Commonwealth-Gipfel in Antigua: Das mit der Sklaverei tut uns schon irgendwie leid

Großbritannien lehnt Forderungen der Karibikstaaten nach Reparationen für den Sklavenhandel ab. Das Thema dominiert den Commonwealth-Gipfel in Antigua.
Foto: Isabel Infantes/Pool/reuters
Als monströs und erschütternd bezeichnete der britische König Charles III. am Dienstag bei der Eröffnung des Treffens der 56 Commonwealth-Staaten in Antigua am Dienstag die Versklavung afrikanischer Menschen während des transatlantischen Sklavenhandels. Das Wort „Sorry“ fiel dabei aber nicht. Seit Wochen hatten Vertreter:innen von Karibikstaaten keine Zweifel daran gelassen, was sie vom Oberhaupt der Nachfolgeorganisation des britischen Empire auf dem Gipfeltreffen erwarten: eine Entschuldigung und Reparationen vom Vereinigten Königreich. Der einstige niederländische Premierministers Mark Rutte, der sich 2022 für die Niederlande entschuldigt hatte, dient hier als Vorreiter.
Nachdem König Charles III. und Königin Camilla vor dem Gipfeltreffen zahlreiche Karibikstaaten bereist hatten, durfte es nicht überraschen, dass Labour-Premierminister Andy Burnham drei Tage vor Beginn per Zeitungsbeitrag im Guardian seine Gesprächs- und Zuhörbereitschaft erklärte. Man müsse der Geschichte gemeinsam ins Auge schauen, schrieb er – aber Reparationen stünden nicht zur Debatte. „Ich glaube nicht, dass die Briten heute für historische Übel, wie schrecklich sie auch waren, die in einem anderen Zeitalter unter anderen Gesetzen stattfanden und an denen sie persönlich nicht beteiligt waren, haftbar gemacht werden können“, schrieb der Premier. Das britische Empire habe außerdem auch bei der Abschaffung des Sklavenhandels eine führende Rolle gespielt.
Das erhöhte den Druck auf Charles III., der den Commonwealth-Gipfel zu eröffnen hatte. Während seiner 15-minütigen Ansprache sagte der König dann – er ist als konstitutioneller Monarch nur befugt, die jeweilige Regierungsposition wiederzugeben –, dass er bezüglich dieses schändlichen Kapitels der Geschichte persönlich zutiefst bestürzt sei. „Mein Herz ist voller Horror und meine Seele zutiefst erschüttert“, sagte er. In langen Sätzen gab er dann zu verstehen, dass heutige britische Generationen keine Verantwortung für Verbrechen ihrer Vorfahren tragen könnten. „Wir können die Taten derer, die vor uns lebten, nicht ändern. Wir können aber aus der Vergangenheit lernen.“
Danach pries er sofort die Rolle der britischen Marine, den Sklavenhandel zu unterbinden, nachdem sie vorher jahrhundertelang mitverantwortlich für den Schutz der Menschentransporte war. Man könne nicht den Wind beherrschen, aber die Segel richtig setzen. Dem folgten Aufforderungen zur Gemeinsamkeit im Commonwealth: Bildung, Arbeitsplätze und Chancen, Handel und Klimapolitik.
Weiter, aber nicht weit genug
War dies nun eine Entschuldigung, eine Huldigung der Abschaffung der Versklavung, ein Angebot der Zusammenarbeit in Partnerschaft? Die Worte gingen weiter, als bisherige Vertreter Großbritanniens gegangen waren, und blieben dennoch unterhalb dessen, was die Partner erwartet hatten. Gaston Browne, Premierminister des Gastgebers Antigua, gab bei der Gipfeleröffnung zu verstehen, dass die Folgen der Versklavung nicht einfach mit der Zeit verschwunden seien. Es gehe um ehrliche Gespräche über die geteilte Geschichte und durchaus auch um Reparationsforderungen. Die Vorsitzende der Reparationskommission von Antigua und Barbuda, Dorbrene O’Marde, nannte die Worte des Königs unzureichend.
Der britische Premierminister Andy Burnham, der auch in Antigua ist, betonte dort ebenfalls noch einmal, dass Reparationen nicht zur Debatte stünden. Es sei aber richtig, eine formelle Entschuldigung zu diskutieren. Außenminister Ed Miliband erklärte der BBC, dass vorherige britische Regierungen versucht hätten, das Thema unter den Teppich zu kehren. Die neue Politik sei nun aber offen für eine Entschuldigung, und dies würde britische Steuerzahler:innen keinen Penny kosten.
Für den Vorsitzenden der Gemeinschaft karibischer Staaten (Caricom), St. Lucias Präsidenten Philip J. Pierre, war die Forderung nach Gerechtigkeit aber noch nie eine Frage der Schuld einzelner, sondern von Staaten und Institutionen. „Der britische Staat hat die Sklaverei nicht nur toleriert, sondern hat sie legislativ geschützt und von ihr profitiert und bei der Abschaffung die Versklaver für den Verlust ihres Besitzes kompensiert, während die einst Versklavten trotz Forderungen weder Land noch Vermögenswerte noch Entschädigung erhielten.“
In einem Zehnpunkteplan fordert Caricom neben einer Entschuldigung Entwicklungsprogramme für indigene Menschen in der Karibik, Technologie- und Unternehmensprogramme, Repatriierungs- und Umsiedlungsprogramme, Hilfe für den Aufbau von Kultur- und Erinnerungungsprojekten, Programme für psychische Gesundheit und Ausbildung, Schuldentilgung und finanzielle Kompensation und eine vollständige Entkolonialisierung.
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