Marktbericht: Teurer Wohnraum bremst Deutschlands Wirtschaft
Marktbericht
Neues Gutachten Wohnungsnot bremst Deutschlands Wirtschaft
Stand: 02.11.2026 • 14:15 Uhr
Der Mangel an Wohnraum und die hohen Mieten verhindern die berufliche Mobilität und erschweren Unternehmen die Suche nach Fachkräften. Experten fordern deshalb mehr Anreize für den Wohnungsbau.
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem für die deutsche Wirtschaft. Was für viele Menschen vor allem eine soziale Belastung ist, wird nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten immer stärker zu einem Standort- und Wachstumsrisiko.
Mehr als nur eine soziale Frage
Hohe Mieten erschweren den beruflichen Aufstieg, bremsen die Mobilität von Arbeitskräften und können dazu führen, dass Unternehmen dringend benötigte Fachkräfte nicht gewinnen. Das geht aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium hervor.
Die Ökonomen, die das Ressort von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beraten, warnen darin vor den wirtschaftlichen Folgen der Wohnungsknappheit. "Hohe Wohnkosten belasten die Haushalte und erschweren den Wechsel an einen produktiveren Arbeitsplatz", heißt es in dem Gutachten. Wohnungsmangel sei damit längst nicht mehr nur eine soziale Frage, sondern ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.
Wohnungsnot in wirtschaftsstarken Regionen besonders groß
Das Problem zeigt sich insbesondere in den wirtschaftsstarken Regionen. Dort sind die Löhne häufig höher, gleichzeitig aber auch die Mieten. Wer für einen besser bezahlten Arbeitsplatz beispielsweise nach München, Frankfurt oder in eine andere Wachstumsregion ziehen möchte, muss einen erheblichen Teil des zusätzlichen Einkommens für die Wohnung aufbringen. Im ungünstigsten Fall lohnt sich der Jobwechsel finanziell kaum noch.
"Wer für einen Job umzieht, hat kaum mehr Geld in der Tasche", sagte Felix Bierbrauer, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, mit Blick auf die steigenden Neuvertragsmieten. Die Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands orientierten sich deshalb immer weniger an regionalen Lohnvorteilen.
Das hat Folgen für den gesamten Arbeitsmarkt: Wenn Beschäftigte attraktive Stellen nicht annehmen können, weil sie vor Ort keine bezahlbare Wohnung finden, bleiben Produktivität und wirtschaftliche Chancen ungenutzt.
Ökonomen fordern mehr Anreize für Kommunen
Der Wissenschaftliche Beirat schlägt deshalb mehrere Maßnahmen vor, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kommunen. Sie sollen stärkere Anreize erhalten, zusätzliches Bauland auszuweisen.
Bislang gebe es häufig Fehlanreize: Städte und Gemeinden müssten die Folgekosten neuer Baugebiete tragen - etwa für Schulen, Kindertagesstätten, Sporteinrichtungen und zusätzliche Verkehrsverbindungen. Die Wertsteigerungen der Grundstücke kämen dagegen oft privaten Eigentümern zugute.
Konzepte für Neubauten und Bestandshäuser
Um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, schlagen die Ökonomen vor, Grundstückseigentümer und Bauherren stärker an den Infrastrukturkosten zu beteiligen. Denkbar wäre eine sogenannte erweiterte Infrastrukturkostenumlage oder ein Planungswertausgleich. Damit könnten Kommunen einen größeren Teil der Kosten auffangen, die durch neue Baugebiete entstehen.
Darüber hinaus soll es einfacher werden, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Ältere Bebauungspläne könnten pauschal mehr Geschossfläche zulassen. Auch Aufstockungen und maßvolle Erweiterungen innerhalb bestehender Siedlungen sollten nach Vorstellung des Beirats leichter möglich sein. Zusätzlicher Wohnraum müsste dann nicht mehr in jedem Einzelfall gegen lokale Widerstände durchgesetzt werden.
Junge Generation protestiert gegen hohe Wohnkosten
Wie stark das Thema Wohnen die jüngere Generation beschäftigt, zeigen auch die jüngsten Proteste der Initiative "Gen Z regelt". Die Organisation hatte zu friedlichen Demonstrationen in rund 30 Städten aufgerufen. Die Abkürzung Gen Z steht für die Generation der etwa 15- bis 30-Jährigen.
Neben mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie gehören vor allem steigende Lebenshaltungskosten und die Wohnungsnot zu den zentralen Anliegen der Initiative.
Damit rückt die Wohnungsfrage auch gesellschaftspolitisch weiter in den Mittelpunkt. Gerade junge Menschen, Auszubildende und Berufseinsteiger haben in vielen Städten Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Hohe Mieten können so nicht nur die finanzielle Unabhängigkeit verzögern, sondern auch die Entscheidung beeinflussen, wo Menschen leben, arbeiten und ihre Zukunft aufbauen können.
DAX knapp unter 26.000 Punkten
An den Finanzmärkten bewegt sich der DAX derweil heute knapp unter der Marke von 26.000 Punkten. In der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex mit mehr als 26.100 Punkten den höchsten Stand seit Anfang September erreicht.
An den Rohstoffmärkten gerieten die Ölpreise unter Druck. Auslöser war ein Bericht über diplomatische Bemühungen von US-Präsident Donald Trump im Krieg zwischen den USA und Iran.
Die Hoffnung auf mögliche Fortschritte bei diplomatischen Gesprächen sorgte für Entspannung am Ölmarkt. Anleger reagierten damit auf die Aussicht, dass sich die geopolitischen Risiken und mögliche Beeinträchtigungen der Ölversorgung verringern könnten.
Midterm-Wahlen im Fokus
Ganz ausgeräumt sind die Unsicherheiten allerdings nicht. Händler verwiesen auf die anstehenden Zwischenwahlen in den USA am Dienstag.
Zudem richten sich die Blicke der Anleger auf Apple: Der Technologiekonzern will am Abend nach Börsenschluss in den USA seine Quartalszahlen vorlegen. Die Ergebnisse könnten wichtige Hinweise auf die Geschäftsentwicklung im Technologiesektor und die Konsumstimmung liefern.
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