Papiere aus dem Geheimdienst angekauft: Ex-BND Chef Hanning unter Spionageverdacht festgenommen

Ex-BND-Chef August Hanning soll jahrelang interne Geheimdienstpapiere gekauft haben. Zudem soll er Kontakt zu einem ausländischen Nachrichtendienst gehabt haben.
Foto: Michael Kappeler/dpa
Der Vorgang dürfte den Bundesnachrichtendienst (BND) erschüttern. Am Dienstag nahm die Polizei den früheren BND-Präsidenten August Hanning in seinem Haus bei Münster in Nordrhein-Westfalen fest. Der Vorwurf: versuchter Landesverrat, Ausspähen von Staatsgeheimnissen und geheimdienstliche Agententätigkeit. Der 80-Jährige soll seit 16 Jahren gegen Bezahlung interne BND-Informationen gekauft und für seine private Beraterfirma genutzt haben. Zudem soll er auch mit einem ausländischen Geheimdienst in Kontakt gestanden haben.
Die Bundesanwaltschaft bestätigte die Festnahme. Hanning soll spätestens seit 2010 interne Informationen aus dem BND erhalten haben. Dabei war er Ende 2005 nach sieben Jahren als Präsident aus dem Dienst ausgeschieden. Anschließend arbeitete er vier Jahre als Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bevor er als Berater für Sicherheitsthemen tätig wurde.
In letzterer Funktion soll Hanning die Informationen aus dem BND angekauft haben – von seinem früheren Büroleiter im Geheimdienst, Manfred D. Auch der Bayer wurde am Dienstag festgenommen, in seinem Haus im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Er hatte Hanning als Assistent begleitet, als dieser von 2005 bis 2009 als Staatssekretär im Bundesinnenministerium arbeitete. Ab 2012 ging D. zurück zum BND und arbeitete dort für verschiedene Präsidenten als Büroleiter – und hatte so Zugriff auf diverse interne Informationen.
Fast 2.000 interne BND-Dokumente, vorgesehen für die Hausleitung oder die nachrichtendienstliche Lagebesprechung im Bundeskanzleramt, soll Manfred D. dann Hanning jahrelang weitergeleitet haben. Die Weitergabe endete offenbar erst Mitte 2022. Hanning soll die Informationen laut Bundesanwaltschaft „gewinnbringend“ weiterverwertet haben.
Kontakte zu ausländischen Nachrichtendiensten
In einem Fall soll Hanning zudem eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparat erstellt haben. Zudem habe er laut Bundesanwaltschaft „in einem intensiven Austausch“ mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendiensts gestanden. Dieser sei „über mehrere Jahre hinweg“ mit politischen Informationen versorgt worden, teils auch mit dem Material von Manfred D. Welcher Dienst das ist, ließ die Bundesanwaltschaft auch auf Nachfrage offen. Nach taz-Informationen handelt es sich um einen als Deutschland-feindlich eingestuften Dienst, nicht aber um Russland.
Der Verdacht gegen Hanning entstand nach einer Hausdurchsuchung im Rahmen der Ermittlungen gegen die Steak-House-Erbin Christina Block. Ihr wird vorgeworfen, ihre zwei jüngsten Kinder wegen eines Sorgerechtsstreits entführen lassen zu haben. Hanning und ein pensionierter LKA-Beamter aus Hamburg sollen als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma einen entsprechenden Auftrag von Block angenommen haben. Bei der Durchsuchung im September 2025 fanden Ermittler in Hannings Haus BND-Dokumente. Im Mai 2026 übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall.
Bereits Ende 2022 hatte ein anderer Spionagefall den BND erschüttert. Der frühere Referatsleiter Carsten L. wurde festgenommen, weil er interne Dokumente an den russischen Geheimdienst FSB weitergegeben haben soll – mitten im Ukrainekrieg. Gegen ihn und einen Mitangeklagten läuft derzeit ein Prozess vor dem Berliner Kammergericht.
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