Mysteriöse Legionellen-Welle: «Hoffe, dass Quelle gefunden wird»

- In Wetzikon ZH häufen sich Legionellose-Fälle: Seit Anfang 2025 wurden 33 Infektionen registriert.
- Eine Person mittleren Alters mit Vorerkrankungen ist an den Folgen verstorben.
- Die Infektionsquelle bleibt unklar; eine interdisziplinäre Taskforce des Kantons Zürich sucht nach dem Bakterienherd.
Die 33 Legionellose-Fälle in Wetzikon ZH stellen die Behörden vor ein Rätsel: Seit Monaten versuchen sie, den Infektionsherd oder mögliche Infektionsquellen zu lokalisieren. Doch das Vorhaben gestaltet sich schwieriger als gedacht: Alle Fälle traten gemäss dem Amt für Gesundheit des Kantons Zürich zeitlich und räumlich verteilt auf.
Eine Mehrheit der erkrankten Personen musste im Spital behandelt werden. Eine Person – laut dem Kanton «mittleren Alters» – ist letzte Woche verstorben. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Während die rätselhafte Ansteckungswelle bei einigen Anwohnerinnen und Anwohnern Sorgen auslöst, haben zahlreiche Befragte von der grassierenden Legionellose-Welle noch nicht einmal gehört.
«Gibt mir ein mulmiges Gefühl»
Genau das kritisiert Dorothe (63). Sie fühlt sich von der Stadtverwaltung im Stich gelassen: «Dass bezüglich der Legionellose-Fälle in unserer Stadt so wenig und erst so spät kommuniziert wurde, finde ich äusserst schlecht. Als Wetzikerin gibt mir das ein mulmiges Gefühl.»
Zu Hause habe sie als Sicherheitsmassnahme ihre Boiler kontrollieren lassen. Auch lasse sie das Leitungswasser beim Öffnen des Wasserhahns immer erst einige Sekunden lang laufen: «Ob das wirklich etwas bringt, bezweifle ich allerdings.»
Legionellen: Vorsichtsmassnahmen
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. Unter günstigen Bedingungen können sie sich in Warmwassersystemen und anderen wasserführenden Anlagen vermehren. Eine Ansteckung erfolgt durch das Einatmen feinster legionellenhaltiger Wassertröpfchen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder durch das Trinken von Wasser findet nicht statt.
Legionellen lassen sich in Wasserinstallationen nicht vollständig vermeiden. «Werden die empfohlenen Massnahmen beachtet, lässt sich das Risiko ihrer Vermehrung und einer Infektion jedoch wirksam reduzieren», schreibt die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich:
Einhaltung der empfohlenen Warm- und Kaltwassertemperaturen, Stagnation vermeiden (Wasser nicht länger als 72 Stunden stehen lassen), Wasserleitungen nach längeren Benutzungspausen gründlich spülen.
«Weiss nicht, wie wir duschen sollen»
Grund zur Sorge hat auch die 39-jährige Sabina. Die Frau aus Wetzikon leidet unter Asthma, wie sie erzählt. Unter anderem aus diesem Grund verzichten sie und ihr Ehemann aktuell auf das Trinken von Leitungswasser: «Aufgrund meines Asthmas könnte eine Erkrankung für mich sehr gefährlich werden.» Deshalb setzen sie und ihr Mann auf gekauftes Mineralwasser und darauf, Leitungswasser vor Gebrauch abzukochen (Anm. d. Red.: Eine Ansteckung erfolgt in der Regel durch das Einatmen feinster legionellenhaltiger Wassertröpfchen, nicht durch das Trinken von Wasser (siehe Box oben).)
Was ihr allerdings mehr Sorgen bereitet, sei die Ungewissheit: «Ich hoffe, dass geprüft und herausgefunden wird, welche Haushalte betroffen sind. Sollte klar werden, dass unsere Wasserleitungen befallen sind, weiss ich nicht, wie wir beispielsweise duschen sollten.»
Zuerst habe sie auch Angst um ihre beiden Hunde Mandy und Caramelo gehabt: «Sie lieben das Wasser. Ich fürchtete, dass die Krankheit auch für Tiere gefährlich sein könnte.» Allerdings habe ihr Mann, der über eine Ausbildung zum Apotheker verfüge, ihr diese Sorgen nehmen können.
«Bereitet mir keine Sorge»
Weniger besorgt zeigt sich Barin, der den Imbiss «M Döner» im Zentrum von Wetzikon führt. Der Geschäftsführer, der selbst auch in Wetzikon wohnt, sagt ganz klar: «Angst oder Sorgen bereitet mir das nicht.»
Auch unter seiner Kundschaft sei die Nachricht bis anhin kein Gesprächsthema gewesen. Barins Sohn, der ebenfalls im Imbiss arbeitet, habe online bereits von den Legionellose-Fällen gelesen. Angst hätten auch bei ihm die Fälle keine Sorgen ausgelöst, sagt er.
«Ich habe keine Angst – es gefällt mir gut hier»
Claude (45) wusste noch gar nicht, dass es in Wetzikon eine Häufung der Fälle gegeben hat. Der 45-Jährige wohnt erst seit einer Woche in Wetzikon – er ist von der Stadt Zürich hergezogen.
«Angst habe ich wegen der Neuigkeit aber keine», sagt der 45‑Jährige. Den Start in seiner neuen Heimat vermiese ihm diese Nachricht gemäss eigenen Angaben nicht – es gefalle ihm nach wie vor «sehr gut hier».
Auch Erika (29) hat noch nichts von der Legionellose-Welle gehört. Auf die Nachricht, dass eine Person bereits verstorben sei, reagierte die junge Frau sichtlich geschockt. Die 29-Jährige wohnt zwar im Nachbarsdorf Bäretswil, arbeitet aber in Wetzikon. «Ich werde mich jetzt umgehend darüber informieren, wie der Stand der Dinge aussieht», so Erika.
Taskforce sucht nach Infektionsherd
Bisher konnte keine gemeinsame Infektionsquelle unter den registrierten Fällen identifiziert werden. Eine interdisziplinäre Taskforce unter Beteiligung des Kantonsärztlichen Dienstes des AFG, des Kantonalen Labors und weiterer Fachstellen befasst sich mit den laufenden Abklärungen.
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
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