Panzer-Deals: So reagiert der Bundesrat auf den Ruag-Skandal

Medienkonferenz
Panzer-Deals: So reagiert der Bundesrat auf den Ruag-SkandalEin Ruag-Manager soll mit illegalen Panzer-Deals einen hohen zweistelligen Millionenschaden verursacht haben. An der Medienkonferenz verurteilt Bundesrat Martin Pfister die Verfehlungen und spricht über das weitere Vorgehen – jetzt live.
Darum gehts
- Ein Ruag-Chef soll über Jahre illegal mit Ersatzteilen für Panzer gehandelt und diese unter Marktwert an einen deutschen Partner verkauft haben.
- Die Untersuchung der Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey ist inzwischen abgeschlossen und hat schwerwiegende Verfehlungen und Hinweise auf strafbare Handlungen bei der Ruag ans Licht gebracht.
- An einer Medienkonferenz verurteilte Bundesrat und VBS-Chef Martin Pfister die Verfehlungen und spricht über das weitere Vorgehen.
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30.10.2026
Fr 14:04
Ruag verklagt nach Millionenschaden zehn Personen
Die Ruag hat separat über den Abschluss der Untersuchung kommunziert. Sie klagt gegen zehn Personen auf rund 51 Millionen Euro Schadenersatz. Dies wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Geheimnisverrats.
30.10.2026
Fr 14:03
Bundesrat Martin Pfister begrüsst zur Medienkonferenz und nimmt zuerst Stellung zu den jüngsten Entwicklungen bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite. Die Schweiz wird 2027 erste Komponente der Patriot-Systems erhalten.
30.10.2026
Fr 13:58
«Volle Transparenz»: So reagiert der Bund auf den Ruag-Skandal
Ein ehemaliger Ruag-Chef soll den Bund mit illegalen Panzerdeals um Millionen von Franken betrogen haben. Die wesentlichen Punkte der Affäre machte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) bereits im Februar 2025 publik. Dabei stützte sie sich auf die Erkenntnisse der damals noch laufenden Untersuchung der Kanzlei Niederer Kraft Frey. Der Ruag-Verwaltungsrat hat die «umfassende forensische Untersuchung» im August 2023 in Auftrag gegeben.
Inzwischen hat die Kanzlei ihre Untersuchung abgeschlossen und dabei «schwerwiegende Verfehlungen» sowie «Hinweise auf strafbare Handlungen bei der Ruag» ans Licht gebracht. Am Freitag hat Bundesrat und Verteidigungsminister Martin Pfister zur Medienkonferenz geladen, wo er sich zu den Ergebnissen sowie zum weiteren Vorgehen äussert. Die Ruag werde die Ergebnisse der Untersuchung separat kommunizieren, heisst es in der Einladung.
Bundesrat Pfister verurteilt die Verfehlungen «aufs Schärfste»: «Die Vorkommnisse sind nicht akzeptabel und schaden dem Vertrauen der Öffentlichkeit in das Unternehmen, das eine wichtige Rolle für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Schweiz spielt.» Um «volle Transparenz» zu schaffen, offene Aspekte und die Verantwortlichkeiten zu klären, hat der VBS-Chef erste Massnahmen eingeleitet:
Arbeitsgruppe prüft weitere Massnahmen
Eine Arbeitsgruppe soll die Ergebnisse der Untersuchung auswerten. Im Fokus stehen dabei die Verantwortlichkeiten der Ruag-Organe sowie die Rolle des Eigners (die Ruag befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes).
Weiter soll die Gruppe prüfen, ob die von der Ruag selbst eingeleiteten Massnahmen genügen oder ob es weitere Massnahmen braucht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit ihrem Hauptkunden: der Schweizer Armee.
Die Ergebnisse dieser Abklärungen will das VBS dem Bundesrat in zwei bis drei Monaten vorlegen.
Parlament verschiebt Diskussion über Ruag-Gesetz
Der Skandal könnte Folgen für die künftige Organisation der Ruag haben. Auf Antrag des VBS hat die sicherheitspolitische Kommission des Ständerats beschlossen, die Totalrevision über das Bundesgesetz über die Rüstungsunternehmen frühestens Anfang 2027 zu beraten.
VBS liess zweifelhafte Ersatzteile sperren
Der ehemalige Kadermann soll wertvolle Ersatzteile unter Wert weiterverkauft haben, minderwertige Komponenten blieben bei der Ruag. Die Untersuchung zeigte nun, dass das Risiko besteht, dass Teile von nicht zugelassenen Herstellern in den Lagern und Werkstätten oder Leopard-2-Panzern der Ruag landeten. Das VBS liess darum alle fraglichen Teile sperren und ergriff Massnahmen um die Einsatzfähigkeit der Leopard-2-Panzer sicherzustellen.
Laufende Untersuchung zu Armeelagern
Zwei weitere EFK-Berichte zeigten, wie eine mangelhafte Führung und schlechte Lagerverwaltung die mutmasslichen Straftaten erleichterten. Das Problem: Häufige CEO-Wechsel und ein fehlendes Vertrauensverhältnis zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung: «Regeln wurden nicht beachtet und von der Führung nicht durchgesetzt.»
Die Untersuchung bestätigt den Verdacht, wonach die Ruag unbewilligt Ersatzteile für Raupenfahrzeuge aus Lagern, die der Armee gehören, aber von der Rüstungsfirma verwaltet werden, für ihr eigenes Geschäft mit Dritten verwendet und damit das Vermögen der Armee geschädigt hat.
Die Ruag nahm demnach fast 2500 Korrekturen (davon 1140 angebliche Verschrottungen) am Inventar vor – ohne Bewilligung der Armee, der sie zumindest zum damaligen Zeitpunkt noch keine Einsicht in ihr Lagersystem gewährte. Das VBS habe die verwaltungsinternen Verantwortlichkeiten abklären lassen, sagt Pfister heute. Diese Untersuchungen seien weit fortgeschritten. Das VBS werde nach Vorliegen der Resultate informieren.
Hängige Strafverfahren
In der Schweiz und in Deutschland laufen Strafverfahren gegen ehemalige Ruag-Mitarbeitende. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vor einem Schweizer Gericht ist eine Zivilklage der RUAG auf Schadenersatz hängig.
Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.
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