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Wednesday, October 14, 2026

„Enshrouded“ angespielt: Überleben, bis es kracht

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Große Ambitionen, große Erwartungen, endlich geliefert. Nach fast drei Jahren verlässt das Survival-Rollenspiel „Enshrouded“ des deutschen Entwicklungsstudios Keen Games den Early Access. Was als solider Early-Access-Titel startete, hat sich zu einem komplexen Genre-Vertreter gewandelt, in dem mittlerweile über fünf Millionen Spieler allein oder miteinander die Welt Embervale erkunden. Wir haben von ganz unten angefangen und kurz auch einen High-End-Charakter inklusive eines neuen Bioms ausprobiert.

Survival-Spiele ähneln oft Sisyphusarbeit: Stundenlang Holz fällen, bis endlich mal das Dach über dem Kopf fertig ist. Ein Ende ist da eigentlich nie in Sicht, immer geht es von vorne los. Wenn dann noch die obligatorischen Handwerkskünste mit der entsprechenden Hardware dazukommen, sind wir Spieler nicht tagelang, sondern wochen- bis monatelang beschäftigt. Das macht dieses Genre, angeführt von „Minecraft“ oder „Valheim“, zu einem der zeitintensivsten, aber gleichzeitig erfolgreichsten Spiele-Genres der vergangenen Jahre.

„Enshrouded“ erfindet das Genre nicht neu. Auch hier wird geholzt und gehämmert, bis es kracht. Neben den klassischen Survival-Elementen bietet „Enshrouded“ eine umfangreiche Rollenspielerfahrung, in der die Spieler ihre Avatare nach Herzenslust skillen können und sie allein oder mit bis zu 15 Mitspielern im Koop in ein Abenteuer gegen Monster, Drachen und Dämonen schicken. Auf der PS5 sind es nur maximal 8 Spieler.

Die Story verlässt sich auf altbekannte Klischees. Der Schauplatz ist das Land Embervale. Eigentlich ein Paradies, doch dann taucht ein geheimnisvolles Elixier auf, das große Macht verspricht, aber süchtig macht. Als wäre das nicht schon schlimm genug, müssen die Einwohner die Zutaten für das Elixier tief aus der Erde graben. Das wiederum setzt einen Nebel namens „Miasma“ (englisch „Shroud“) frei, aus dem gefährliche Monster auftauchen und der das ganze Land verseucht. Glücklicherweise gibt es die Flammengeborenen, die gegen das alles immun sind und das ehemals schöne Embervale vom Bösen befreien sollen.

(5 Bilder)

Umfangreich und komplex: An „Enshrouded“ kommt keine Genre-Fan vorbei. (Bild:

heise medien

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Es ist wieder mal die Geschichte vom auserwählten Helden, der sich gegen das Böse in die Schlacht stürzt. Aufwendige Cutscenes gibt es nicht. Stattdessen wird die Geschichte über Schriftrollen erzählt, die wir überall finden. Das ist hervorragend von einem Sprecher vertont, bietet aber keine spannenden oder originellen Wendungen. Spannender ist da schon die Welt: ein Mix aus klassischer Fantasy mit Monstern und Steampunk-Anleihen.

Anfangs müht sich unser Held mit dem üblichen Rohstoffsammeln, bis endlich die erste Blockhütte steht. Der Kniff: Anders als bei der Konkurrenz werden die einzelnen Handwerkskünste nicht einfach per Mausklick freigeschaltet. Stattdessen muss der Flammengeborene die Seelen sogenannter Überlebender befreien, die dann ins Haus einziehen. Die brauchen natürlich auch erst mal ein Bett, bieten aber nützliche Tipps und versorgen ihn mit Aufgaben, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

Die einzelnen Aufträge führen den Helden durch grüne Wiesen, alte Ruinen und dunkle Katakomben. Manchmal muss er nach einer Sprungeinlage ein paar Schalter betätigen, meist läuft es aber auf einen Kampf heraus. Schwerter, Äxte, Bögen oder Zauberstäbe helfen gegen die Feinde. Die Steuerung ist simpel: angreifen, verteidigen, ausweichen. Eine feste Charakterklasse gibt es nicht. Als Flammengeborener kombinieren wir Fertigkeiten aus zwölf Skilltree-Archetypen, vom Krieger über Bestienmeister und Assassinen bis zum Magier oder Heiler.

„Enshrouded“ lässt den Spielern viele Freiheiten. In welcher Reihenfolge sie die Aufgaben ausführen, ist ihnen überlassen. Überall gibt es viel zu entdecken. Per Luftgleiter überbrücken sie längere Strecken und können sich mit Spitzhacke oder kleinen Bomben Wege in Berge oder Höhlen freilegen. Beispielsweise konnten wir so in unseren Anspielstunden einen besonders hartnäckigen Gegner einfach umgehen.

Sobald die Spieler das düstere Miasma betreten, wird es besonders knifflig. Der Nebel ist tödlich und nagt nach einer bestimmten Zeit an den Lebensreserven. Die Monster sind hier stärker und die Beute natürlich wertvoller. Oft müssen die Spieler sogenannte Miasma-Wurzeln zerstören, um das Gebiet wieder zu bereinigen. Logisch, dass sie besonders stark bewacht werden. Oft ist es ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, bevor die Spieler aus diesem düsteren Labyrinth entkommen.

Was anfangs noch überschaubar ist, wird gegen Ende des Spiels zu einer komplexen Aufgabe. Bis genug Platz für die einzelnen Handwerker geschaffen ist und die Spieler mit teilweise komplizierten „Rezepten“ Waffenmaterial hergestellt oder Tränke gebraut haben, vergehen etliche Stunden. Keen Games gibt eine Spielzeit zwischen 50 Stunden für einen normalen Spieldurchlauf an – und 250 Stunden, wenn die Spieler alles sehen wollen.

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Für die Release-Version hat Keen Games das Spielerlebnis im Vergleich zur Early-Access-Version ordentlich gestreckt. Es gibt ein neues Gebiet namens Cinder's Cradle, das einem riesigen Lavabecken mit fliegenden Inseln und neuen Gegnern gleicht. Zusätzlich wurde der maximale Charakterlevel auf 50 erhöht und neue Zaubersprüche bringen weitere Abwechslung ins Spiel. Ein Spielelement verspricht viel Potenzial: Mit dem Funkenwerk-System können die Spieler eigene Abenteuer für sich und andere Spieler kreieren.

Laut Entwicklungsstudio soll das nur der Anfang sein. Neben einem herausfordernden Endgame sind schon weitere Ergänzungen in der Planung. Genaue Informationen gibt es noch nicht. Bei über fünf Millionen Spielern dürften weitere Inhalte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Keen Games hat viel versprochen und viel geliefert. „Enshrouded“ ist ein umfangreicher und komplexer Rollenspiel-Survival-Mix, der die Spieler lange beschäftigen wird. Das Entwicklungsstudio hakt so ziemlich jede Box ab, die das Genre auszeichnet. Die zahlreichen Tüfteleien an Charakteren und Produktketten bieten viel Abwechslung und die Kämpfe sind spannend und motivierend. Immer gibt es etwas zu tun, Langeweile kommt bei Survival- und Rollenspielfans kaum auf. Praktisch: Spieler der EA-Version können ihre Save-Games auch in die finale Version übernehmen.

Ist es deshalb perfekt? Nein. Bei aller Komplexität fehlt es den Survival- und Bauelementen an Originalität. Der Gameplay-Loop von Sammeln und Bauen wandelt kaum auf unbekannten Pfaden. Dazu fehlt dem Rollenspiel eine spannende Story mit interessanten Charakteren, die auch nach dem Spiel in Erinnerung bleiben. Was bleibt, ist ein umfangreicher Spielemix, der enorm viel Platz zum Tüfteln und Erkunden bietet.

„Enshrouded“ erscheint am 15. Oktober für Windows und PS5. Eine Xbox-Version ist für 2027 geplant. Es kostet ca. 40 Euro. USK ab 12. Für unser Angespielt haben wir einige Stunden die Windows-Version gespielt.

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