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Thursday, October 29, 2026

Geishas in Japan: Was hinter der Schminke und dem Seidenkimono steckt

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Japanische Kultur

Geishas in Japan: Was hinter der Schminke und dem Seidenkimono steckt

Weisses Gesicht, rote Lippen und kunstvolle Kimonos: Geishas gehören zu den bekanntesten Symbolen Japans. Doch hinter ihrem eleganten Erscheinungsbild steckt eine anspruchsvolle Ausbildung, die jahrelange Disziplin und grosses künstlerisches Können verlangt.

Publiziert: vor 25 Minuten

Wer in Japan einer Geisha begegnet, sieht oft eine Frau mit weisser Schminke, roten Lippen und einem aufwendig gebundenen Kimono. Besonders in Kyoto gehören diese Künstlerinnen bis heute zum kulturellen Erbe der Stadt. Für viele Touristen sind sie ein faszinierendes Fotomotiv. Doch ihr Beruf ist weit mehr als eine traditionelle Kostümierung.

Geishas sind ausgebildete Künstlerinnen, die mit Tanz, Musik, Gesang und gepflegter Konversation Gäste unterhalten. Ihre Arbeit erfordert jahrelanges Training, ein ausgeprägtes Gespür für Menschen und die Fähigkeit, einen Abend stilvoll und unaufdringlich zu gestalten.

Die ersten Geishas waren Männer

Was viele nicht wissen: Die frühen Vertreter des Berufs waren Männer. Während der Edo-Zeit unterhielten sogenannte Taikomochi oder Hokan ihre Gäste mit Geschichten, Witzen, Musik und anderen Darbietungen. Der Begriff Geisha bedeutet sinngemäss «Person der Künste».

Im 18. Jahrhundert traten zunehmend Frauen in diesem Beruf auf. Sie sangen, spielten das traditionelle Saiteninstrument Shamisen und führten Tänze auf. Ihre Beliebtheit nahm rasch zu. Gegen Ende des Jahrhunderts waren es fast ausschliesslich Frauen, die das Bild der Geisha prägten, das bis heute bekannt ist.

Geishas waren somit nicht einfach dekorative Begleiterinnen für festliche Abende. Ihre künstlerischen Fähigkeiten und ihre Unterhaltungskunst waren der eigentliche Grund, weshalb sie zu exklusiven Gesellschaften eingeladen wurden.

Was macht eine Geisha eigentlich?

Eine Geisha ist Künstlerin und Gastgeberin zugleich. Sie beherrscht traditionelle Tänze, Musik und Gesang, kennt gesellschaftliche Umgangsformen und versteht es, Gespräche in Gang zu halten. Auch traditionelle Gesellschaftsspiele gehören zu ihrem Repertoire.

Besonders wichtig ist dabei die Gesprächskunst. Eine Geisha sollte die Stimmung ihrer Gäste erkennen, mit Humor reagieren können und aufmerksam sein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sie muss sich in unterschiedlichen Gesprächsrunden zurechtfinden und dafür sorgen, dass sich die Gäste wohlfühlen.

Ein Tanz oder ein Musikstück mag der Höhepunkt eines Abends sein. Die eigentliche Meisterschaft zeigt sich jedoch oft darin, dass die Unterhaltung mühelos wirkt, obwohl dahinter viel Erfahrung und Übung stecken.

Maiko und Geiko: Der Weg zur professionellen Künstlerin

In Kyoto, dem bekanntesten Zentrum der Geisha-Tradition, werden ausgebildete Künstlerinnen als Geiko bezeichnet. Ihre jüngeren Schülerinnen heissen Maiko. Gerade die Maiko mit ihrer auffälligen Schminke, den langen Kimonoärmeln und den aufwendigen Haarornamenten entsprechen häufig dem Bild, das viele Menschen mit Geishas verbinden.

Der Weg dorthin beginnt mit einer intensiven Vorbereitungszeit. Während dieser Phase, die als Shikomi bezeichnet wird, lebt die angehende Künstlerin in einer sogenannten Okiya, einem Haus, das mit der Geisha-Tradition verbunden ist. Dort lernt sie die Regeln des Zusammenlebens, hilft im Alltag mit und besucht gleichzeitig Unterricht.

Auf dem Stundenplan stehen unter anderem traditioneller Tanz, Musik und weitere Künste. Dazu kommen das richtige Gehen in der aufwendigen Kleidung, die Körperhaltung, die Sprache und der Umgang mit Gästen. Auch das richtige Timing will gelernt sein: Wann ist es angebracht, etwas zu sagen, wann passt ein Lächeln und wann sollte man sich zurücknehmen?

Erst wenn die Schülerin genügend Erfahrung und Können gesammelt hat, kann sie als Maiko öffentlich auftreten. Nach Jahren der Ausbildung wird sie schliesslich zur Geiko und arbeitet als selbstständige professionelle Künstlerin.

Was die Schminke und der Kimono verraten

Die weisse Gesichtsschminke, die roten Lippen, die kunstvollen Frisuren und die reich verzierten Kimonos sind keine zufälligen Schönheitsdetails. Sie können Hinweise darauf geben, in welcher Ausbildungsphase sich eine Künstlerin befindet.

Bei jungen Maiko sind die Lippen beispielsweise zu Beginn der Ausbildung oft nur teilweise rot geschminkt. Ihre Frisuren werden traditionell aus dem eigenen Haar gestaltet und mit saisonalen Ornamenten verziert. Geiko tragen dagegen häufig Perücken und wirken insgesamt zurückhaltender.

Auch die Haarornamente folgen der Jahreszeit. Blüten und andere Motive greifen die Natur auf und machen die Frisur zu einem Teil der traditionellen Ästhetik Kyotos. Der Kimono, die Schminke und die Accessoires sind damit nicht nur Schmuck, sondern Ausdruck einer Kultur mit eigenen Regeln und Symbolen.

Eine Tradition, die bis heute weiterlebt

Von den frühen männlichen Unterhaltungskünstlern bis zu den heutigen Geiko und Maiko hat sich der Beruf über Jahrhunderte entwickelt. Seine Grundlage ist jedoch geblieben: Kunst, Disziplin und die Fähigkeit, Menschen mit Musik, Tanz und Gesprächen zu begeistern.

Eine Begegnung mit einer Geisha ist deshalb mehr als ein Blick in eine vergangene Epoche. Sie zeigt eine Tradition, die in Japan bis heute gepflegt wird und deren Eleganz auf jahrelanger Arbeit beruht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

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