Warum Lok Leipzig nicht vorankommt
Der 1. FC Lok Leipzig wartet auch nach dem 2:2 gegen die BSG Chemie Leipzig auf seinen ersten Heimsieg. Einsatz und spielerischer Qualität sind vorhanden. Das Problem liegt an anderer Stelle.

Ricky Bornschein rettete Lok Leipzig noch einen Zähler im Derby. IMAGO/Beautiful Sports
Nach 13 Spieltagen steht Lok bei 17 Punkten und einem Torverhältnis von 25:25. Für den amtierenden Meister ist das zu wenig. Trainer Torsten Ziegner bewertet die Leistungen seiner Mannschaft besser als die Ausbeute. Woran liegt es, dass dieses Missverhältnis seit Wochen besteht?
Auffällig ist die Differenz zwischen Heim- und Auswärtsspielen. 14 seiner 17 Punkte holte Lok in der Fremde. Im Leipziger Bruno-Plache-Stadion reichte es in sieben Partien nur zu drei Unentschieden. Auch gegen Chemie verhinderte die Mannschaft nach einem 0:2 zwar noch die Niederlage, der erste Heimsieg blieb aber erneut aus.
An Moral mangelt es nicht. Schon gegen den BFC Dynamo hatte Lok einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt. "Wir haben es schon oft bewiesen dieses Jahr, dass wir vom Rückstand zurückkommen können", sagte Ricky Bornschein dem MDR. Dass Lok diese Moral so häufig benötigt, sagt allerdings auch einiges über die bisherige Saison aus.
"Es zieht sich so ein bisschen durch, dass wir immer wieder in Rückstand geraten. Das ist nicht gut", sagte Bornschein. Gegen Rot-Weiß Erfurt erlebte Lok das andere Extrem. Eine 3:1-Führung reichte nicht, am Ende stand eine 3:4-Niederlage. Der Mannschaft gelingt es weder zuverlässig, frühe Rückschläge zu vermeiden, noch einen erarbeiteten Vorsprung zu schützen.
Klare Chancen fehlen trotz Dominanz
Doch nicht immer bringen lange Druckphasen des Gegners Lok in Schwierigkeiten. Chemie benötigte für seine beiden Treffer keine langen Druckphasen. Das 0:1 fiel nach einer Ecke, das 0:2 durch einen Distanzschuss. Ziegner war nach Abpfiff zwar mit der Restverteidigung und dem Gegenpressing zufrieden. Bei beiden Gegentoren bekam Lok die entscheidenden Situationen dennoch nicht geklärt.
Auch mit Ball fehlt die Konsequenz. Im Derby lief die Ballzirkulation zunächst zu langsam, sodass sich Chemies Defensive immer wieder ordnen konnte. Lok kam häufig über die Flügel bis zur Grundlinie, besetzte den Strafraum anschließend aber nicht konsequent genug. "Wir haben viel Ballbesitz, aber haben nicht so richtig die Lösung gefunden", sagte Bornschein. Lok kann Spiele bestimmen, erspielt sich aus dieser Kontrolle aber zu selten klare Chancen.
Ziegner lobte den Charakter und die "geile Mentalität" seines Teams, fasste die bisherige Saison aber treffend zusammen: "Wir kriegen viel zu wenig dafür, was wir aufwenden."
Auch Sport-Geschäftsführer Toni Wachsmuth hatte bereits vor dem Derby vom Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag gesprochen. Das 2:2 hat daran nichts geändert. Lok zeigt oft, was in dieser Mannschaft steckt. Häufig allerdings erst, wenn ein Spiel schon in die falsche Richtung läuft.
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