Tanktourismus boomt – Benzin viel günstiger: Wer fremdtankt, spart Geld

Tanktourismus boomt Benzin viel günstiger: Wer fremdtankt, spart Geld
Einmal über die Grenze zum Tanken? Das eigene Portemonnaie dankt es. Jenes des Bundes nicht.
Einkaufstourismus ist in grenznahen Gebieten gang und gäbe. Ist das Shampoo günstiger, steigen nicht wenige ins Auto und fahren über den Zoll. Momentan steigen die Einkaufstouristinnen und -touristen ins Auto, um günstiger Auto fahren zu können. Denn: Für den günstigen Sprit über die Grenze ist derzeit beliebt – vor allem von der Ostschweiz nach Österreich.
Die Preisunterschiede sind beträchtlich. Ein Rechenbeispiel: 2.18 Franken für einen Liter Bleifrei 95 auf der Schweizer Seite des Rheins, 1.85 Euro in Österreich. Umgerechnet sind das momentan etwa 1.72 Franken. Bei einem Tank von 50 Litern heisst das: In der Schweiz kostet die Tankfüllung 109 Franken, in Österreich umgerechnet 86 Franken.
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Bild 1 von 3. An österreichischen Tankstellen sind momentan viele Autos mit Schweizer Kennzeichen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. In Österreich kostet der Liter Bleifrei/Super deutlich weniger … Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. … als nur wenige Kilometer entfernt in der Schweiz. Bildquelle: SRF.
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Die Benzinpreise sind aufgrund des Konflikts im Nahen Osten momentan hoch. Stichwort: Strasse von Hormus. In den Nachbarländern Deutschland und Österreich gibt es einen Tankrabatt. In Österreich sind die Mineralölsteuern grundsätzlich um einiges tiefer als in der Schweiz.
Österreichs Bevölkerung tankt weniger
Österreichs Spritpreisbremse mache etwa zehn bis zwölf Cent pro Liter aus, sagt Petra Girardi, Fachbeauftragte Tankstellen beim Wirtschaftsbund Vorarlberg, zur SRF-Tagesschau: «Jedes zweite Auto kommt aus der Schweiz. Der meiste Umsatz wird im Moment mit den Schweizer Kunden an den grenznahen Tankstellen gemacht.»
Das Verhalten der Vorarlberger Kundschaft habe sich verändert, sagt Girardi: «Wir haben Inflation, die wirtschaftliche Lage ist schwach. Die Leute müssen mehr aufs Geld schauen. Es wird weniger getankt, vor allem Ende Monat ist alles sehr verhalten.»
Weniger verhalten sind die Schweizer, die SRF an der österreichischen Tankstelle antrifft. «Das lohnt sich. In der Schweiz ist der Preis zu hoch», sagt ein Schweizer Autofahrer an einer Vorarlberger Tankstelle. Ein anderer pflichtet bei: «Es ist schockierend, wie viel wir bezahlen müssen. Ich frage mich, wer von diesen hohen Preisen profitiert. Die Politik müsste schauen, dass die Preise runtergehen.»
In Deutschland ist ein Tankrabatt am 1. Oktober in Kraft getreten, der befristet bis Ende Jahr gilt. Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin wurde um rund 14 Cent pro Liter gesetzt. Bundeskanzler Friedrich Merz rechnete vor: 17 Cent pro Liter können gespart werden, weil auch der Mehrwertsteuerbetrag pro Liter um drei Cent sinkt. Die Massnahme wird den deutschen Finanzhaushalt um Milliarden belasten. An den Tankstellen kostet ein Liter Super um die 2.20 Euro.
Die Schweizer sind oft auf der Durchfahrt. Ein Autofahrer sagt: «Es ist eine günstige Gelegenheit, den Tank zu füllen. Ein Schnäppchen.» Eine Benzinpreisbremse für die Schweiz sieht er kritisch: «Diese Querrechnerei ist auch schwierig. Irgendjemand muss es bezahlen.»
Schweiz (noch) ohne Tankrabatt
Ein Tankrabatt auch in der Schweiz? Im Parlament gibt es mehrere Vorstösse bürgerlicher Politiker. Dass Schweizerinnen und Schweizer im Ausland tanken, sei ein Problem, sagt Markus Schnyder, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Glarus. Vor allem für die Finanzierung der Strasseninfrastruktur: «Benzin und Diesel sind hoch besteuert. Diese Gelder für die Infrastruktur fallen dann weg.»
Schnyder, der in der Verkehrskommission sitzt, fordert deshalb auch in der Schweiz einen Tankrabatt: «Im nahen Ausland gibt es sie überall. Wir stehen jetzt als Insel da. Das ist für die Konkurrenzfähigkeit sehr anspruchsvoll.» Ausserdem würde so der Einkaufstourismus angekurbelt.
Linke und Grüne lehnen einen Tankrabatt ab. Das setze falsche Klimaanreize und bevorteile Leute, die viel Auto fahren. Der Bundesrat sah in einem bereits beantworteten Vorstoss Anfang September keinen Bedarf für Massnahmen. Auf Mineralölsteuern zu verzichten, würde grosse Löcher in die Kasse reissen.
Die Situation werde aber gleichzeitig beobachtet. Heisst: Bleiben die Benzinpreise so hoch, überdenkt der Bundesrat allenfalls seine Haltung.
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