Rücktritt von Bärbel Bas: Wollen wir so unerbittlich und gnadenlos sein?
Kommentar
Stand: 12.10.2026 • 17:20 Uhr
Der Rücktritt von Arbeitsministerin Bas wirft Fragen auf. Sie begründet ihn mit der Trauer um ihre Stieftochter und mit "öffentlichen Angriffen" aus den Reihen des Koalitionspartners von der Union. Muss man das alles schlucken?
Jetzt ist wieder eine weg. Bärbel Bas. Wundgescheuert. Verschlissen. Von dem, was wir Politik nennen. Ist halt so? Hartes Geschäft eben? Nein, ist halt nicht so. Sollte so nie sein.
Wir alle, nicht nur "die Politik" sollte heute mal kurz innehalten, nachdenken. Wollen wir so miteinander umgehen? In unserem Land. Als Gesellschaft. Als Mitmenschen. Unerbittlich. Über den Tod eines engsten Familienmitglieds hinaus? Ist halt so?
Wenn eine erfahrene Bundespolitikerin, der Mann - buchstäblich Mann - nicht erklären muss, dass es in der Politikküche heiß werden kann, wenn die hinwirft, weil sie keine Kraft mehr hat, stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht mehr in dieser deutschen Politikküche.
Muss man zynisch sein?
Wie dick bitte soll das Fell werden, dass es braucht, um die Erbarmungslosigkeit zu ertragen? Wie hartleibig hätten wir unsere Politikerinnen und Politiker denn gern? Diese Bärbel Bas wurde von Unternehmern öffentlich ausgelacht, von Koalitionspartnern angefeindet, selbst von eigenen Leuten gab's die stille Frage: Ob die Bärbel das wohl kann? Ist das wirklich Berufsrisiko: Zyniker zu werden? All das schlucken zu müssen?
Wenn eine Bundesministerin und Co-Vorsitzende der SPD hinwirft, weil wir alle ihr nicht mehr die Zeit geben, zu weinen, zu trauern über einen geliebten Menschen, dann sollte dieser Politikbetrieb heute einmal innehalten. Nicht für ein stilles Gedenkminütchen. Sondern für eine Neujustierung im Umgang miteinander. Nicht nur die Parteien, auch die Menschen, die im Netz immer so schnell, so meinungsstark und erbarmungslos urteilen.
Naiv? Möglicherweise. Wahrscheinlich gilt schon jetzt: Bis hierhin und so weiter. Morgen schon. Dann sind diese Bärbel Bas und ihre Trauer vermutlich Geschichte. Manche werden möglicherweise zu Recht sagen: Die hat auch Fehler gemacht, war nicht alles Gold, war nicht die beste Co-Vorsitzende.
Teufelskreis aus Maßlosigkeit und Wut
Und trotzdem sind wir alle, wir Menschen, wir Journalisten, der Politikbetrieb jetzt ja schon wieder eine Personalie weiter. Wer wird Co-Chefin? Wie geht’s mit der Koalition weiter. Bleibt Klingbeil oben? Ist die SPD noch zu retten? Solche Fragen halt.
Aber sind wir noch zu retten? Wollen wir so sein? So unerbittlich. So gnadenlos? Wenn die SPD jetzt die Union attackiert, Manuela Schwesig diese CDU "unmenschlich und rücksichtslos" nennt, geht’s ja gleich munter weiter. Mit diesem Teufelskreis aus Maßlosigkeit und Wut.
Eine Frau ist heute zurückgetreten, weil sie nicht mehr konnte. Das macht diesen Fall zu mehr als einer Randnotiz im Allerlei des deutschen Politikbetriebes.
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