Photokina-Comeback und KI-Skandal – die Fotonews der Woche 41/2026
Gute Nachrichten für alle, die sich an die glorreichen Zeiten der Photokina erinnern: Die Fotomesse kehrt zurück nach Köln – zumindest im Geiste. Die „Imaging World“, bisher in Nürnberg beheimatet, zieht 2027 in die Domstadt und will dort anknüpfen, wo die legendäre Photokina 2018 aufgehört hat. Koelnmesse und Ringfoto organisieren gemeinsam das Festival für Fotografie, Video und Content Creation.
Die c't Fotografie, Ausgabe 05 2026
(Bild:
heise
)Köln statt Nürnberg: Die Messe kommt nach Hause
Die Entscheidung hat Symbolkraft. Köln war jahrzehntelang das Mekka der Fotobranche, bis die Photokina 2018 ihre letzte Ausgabe erlebte. Die Koelnmesse versuchte damals, das Format zu modernisieren und 2019 auf ein jährliches Konzept umzustellen – was in der Pandemie versandete und nie wieder aufgenommen wurde. Nun kommt mit der Imaging World ein erprobtes Konzept aus Nürnberg, das sich als „Festival“ versteht und explizit auch Content Creator ansprechen will.
Ob das aufgeht? Die Imaging World ist deutlich kleiner angelegt als die alte Photokina, die an ihrer eigenen Größe und sinkenden Besucherzahlen scheiterte. In Nürnberg setzte man auf eine Mischung aus Messe, Workshops und Community-Events. Ringfoto als Partner bringt die Verbindung zum Fachhandel mit – durchaus clever, denn ohne Händler fehlt einer Fotomesse das Rückgrat. Die erste Kölner Ausgabe ist für 2027 vom 24. Bis zum 27. September geplant. Besser eine bescheidene Messe als gar keine – und vielleicht wächst das Pflänzchen ja wieder.
KI-Verdacht erschüttert Nikon-Wettbewerb
Weniger erfreulich läuft es bei Nikons renommiertem Mikrofotografie-Wettbewerb „Small World in Motion“. Der Gewinner 2026 steht unter massivem Verdacht, sein Video mit KI manipuliert zu haben. Ein offener Brief von Wissenschaftlern fordert Nikon auf, den Fall neu zu bewerten – die Regeln verbieten KI-Generierung ausdrücklich.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Forscher aus der Mikroskopie-Community haben das preisgekrönte Video analysiert und Anomalien gefunden, die stark auf KI-Manipulation hindeuten – unnatürliche Bewegungsmuster, physikalisch nicht plausible Strukturen. Besonders brisant ist das, weil der „Small World in Motion“-Wettbewerb seit Jahren als Goldstandard für wissenschaftliche Mikrovideografie gilt. Die Regeln sind eindeutig: „Images or videos generated by AI are not eligible for entry“.
Nikon hat inzwischen auf LinkedIn reagiert und mitgeteilt, dass man sich der Anfragen bewusst sei und den Fall erneut prüfe. Das Unternehmen nimmt die Vorwürfe offensichtlich ernst. Es geht hier schließlich nicht um kreative Bildbearbeitung oder künstlerische Freiheit, sondern um wissenschaftliche Dokumentation. Der Wettbewerb soll die reale Schönheit der Mikrowelt zeigen, sichtbar gemacht durch Mikroskope.
Ausgerechnet ein solcher Wettbewerb könnte von synthetischen Pixeln gewonnen worden sein. Bestätigt sich der Verdacht, wäre das ein herber Schlag für die Glaubwürdigkeit derartiger Ausschreibungen. Vielleicht braucht es bei hochdotierten Wettbewerben künftig verpflichtende Metadaten oder forensische Analysen. Der Fall macht deutlich: KI-generierte Inhalte sind längst kein Problem mehr nur für Stockfoto-Agenturen, sondern auch für die wissenschaftliche Bildgebung.
Leica würdigt Fotografie-Legenden
Deutlich erfreulicher sind die Nachrichten von Leica. Der Oskar Barnack Award 2026 geht an den russischen Fotografen Damir Faizulin für seine eindringliche Serie über Migranten in Moskau. Seine Arbeit dokumentiert das Leben von Arbeitsmigranten aus Zentralasien in der russischen Hauptstadt – Menschen, die in der Gesellschaft oft unsichtbar bleiben, obwohl sie einen wesentlichen Teil der Infrastruktur am Laufen halten.
Faizulins Bilder sind ruhig, aber intensiv. Sie zeigen die Würde dieser Menschen in prekären Situationen, ohne sie zu viktimisieren. Genau das, wofür der Oskar Barnack Award seit seiner Gründung steht: dokumentarische Fotografie, die gesellschaftliche Realitäten sichtbar macht. Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert – das ist echte Unterstützung für fotografische Projekte, keine bloß symbolische Anerkennung.
Den neu geschaffenen LOBA Women Grant erhielt die nigerianische Fotografin Esinam Nyakey Kpobi. Auch dieser Preis ist mit 40.000 Euro dotiert und soll gezielt Fotografinnen fördern – ein wichtiger Schritt, denn in der professionellen Fotografie sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert, gerade in der Dokumentarfotografie und im Fotojournalismus.
Graciela Iturbide in der Leica Hall of Fame
Besonders bemerkenswert: Die mexikanische Fotografin Graciela Iturbide wurde als 15. Mitglied in die Leica Hall of Fame aufgenommen. Die 82-Jährige gilt als eine der bedeutendsten Dokumentarfotografinnen Lateinamerikas. Ihre poetischen Schwarzweiß-Aufnahmen mexikanischer Kultur und Traditionen sind längst ikonisch.
Iturbide begann in den 1970er Jahren zu fotografieren und entwickelte einen unverwechselbaren Stil, der Dokumentation und Poesie verbindet. Ihre bekanntesten Serien zeigen indigene Gemeinschaften in Mexiko, die Wüste Sonora und das Leben in Juchitán, Oaxaca. Exotisierende Blicke sind ihr fremd – es geht ihr um respektvolle Begegnungen auf Augenhöhe. Mit dieser Ehrung reiht sich Iturbide ein neben Henri Cartier-Bresson, Sebastião Salgado und Mary Ellen Mark. Gute Gesellschaft.
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Vier Visionen für die Zukunft der Fotografie
Canon, Nikon, Sony und Fujifilm haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin die Reise geht. Die vier großen japanischen Hersteller verfolgen radikal verschiedene Strategien – was eigentlich ein gutes Zeichen für die Branche ist.
Canon setzt auf seine Hybrid-Strategie mit dem RF-Mount und die Integration von Foto und Video in einem Gerät. Die EOS R-Serie soll Fotografen wie Filmemacher gleichermaßen ansprechen, mit Kameras wie der EOS R5 Mark II, die 8K-Video und 45 Megapixel vereint. Canons Philosophie: eine Kamera für alles, mit möglichst wenig Kompromissen.
Nikon geht einen anderen Weg. Nach der Übernahme des Kinokamera-Herstellers Red im Jahr 2024 konzentriert sich das Unternehmen auf den Z-Mount und die Integration mit Red-Cine-Kameras. Professionelle Filmproduktion und High-End-Fotografie sollen unter einem Dach stattfinden, mit kompatiblen Objektiven. Der goldene Ring am Z-Bajonett der neuen Red-Kameras ist ein deutliches Signal.
Sony treibt KI-Features voran und setzt auf technologische Überlegenheit: Global Shutter in der A9 III, fortschrittlichster Autofokus, Echtzeit-Tracking. Die Philosophie ist klar – durch Technologie Dinge möglich machen, die vorher unmöglich waren. Die Integration von KI für Motiverkennung und Tracking markiert dabei erst den Anfang.
Fujifilm bleibt seiner Nische treu. Mittelformat mit der GFX-Serie für höchste Bildqualität, die X-Serie mit ihren beliebten Film-Simulationen für Enthusiasten, die den Look analoger Filme digital haben wollen. Emotion statt technischer Superlative.
Was alle vier eint: der Glaube, dass Kameras trotz Smartphone-Konkurrenz eine Zukunft haben. Nur eben mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Vielfalt war schon immer eine Stärke dieser Branche.
360-Grad-Video: DJI Osmo 360 II im Test
Wer sich für 360-Grad-Videografie interessiert, findet bei heise+ einen Test der DJI Osmo 360 II. Die zweite Generation der 360-Grad-Kamera verspricht bessere Bildqualität und einfachere Bedienung als ihr Vorgänger.
360-Grad-Video ist noch immer eine Nische, für Virtual-Reality-Content und immersive Dokumentationen aber durchaus relevant. Die Osmo 360 II filmt in 8K-Auflösung rundum und stabilisiert das Bild per Gimbal – DJIs Kernkompetenz. Besonders interessant ist die automatische Nachbearbeitung, die aus dem 360-Grad-Material normale „flache“ Videos schneiden kann, indem sie dem Geschehen selbstständig folgt.
DJI hat mit seinen Drohnen bewiesen, dass sich kompliziertes Profi-Equipment für Verbraucher handhabbar machen lässt. Die Frage bleibt: Braucht man 360-Grad-Video wirklich? Für die meisten Anwendungen wohl nicht. Für VR-Brillen-Nutzer, Immobilien-Dokumentation oder experimentelle Projekte ist die Technik aber durchaus spannend.
Fazit der Woche
Eine Woche voller Kontraste: die Hoffnung auf eine wiederbelebte Fotomesse in Köln, der Schatten des KI-Betrugs über einem wissenschaftlichen Wettbewerb und die Würdigung echter fotografischer Meisterschaft durch Leica. Vielleicht ein ganz treffendes Bild für die Fotografie im Jahr 2026 – zwischen Tradition und Innovation, zwischen echten und synthetischen Bildern.
Die Imaging World in Köln könnte zeigen, ob die Branche noch Messen braucht oder ob alles online stattfindet. Der Nikon-Skandal macht klar, dass dringend Lösungen hermüssen, um KI-Inhalte zu identifizieren. Und die Leica-Preise erinnern daran, dass am Ende die Geschichte zählt, die ein Bild erzählt.
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