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Saturday, October 31, 2026

"Ich habe Ihre Frau ermordet": Sebastian Fitzeks "Nachtzug" wird zum Gedankenexperiment

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"Ich habe Ihre Frau ermordet"Sebastian Fitzeks "Nachtzug" wird zum Gedankenexperiment

31.10.2026, 12:08 Uhr imageVon Thomas Badtke

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Der Anwalt muss im Zug ein Plädoyer auf Leben und Tod halten. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Der erfolgreiche Strafverteidiger Adrian Corvin verliert in einer einzigen Nacht alles: Seine Frau wird brutal ermordet, sein fünf Jahre alter Sohn entführt. Die Mörderin lockt Adrian in einen Luxuszug - und macht ihm ein Angebot, das er eigentlich nicht annehmen kann. Aber er muss.

"Ein Plädoyer ist wie ein Zaubertrick: Du musst dein Publikum lenken. Seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt richten und eine Erwartungshaltung erzeugen, der es nicht widerstehen kann - um dann das Kaninchen an einer anderen Stelle auf der Bühne des Gerichts aus dem Zylinder zu ziehen." Das ist die Kunst der perfekten Plädoyerführung, wie Adrian Corvin seit seinem Studium weiß. Den beruflich erfolgreichen Strafverteidiger zeichnet ein ausgeprägtes Rechtsempfinden aus. Anwendung von Gewalt oder gar Selbstjustiz? Für Adrian ein absolutes No-Go: "Der Zweck heiligt kein unrechtes Mittel", lautet sein Grundsatz. Eigentlich.

Nur befindet sich der Strafverteidiger gerade in einer brisanten Situation: Seine Frau Judith wurde im Schlafzimmer ihrer heimischen Berliner Villa mit durchgeschnittener Kehle tot aufgefunden. Von ihrem gemeinsamen Sohn Emil, gerade einmal fünf Jahre alt, fehlt jede Spur. Allerdings wird Adrian von der Mörderin telefonisch kontaktiert und in einen Luxus-Nachtzug gelockt, wo sie ihm gesteht: "Ich habe Ihre Frau ermordet - und Emil verschleppt. Und nun will ich Sie auf die Probe stellen."

Mörderin spielt Angeklagte, Jury und Richterin

Der Plan der Psychopathin: Adrian soll sie verteidigen. Der Gerichtssaal ist dabei ein Abteil des Luxus-Nachtzuges "Royal Rail Express". Die Verhandlung dauert nur wenige Stunden, die Dauer der Non-Stop-Fahrt von Prag nach Berlin. Der Haken: Die psychopathische Mörderin ist Angeklagte, Jury und Richterin in Personalunion. "Überzeugen Sie mich, dass ich für meine Taten nicht den Tod verdient habe, dann werde ich Ihnen verraten, was mit Ihrem Sohn passiert ist", so das Angebot an Adrian. Gelingt ihm das allerdings nicht, will die Frau sich selbst richten: "Und Sie werden Ihren Sohn niemals wiedersehen."

Damit steht der Reiseplan fest. Für Adrian. Und auch für die Leser und Hörer von Sebastian Fitzeks neuem Bestseller "Der Nachtzug", erschienen bei Droemer Knaur und audible. Die Geschichte kommt im Gewand eines Justizthrillers daher. Unaufgeregt. Gebettet in eine klare Sprache und kurze Kapitel. Das kennt man von Fitzek. Das liebt man an Fitzek. Kein Drumherumgelaber, sondern direkt hinein in eine wilde Hatz aus Möglichkeiten und Twists. Schwindelgefühle ebenso inklusive wie abgeknabberte Fingernägel. Spannung pur eben.

Und das Ganze in einem Locked-Room-Szenario eines Zuges, der nach Fahrtbeginn erst wieder am Reiseende hält. Kein Stopp zwischendrin. Eigentlich. Es sei denn, ein Polizist mit Herzinfarkt muss versorgt werden. Ein Ermittler mit Angina Pectoris im Zug? Adrian sollte die Fahrt doch geheim halten. Hat er die Polizei doch informiert? Oder war sie der Psychopathin schon auf der Spur? Wie lautet das Motiv der "halbnackten Wahnsinnigen mit den Puppenaugen"? Ist es vielleicht nur Mittel zum Zweck? Liegt die Lösung des Rätsels in Adrians Kindheit? Und was sind "false memories"?

Ausstieg erst bei Fahrtende möglich

Die Fragen reihen sich aneinander wie die Perlen einer Perlenkette. Wenn man als Hörer des achteinhalbstündigen Audiobooks eine Antwort gefunden hat, tauchen direkt die nächsten Fragen aus der verschwommenen Dunkelheit auf, die den Nachtzug auf seiner Fahrt umgibt. Das alles, und die gewohnt in den Bann ziehende Stimme von Simon Jäger, laden regelrecht dazu ein, "Der Nachtzug" in einem Rutsch zu hören. Man will nichts verpassen, keine juristische Spitzfindigkeit, keinen einzigen Twist, egal, wie unwesentlich er auf den ersten Blick erscheinen mag.

Von Fitzek weiß man: Sei auf der Hut, bleibe am Ball! Ein Ausstieg vor Fahrtende? Nicht bei "Der Nachtzug"! Lassen Sie sich auf den Thriller-Zauberer Fitzek ein, lösen Sie ein Zugticket und machen Sie es sich bequem, hören Sie gut zu - und fällen Sie dann Ihr eigenes Urteil.

View the original on n-tv →

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