Was Lara Gut-Behrami nach ihrem Rücktritt nicht vermisst

Darum gehts
- Lara Gut-Behrami (35) spricht im «Tages-Anzeiger» erstmals ausführlich über ihren Rücktritt vom Spitzensport.
- Die Tessinerin ist mit dem Entscheid happy, der Unterschied sei aber kleiner als erwartet.
- Die Heim-WM 2027 in Crans-Montana reizte sie nicht: Gold sei die geopferten Monate nicht wert gewesen.
- Sie vermisst die ständige Kontrolle der Wetterprognosen, das Leben auf gepackten Koffern und die tägliche Reiseplanung nicht.
Alles hat ein Ende – und die Karriere von Lara Gut-Behrami fand ihres am Mittwoch, dem 5. August 2026. Die Tessinerin gab ihren Rücktritt vom Spitzensport bekannt. Statt Comeback: das Karriereende. Nun sprach die 35-Jährige mit dem «Tages-Anzeiger» erstmals ausführlich über ihren Rücktritt.
Die Schweizerin ist auch Monate nach ihrem Karriereende happy mit diesem Entscheid. «Ich muss nicht mehr ständig die Wetterprognosen studieren. Schauen, wo es Schnee hat. Und ich sitze nicht mehr auf gepackten Koffern und telefoniere täglich, um zu entscheiden, ob wir heute oder morgen abreisen. Aber der Unterschied ist weniger radikal, als ich erwartet hatte», sagt sie.
«Im Spitzensport sucht man ständig seine Grenzen. Das ist heute anders»
Sie sei immer noch derselbe Mensch: «Mein Schlafrhythmus, meine Essgewohnheiten – vieles ist ähnlich geblieben. Klar, heute kann ich auch mal bis Mitternacht einen Film schauen, ohne ans Training vom nächsten Morgen zu denken», so Gut-Behrami. «Aber ich stehe weiter früh auf. Ich trainiere auch noch. Aber es geht nicht mehr darum, wie viel Gewicht ich stemme, sondern darum, was mir guttut. Im Spitzensport sucht man ständig seine Grenzen. Das ist heute anders.»
Lara Gut-Behrami, die zweifache Weltmeisterin, Olympiasiegerin und 48-fache Weltcupsiegerin, spricht auch darüber, weshalb die Heim-WM in Crans-Montana im Februar 2027 nicht Anreiz genug war, um weiterzumachen. «Selbst eine Goldmedaille wäre die Monate nicht wert gewesen, die ich hätte opfern müssen», erklärt sie dem «Tages-Anzeiger».
Lara Gut-Behrami ist happy ohne Social Media
Was die Schweizer Ski-Legende nun in ihrer Freizeit macht, das bleibt privat. Auf Social Media postet sie nichts. Kann Gut-Behrami auch nicht nach ihrem Social-Media-Rückzug im Jahr 2018. Einen solchen Rückzug könne sie allen empfehlen, meint sie.
Und: «Aber für einige dürfte der Gedanke beängstigend sein, sich nur um sein eigenes Leben zu kümmern und dieses nicht mit den anderen zu teilen. Es ist oft einfacher, via Social Media zu leben.» Gut-Behrami erklärt: «Wenn das Rennen schlecht gelaufen ist, heult man live – und freut sich, dass einen die Menschen aufmuntern.»
Sie, die auch nach ihrem Rücktritt «nicht davon träumt», Schokolade in sich hineinzustopfen, führt aus: «Das nicht zu haben, bedeutet, Leute im echten Leben um sich herum haben zu müssen, die einen unterstützen, die dich verstehen, bei denen du dich wohlfühlst und deine Schwächen zeigen kannst. Das ist viel schwieriger aufzubauen.»
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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