Shrinkflation bei Süßigkeiten : Das sind die Mogelpackungen des Monats

Shrinkflation bei Süßigkeiten Das sind die Mogelpackungen des Monats
06.10.2026, 10:41 Uhr
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Man kennt den Kniff: Der Preis bleibt gleich, der Inhalt reduziert sich und Verbraucher können eine derartig gut getarnte Preiserhöhung kaum erkennen. Gut, dass es die Verbraucherzentrale Hamburg gibt, die solcherlei Tricksereien offenlegt. So auch jetzt wieder.
In diesem Monat bekommen nicht weniger als drei Produkte von Hersteller Nestlé den Titel "Mogelpackung des Monats" von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) verliehen. Denn durch reduzierte Füllmengen wurden die Preise für die Mini-Sammelpackungen für Smarties, Lion und Kitkat versteckt von bis zu 30 Prozent erhöht.
Nestlé hat erneut die Füllmenge bei den Mini-Sammelpackungen seiner bekannten Süßwarenmarken KitKat, Lion und Smarties reduziert. Statt bislang 13 Minis enthält ein Beutel jetzt nur noch 10 Stück. Das entspricht knapp einem Viertel weniger Inhalt. Auf der Packung findet sich neben der Stückzahl der Hinweis "Neues Format - jetzt". Dass mit dem neuen Format auch deutlich weniger Inhalt verbunden ist, wird nicht erwähnt. Wie wäre es mit "Weniger drin - jetzt"?
Interessant an diesem Fall ist, dass der Handel unterschiedlich mit den geschrumpften Packungen von Nestlé umgeht. Bleibt der Verkaufspreis unverändert, entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von rund 30 Prozent. Senkt der Handel den Preis von 4,79 Euro auf 3,79 Euro, beträgt die Preiserhöhung bezogen auf die Stückzahl knapp 3 Prozent.
Handel spielt entscheidende Rolle
Laut der VZHH blieb etwa bei Rewe in Hamburg der Verkaufspreis im Juli 2026 zunächst bei 4,79 Euro, obwohl der Inhalt deutlich geschrumpft war. Bezogen auf die Stückzahl entsprach das einer versteckten Preiserhöhung von rund 30 Prozent. Kurze Zeit später senkte Rewe den Preis auf 3,79 Euro. Zu diesem Preis wurden die Produkte auch bei weiteren Recherchen der Verbraucherschützer angeboten. Unter Berücksichtigung der geringeren Stückzahl sind die Süßigkeiten damit knapp 3 Prozent teurer als zuvor. Shrinkflation bezeichnet eine versteckte Preiserhöhung, bei der Hersteller die Füllmenge, das Gewicht oder die Stückzahl eines Produkts verringern, während der Verkaufspreis gleich bleibt oder steigt.
Bei einigen Edeka-Filialen in Hamburg lag der Verkaufspreis bereits vor der Umstellung bei 3,79 Euro und blieb nach der Reduzierung des Inhalts unverändert. In diesen Fällen beträgt die versteckte Preiserhöhung rund 30 Prozent.
Bei Rossmann und Kaufland wurde der Regalpreis mit der Umstellung von 4,79 Euro auf 3,79 Euro gesenkt. Bezogen auf die Stückzahl ergibt sich damit - wie bei Rewe - eine Preiserhöhung von knapp 3 Prozent.
Die Beispiele verdeutlichen, welche Rolle der Handel in Sachen Shrinkflation spielt: Die Hersteller können ihre unverbindlichen Preisempfehlungen ändern, den tatsächlichen Verkaufspreis im Regal legen jedoch die Händler fest.
Nestlé bestätigt in einer Stellungnahme vom 22. Juli 2026, dass " (…) die Füllmenge unserer Kitkat Minis von 13 Stück (217 g) auf 10 Stück (167 g) reduziert wurde. Das betrifft folgende Produkte: KitKat Milk Minis, Lion Milk Minis, Smarties Minis (…) Durch diese Anpassung ist es uns möglich, die Minis-Beutel zu einem günstigeren UVP von 3,79 Euro anzubieten. Der bisherige UVP war 4,79 Euro. Bitte bedenken Sie, dass die Preishoheit dem Handel obliegt und wir keinen Einfluss auf den Regalpreis haben. (…)".
Besonders der langfristige Vergleich zeigt, wie stark die Preise für KitKat, Lion und Smarties Minis gestiegen sind. Nestlé hat Verbraucher in den letzten Jahren massiv zur Kasse gebeten. Laut VZHH kosteten im Mai 2021 die Beutel mit 15 Minis noch 2,99 Euro. Dann schrumpfte der Inhalt zunächst auf 13 Stück bei gleichem Preis. Nun, im Jahr 2026 sind nur noch 10 Stück enthalten und der Regalpreis deutlich höher.
Rasanter Preisanstieg in den letzten Jahren
Ausgehend von den Füllmengen und Preisen in der Mogelpackungsliste der Verbraucherzentrale ergibt sich zwischen 2021 und 2026 bei den KitKat Minis und Smarties Minis eine Preissteigerung von 90 Prozent. Der Preisanstieg liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der durchschnittliche Anstieg der Lebensmittelpreise im gleichen Zeitraum.
Verbraucher müssen sich häufig über versteckte Preiserhöhungen ärgern. Vorausgesetzt, sie entdecken diese auch. Die VZHH bietet die Möglichkeit, auf Produkte, mit denen Kunden derart (weniger Inhalt bei gleichem Preis) getäuscht werden, aufmerksam zu machen. Sie macht diese Produkte dann öffentlich und kürt sie zur Mogelpackung des Monats und des Jahres.
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