken Applaus.
Doch im Rest des Landes leidet Trumps Marke, seit Monaten sinken seine Beliebtheitswerte. Dass Trump seinen Kurs ändere, sei aber unwahrscheinlich, glaubt US-Politikwissenschaftler Jack Goldstone. Damit sei Vances Handlungsspielraum begrenzt, da er das Amt als Trumps Stellvertreter kaum aufgeben könne.
Nach dem Wahlsieg stichelt El-Sayed gegen JD Vance. Der Vizepräsident muss ihn im Januar als ersten muslimischen US-Senator vereidigen.
04.11.2026 | 0:54 min3. Die Konkurrenz: Was ist mit Rubio?
Ziehen andere bereits Konsequenzen? Am Donnerstag meldeten US-Medien, dass Außenminister Marco Rubio einen Austritt aus der Regierung erwäge. Rubio gilt als potenzieller Konkurrent für Vance im Rennen um eine Präsidentschaftskandidatur, Trump selbst hatte immer wieder mit dessen Bewerbung kokettiert.
Doch Rubio wies die Gerüchte um einen Austritt aus der Regierung öffentlich zurück. "Ich liebe die Arbeit, die ich tue", erklärte Rubio gegenüber der "New York Times". Fragen über eine mögliche Kandidatur lehnte er dabei ab.
Mit ihrer neugewonnenen Kongressmehrheit müssten die Demokraten die Republikaner zur Rechenschaft ziehen, sagt der Politikberater Julius van der Laar. Das wolle die Basis sehen.
06.11.2026 | 3:40 minDoch auch andere, die bislang nicht in der engeren Republikaner-Auswahl standen, wittern jetzt womöglich ihre Chance. So könne Floridas scheidender Gouverneur Ron DeSantis damit werben, dass sein Bundesstaat als größte republikanische Bastion aus den Midterms hervorgegangen sei, erklärt Politikwissenschaftler Goldstone. Zudem werde DeSantis weniger mit Trumps Politik verbunden.
Wie sehr all das J.D. Vances Chancen auf seine Kandidatur schmälern könnte, ist heute völlig unklar. Zumindest einer scheint auf seiner Seite zu bleiben: Donald Trump. Angesprochen von Reportern auf das Statement seines Vizes, verzog der US-Präsident keine Miene. "Ich finde, es war gut", erklärte Trump.
Julian Schmidt-Farrent ist Reporter im ZDF-Studio Washington, D.C.
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 06.11.2026 ab 00:30 Uhr.
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