Was die Wahlen für Merz und Schwesig bedeuten
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt steht Kanzler Merz unter Druck: In Berlin liefern sich Linke und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in Mecklenburg-Vorpommern die AfD mit der SPD.
11.09.2026 | 38:20 minNur wenige Tage nach dem Erfolg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt kommt der nächste Umfrageschock für Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Bundesregierung: In Berlin liefern sich CDU und Linke ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in Mecklenburg-Vorpommern die SPD mit der AfD. Bei ZDFheute live ordnete Politikwissenschaftler Professor Wolfgang Muno von der Universität Rostock ein, was aus den beiden Wahlen am 20. September für die Bundespolitik folgen könnte:
In Mecklenburg-Vorpommern sieht es düster für Merz' CDU aus - laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer Extra halbiert sich die Partei in den Umfragen nahezu. Wenn schon nächsten Sonntag gewählt würde, fiele die CDU von 13,3 Prozent - ihr Wahlergebnis 2021 - auf sieben Prozent ab. Eine deutliche Wahlniederlage sei "in Sichtweite", sagt Muno. Möglicherweise schaffe es die CDU nicht einmal in den Schweriner Landtag.
Berlin-Wahl könnte Merz weiter schwächen
In Berlin drohen der regierenden CDU laut Projektion des ZDF-Politbarometers ebenfalls Verluste. Sie kommt in der Umfrage auf 21 Prozent - das ist Platz zwei hinter der Linken (23 Prozent) und vier Prozentpunkte vor der AfD (17 Prozent).















Und wenn dann noch Berlin verloren geht, wo die CDU bisher regiert hat, dann ist Friedrich Merz wie ein Boxer, der dann drei deutliche Treffer hinnehmen musste. Und dann fragt man sich, ob er K.o. geht oder nicht.
Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler Uni Rostock
Die beiden Wahlen am 20. September könnten also über Merz' Zukunft als Bundeskanzler entscheiden. Es rumore bereits an der CDU-Basis, sagte Muno. Wenn beide Wahlen deutlich verloren gehen, werde die Frage aufkommen, ob Merz der richtige Kanzler sei. Muno sagte aber auch: "Sein Stuhl wackelt, er ist noch nicht gefallen."
Bei der Wahl in Berlin liegen gleich vier Parteien nah beieinander. Die Parteibindungen lassen in ganz Deutschland nach, wodurch eindeutige Mehrheiten immer schwieriger werden, sagt Wolfgang Muno.
11.09.2026 | 8:36 minEinen klaren potenziellen Nachfolger sieht der Politikwissenschaftler nicht. In Betracht kämen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst oder der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther. "Und nicht zuletzt ist ja immer wieder Markus Söder von der CSU im Gespräch." Noch aber hat Merz das Vertrauen vieler in der Union.
Die Berlinerinnen und Berliner wählen am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus. ZDF-Reporterin Stephanie Gargosch blickt auf den Wahlkampf der Regierungsparteien.
10.09.2026 | 2:29 minMecklenburg-Vorpommern: AfD in Umfrage vor SPD
Auch die SPD muss bei den Wahlen in zehn Tagen zittern. In Berlin zeigt die Projektion des Politbarometers Extra herbe Umfrageverluste: Würde nächsten Sonntag gewählt, würde sie von 18,4 Prozent (Wahlergebnis 2023) auf zehn Prozent abrutschen. Immerhin: In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein enges Rennen zwischen SPD und AfD ab - die Sozialdemokraten und die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig können dort noch auf einen Wahlsieg hoffen.
Würde nächsten Sonntag in Schwerin ein neuer Landtag gewählt, käme die SPD auf 34 Prozent (2021: 39,6 Prozent). Damit läge sie hinter der AfD mit 37 Prozent (2021: 16,7 Prozent).














Politologe: Schwesig-Kampagne gegen AfD birgt Gefahren
Schwesig hatte bisher vor allem mit ihrem Amtsinhaberinnenbonus und ihrer Beliebtheit gepunktet, sagte Muno. Nun grenzt sie sich noch einmal deutlich stärker zur AfD ab - mit ihrer Kampagne "Die Frau gegen Blau". Ihr Herausforderer und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm konterte in einem Video auf der Plattform X: "Wir brauchen den Mann, der es kann". Politikwissenschaftler Muno hält die SPD-Wahlkampftaktik für "keine gute Wendung".
Ich finde diese Kampagne nicht sehr gut, das nennt man 'Negative Campaigning' und da gibt es in der Forschung einhellig die Meinung, dass die Gefahr eines Backlashs eigentlich viel größer ist als das, was man damit erreicht.
Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler Uni Rostock
Muno: SPD-Sieg könnte Schwesig zur Kanzlerkandidatin machen
Sollte es Schwesig gelingen, ihr Amt zu verteidigen, dürfte sie auch für wichtige Posten in Berlin infrage kommen. "Wenn Manuela Schwesig gewinnt, das sage ich jetzt mal klar voraus, dann denke ich, wird sie die nächste Kanzlerkandidatin der SPD werden", sagte Muno.
Der Amtsbonus von Ministerpräsidentin Schwesig helfe der SPD, sagt Politologe Wolfgang Muno bei ZDFheute live. Die Wahlkampfstrategie mit Negativ-Campaigning berge aber Gefahren.
11.09.2026 | 8:23 minEgal, wie die Wahlen ausgehen: Union und SPD werden laut Muno viel daran setzen, die Bundesregierung zusammenzuhalten. Denn ein Zerbrechen der Koalition würde wohl Neuwahlen herbeiführen - und die dürften vor allem der AfD nützen. "Die würde sich ins Fäustchen lachen und an Stimmen zugewinnen", so Muno.
Der Druck auf das Spitzenpersonal aus SPD und CDU werde sich nach den Wahlen in jedem Fall noch einmal deutlich erhöhen.
Quelle: ZDF
Über die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin berichtete unter anderem ZDFheute live am 11.09.2026 ab 12:30 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.