Deutsche Gasspeicher nicht voll: Netzagentur-Chef rechnet mit "erheblich" höheren Heizkosten

Deutsche Gasspeicher nicht vollNetzagentur-Chef rechnet mit "erheblich" höheren Heizkosten
01.11.2026, 11:44 Uhr

Deutschland verfehlt vor dem nahenden Winter offenbar die vorgeschriebenen Speicherziele für Erdgas. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung dennoch gesichert. Doch bei extremer Kälte könnte es zu Engpässen kommen.
Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur auch ohne Erreichen der gesetzlichen Gasspeicherziele sicher mit Erdgas versorgt. "Es ist für die sichere Gasversorgung nicht mehr zwingend, dass die Speicherziele erreicht werden", sagte Behördenchef Klaus Müller. Deutschland verfüge mittlerweile über Flüssiggas-Terminals, über die Gas importiert werden könne. Zugleich warnte der Netzagentur-Chef vor höheren Kosten: "Gas ist erheblich teurer geworden, dessen müssen sich leider alle Kunden bewusst sein."
Die Gasspeicher in Deutschland haben die vorgeschriebene Füllstandsmarke nach vorläufigen Daten verfehlt. Zum 1. November müssen die meisten deutschen Gasspeicher nach den gesetzlichen Vorgaben zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein. Für sechs Speicher greift eine niedrigere Vorgabe von 45 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch ein bundesweiter Zielwert von rund 70 Prozent. Am Samstag, einen Tag vor dem offiziellen Stichtag, lag der Füllstand im Schnitt nur bei etwas über 61 Prozent.
"Speicher sind weiter wichtig, aber ihre Bedeutung hat sich verändert", erklärte Müller. Entscheidend für die Versorgung sei das Zusammenspiel von Pipeline- und Flüssiggasimporten, Speichern, Infrastruktur und Nachfrage. "Die Gasversorgung ist stabil. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein", sagt der Präsident der Bundesnetzagentur.
Der Interessenverband Initiative Energien Speichern (INES) warnte dagegen vor Risiken durch die niedrigen Füllstände. Nach seinen Modellrechnungen könnte es bei einem extrem kalten Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen kommen.
INES vertritt die Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern, darunter Sefe, Uniper und VNG. Die Mitglieder repräsentieren mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten. Die Betreiber verdienen an der Vermarktung ihrer Kapazitäten und profitieren entsprechend von einer hohen Spreichernachfrage. INES fordert unter anderem staatlich vergünstigte Kredite, um die Einspeicherung wirtschaftlich attraktiver zu machen.
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