Steinmeier auf Abschiedsbesuch bei Macron: "Hand in Hand" durch die Stürme
Stand: 08.10.2026 • 18:05 Uhr
Bundespräsident Steinmeier und Frankreichs Präsident Macron sind beide etwa gleich lang im Amt - und scheiden im Frühjahr 2027 aus. Beim Abschiedsbesuch in Frankreich ging es um ihre Freundschaft - in politisch schwierigen Zeiten.
Die deutsche Nationalhymne lief am Triumphbogen in Paris. Die Champs-Élysée waren komplett abgesperrt, am gesamten Straßenrand große deutsche und französische Flaggen. Dann durfte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Champs-Elysée herunterfahren, links und rechts von ihm die berittene Garde Républicaine des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Mehr protokollarische Ehre ging nicht für den Bundespräsidenten in Paris. Es war ein Abschiedsgeschenk von Präsident Emmanuel Macron - nicht nur an das deutsche Staatsoberhaupt, sondern auch an einen persönlichen Freund, wie Macron anschließend im Élysée-Palast deutlich machte.
Seite an Seite seit rund zehn Jahren
Steinmeier sei zum Bundespräsidenten gewählt worden, wenige Monate bevor Macron selbst zum Präsidenten gewählt wurde. "Seit zehn Jahren schreiten wir Seite an Seite voran", sagte der französische Präsident. "Wir haben einige Stürme gekannt, uns ihnen aber immer Hand in Hand gestellt."
Dabei blickte Emmanuel Macron seinem langjährigen Wegbegleiter Frank-Walter Steinmeier vor den laufenden Kameras tief in die Augen, so tief, dass der Bundespräsident ein bisschen verlegen wirkte. Immerhin kramte er dann sein bestes Französisch zusammen - für ein paar Sätze des Dankes reichte es.
Politische Weggefährten, die sich gut verstehen: Bundespräsident Steinmeier und Frankreichs Staatschef Macron.
Abschiedsbesuch in "verdammt schwierigen Zeiten"
Der Bundespräsident sprach anschließend viel von gemeinsamen Zeiten, von ihrem gemeinsamen Abschied als Präsidenten und von Wehmut. Durch den Wintergarten des Élysée-Palastes wehte ein Hauch von Nostalgie: "Es ist ein Besuch, es ist ein Staatsbesuch, auch ein bisschen ein Abschiedsbesuch, aber eben ein Besuch in verdammt schwierigen Zeiten", erklärte Steinmeier.
Der Bundespräsident erwähnte den Ukraine-Krieg, die Polarisierung der Gesellschaft, die Stärkung der radikalen Ränder, eine politische Auseinandersetzung, die sich in die sozialen Netzwerke verlagert habe. In Deutschland hätten Wahlen stattgefunden, die weltweit diskutiert würden.
"Deutsche werden gute Europäer bleiben"
Umso wichtiger sei es, so Steinmeier in Paris, den französischen Nachbarn zu versichern: "Auch die Deutschen werden gute Europäer bleiben bei allem, was sich bei uns verändert, wirtschaftlich, politisch, gerade auch in der Sicherheitspolitik."
Deutschland, das ist und bleibe seine Überzeugung - nicht nur bis zu seinem letzten Tag im Amt, sondern auch darüber hinaus - "Deutschland kann nur als europäisches Deutschland erfolgreich sein, eng eingebettet in die Europäische Union", so Steinmeier.
Steinmeiers politisches Vermächtnis
Das klang schon sehr stark nach einem politischen Vermächtnis, das der Bundespräsident bei seinem Staatsbesuch in Frankreich noch einmal loswerden wollte, fast so, als könnte die Ära der deutsch-französischen Zusammenarbeit angesichts der erstarkenden radikalen Kräfte in beiden Ländern bald vorbei sein.
In Gegenwart der beiden Staatsoberhäupter Steinmeier und Macron wurde ein neues Rahmenabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk unterschrieben. Dabei waren auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sowie ihre Amtskollegen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Cem Özdemir und Gordon Schnieder. Morgen wollen Steinmeier und Macron noch zusammen einige Forschungs- und Verteidigungsstandorte in Bordeaux besuchen.
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