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Monday, October 12, 2026

Die drei Probleme von Manuela Schwesig

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Der Rücktritt von Bärbel Bas trifft die SPD unvorbereitet. Zwar war in weiten Teilen der Partei schon seit Monaten deutlich Gegrummel über die Leistung des Duos an ihrer Spitze zu vernehmen - meist im Zentrum solcher Kritik war dann doch Co-Parteichef Lars Klingbeil.

Der steht nun vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Die womöglich geringste davon hat Klingbeil schon am Morgen schnell erledigt: Alexander Schweitzer soll neuer Arbeits- und Sozialminister werden, das Präsidium der SPD hat schnell und einstimmig zugestimmt, der Kanzler ist informiert.

Dass Bärbel Bas im Statement zu ihrem Rückzug auch die Union scharf kritisiert, dürfte in der Koalition weiter für Unmut sorgen, analysiert ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann.

12.10.2026 | 3:45 min

Klingbeils Flucht nach vorn

Ins Kabinett zieht damit zwar einer ein, der gerade erst in Rheinland-Pfalz die Landtagswahl verloren hat. Aber eben auch einer, dem die SPD viel zutraut und der dort als ehemaliger Arbeitsminister und später Ministerpräsident viel Regierungserfahrung gesammelt hat. In Anbetracht der Lage der Berliner Koalition sicher kein Nachteil.

Schon schwieriger wird es mit der Neuordnung der Parteispitze. Die Genossen haben da nun viel zu sortieren. Für Klingbeil geht es dabei um mehr als das Parteiamt. Selbst wenn er ohne dieses Vizekanzler bliebe, dürfte er im Kabinett erheblich an Durchsetzungsvermögen verlieren.

Bei aller persönlicher Betroffenheit über Bas’ Rückzug versucht Klingbeil deswegen mit der Neuwahl des gesamten Vorstands eine Flucht nach vorn. Für ihn bedeutet das eine politische Gratwanderung.

Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat ihren Rücktritt angekündigt. Statement von SPD-Chef Klingbeil live mit Analyse - ZDFheute live.

12.10.2026 | 40:06 min

Dieses Profil braucht eine SPD-Chefin

Das Festhalten an der einst von ihm als Generalsekretär eingeführten Doppelspitze verringert, einerseits, das Risiko des Verdachts, er wolle womöglich alle Macht in der Partei auf sich vereinen. Andererseits dürfte sein Verbleiben an der Spitze in hohem Maß davon abhängen, wen er versucht, an seine Seite zu holen.

Das Profil dafür scheint klar: Zwingend weiblich, regierungserfahren (im besten Fall Bundesebene), vorzugsweise verwurzelt im Osten.

Manuela Schwesig also, viel mehr Kandidatinnen fallen einem nicht ein, die all das auf sich vereinen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern hat die Landtagswahl dort zwar nur gefühlt gewonnen, aber immerhin eindrucksvoll gezeigt, wie ein extrem engagierter Wahlkampf eine furiose Aufholjagd ermöglicht.

Bärbel Bas tritt von ihrem Posten als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Alexander Schweitzer soll ihr ins Ministeramt folgen.

12.10.2026 | 4:04 min

Schwesigs erstes Problem

Beides hat die SPD nötiger denn je. Den erforderlichen Ehrgeiz bringt Schwesig ohne jeden Zweifel mit, nicht umsonst dürfte sie den Rückzug von Bas sofort zu einer Attacke auf die Union ("unmenschlich") genutzt haben.

Problem Nummer eins: In ebendiesem Wahlkampf hat sie versprochen, ihre Zukunft im Land zu sehen, nicht in Berlin. Um nicht sofort wortbrüchig zu werden, bräuchte sie also zumindest Zeit.

Zeit, um eine Koalition in Schwerin zu schmieden. Zeit, um die künftige Regierung in Gang zu bringen. Und Zeit, um das Versprechen wenn nicht verblassen zu lassen, durch ein größeres zu ersetzen: Unsere Frau in Berlin, so in der Art.

Der Rücktritt von SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bas könne für die SPD und die Koalition ein positiver Neuanfang sein, erklärt Publizist Albrecht von Lucke bei ZDFheute live.

12.10.2026 | 15:49 min

Schwesigs Probleme zwei und drei

Problem Nummer zwei: Die Geschichte der SPD ist einigermaßen reich an Landesfürsten, die die Partei aus der Provinz heraus nicht hinter sich vereinen konnten. Warum also sollte Schwesig dieses Experiment leichtfertig wiederholen?

Problem Nummer drei: Keine künftige Parteichefin kann derzeit sicher sein, mit wem sie es am Ende als Co-Chef zu tun bekommt. Alexander Schweitzer, der jetzt nach Berlin kommt, wird dafür gerne gehandelt.

Einst haben CDU und SPD bei Wahlen jeweils 30-40 Prozent erreicht. Doch die Zeiten sind vorbei. Während die ehemaligen Volksparteien immer weniger Zustimmung bekommen, erstarken die Ränder.

04.10.2026 | 3:59 min

Und welche Rolle spielt Heil?

Für die weitere politische Zukunft Klingbeils wäre das jedenfalls kein gutes Vorzeichen. Auch nicht, wenn der notorisch in ausgeprägtem Karriereverdacht stehende Hubertus Heil sich ins Spiel bringen ließe: Extrem erfahren, Ex-Generalsekretär, Ex-Minister, noch immer super vernetzt und mit dem ebenfalls aus Niedersachsen stammenden Klingbeil in innigster gegenseitiger Abneigung vereint.

Einer in Berlin, eine dann nicht? Ein Parteitag im Winter soll die neue Doppel-Spitze wählen, je später der Termin, desto günstiger vermutlich für Schwesig. Doch bis dahin dürften in der SPD kräftig Strippen gezogen und wohl auch Fallen gestellt werden - längst nicht nur von den Genannten.

Klaus Brodbeck ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 12.10.2026 um 11:45 Uhr.

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