Erster tödlicher Verlust in der Solothurner Wisentherde

«Wir gingen bereits davon aus»
Erster tödlicher Verlust in der Solothurner Wisentherde
Ein rund 14 Monate altes Wisent-Jungtier verendete Mitte September im 100 Hektar grossen Gehege im Solothurner Jura. Trotz intensiver Suche konnte das Tier erst Wochen später aufgefunden und geborgen werden. Die Herde zählt nun noch 13 der europäischen Urtiere.
Publiziert: vor 21 Minuten
- Im Solothurner Jura starb ein 14 Monate alter Wisentbulle
- Im 100-Hektar-Gehege wurde er erst Wochen später geborgen
- Eine Bauchwunde deutet auf einen Unfall hin; die Herde zählt 13 Tiere
Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk
Die Wisent-Herde im Solothurner Jura ist um ein Tier kleiner geworden. Ein rund 14 Monate alter Wisent-Bulle verstarb vermutlich am Morgen des 15. September. Zwei Wochen später stösst ein Blick-Leser auf die bereits verwesten Überreste und fragt sich, was es damit auf sich hat. Blick hat mit Otto Holzgang (60), Leiter des Projekts Wisent Thal, über das verstorbene Jungtier gesprochen.
Die Wisente werden in ihrem 100 Hektar grossen Gehege täglich gezählt. «Am Sonntag, dem 13. September, konnten wir noch alle Tiere der Herde zählen», gibt Holzgang an. Am Montag streifte die Herde durch den Wald, der rund 78 Hektar des Geländes ausmacht. «Im Wald ist die Sicht stark eingeschränkt, das macht das Zählen schwer.» Bei der Zählung am Dienstag sei dann klar gewesen, dass von den 14 Wisenten einer fehlte. «Daraufhin haben wir am Dienstagabend mit der Suche begonnen und diese bis Donnerstag intensiviert.»
Herde suchte das verstorbene Tier auf
Das Team konzentrierte sich auf die Routen, die die Tiere laut den gesammelten GPS-Daten am häufigsten ablaufen. Doch von dem jungen Bullen fehlte weiterhin jede Spur. «Wir gingen bereits davon aus, dass das Tier gestorben war», stellt Holzgang klar. «Dieser Verdacht bestätigte sich aufgrund einer rein zufälligen Aufnahme einer Fotofalle.» Der Wisent wurde am 29. September gefunden. Er lag jedoch an einer Stelle, an der keine Maschinen eingesetzt werden konnten. Erst am darauffolgenden Samstag konnte der Kadaver geborgen und anschliessend fachgerecht entsorgt werden.
«Die Wisente wurden dabei aufgezeichnet, wie sie noch einmal zu dem Kadaver des Tieres gegangen sind», erzählt Holzgang. Danach legten sie wieder ihr alltägliches Wisent-Verhalten an den Tag. Für den Tod macht Holzgang eine offene Wunde am Bauch verantwortlich. «Wir gehen in jedem Fall von einem Unfall aus.»
Es ist der erste Verlust dieser Art: Seit dem Projektstart im Jahr 2022 wurde erst ein anderes Jungtier gezielt aus der Herde entnommen.
Natürlichkeit steht bei dem Projekt an erster Stelle
Der Unfall kann laut Holzgang sowohl durch einen Sturz im Wald als auch durch einen anderen Wisent verursacht worden sein. «Es kann vorkommen, dass Jungtiere miteinander ringen, um zu messen, wer der Stärkere ist», erklärt Holzgang. Dass Kühe ihre Kälber verteidigen oder ein Jungtier einen älteren Stier herausfordert, sei artentypisch.
Dass es dabei zu tödlichen Unfällen kommen kann, ist bekannt und dem Verein bewusst. «Bei unserem Gesundheitskonzept für die Wisente steht die Natürlichkeit im Vordergrund», gibt der Projektleiter an. Immerhin sieht das Projekt irgendwann die Auswilderung der Herde vor. Davon sei man aber noch mehr als fünf Jahre entfernt.
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