Jetzt auch von Anthropic: Proaktiver KI-Agent für den Arbeitsalltag
Nach Meta, OpenAI und Google hat jetzt auch Anthropic mit Claude Duet einen proaktiven KI-Agenten vorgestellt, der verbundene Anwendungen wie E-Mail, Kalender und Geschäftssoftware eigenständig überwachen und Aufgaben im Hintergrund erledigen soll. Laut Anthropics Ankündigung sei Duet eigens „für Fachleute und Kleinunternehmer [entwickelt worden], die mehr zu tun haben, als sie im Blick behalten können.“ Der Dienst startet als Preview zunächst für Pro- und Max-Abonnenten in den USA, die sich auf eine Warteliste setzen können. Apps gibt es für iOS und Android sowie den Zugang über claude.ai.
Wie Anthropic in seiner Produktankündigung erläutert, basiert Duet auf dem Sprachmodell Claude Opus 5.5 und arbeitet in einer virtuellen Maschine mit eigenem Browser – unabhängig davon, ob der Nutzer sein Gerät gerade verwendet. Jeden Morgen schickt Duet eine kurze Übersicht über die wichtigsten Vorgänge, im Tagesverlauf prüft er die angebundenen Konten und benachrichtigt den Nutzer, wenn er etwas als relevant oder dringend einschätzt. Dieser interagiert über einen Chat oder Spracheingaben in einem fortlaufenden Gespräch mit dem Agenten.
Über mehr als 6000 Konnektoren und Plugins greift Duet auf Dienste wie Gmail, Slack, QuickBooks, Stripe, Gusto, LinkedIn, DocuSign, HubSpot, Canva und Shopify zu. Als Einsatzbeispiele nennt Anthropic etwa, Termine zu planen, Besprechungen und Lohnabrechnungen vorzubereiten, unbezahlte Rechnungen aufzuspüren, Stellenanzeigen zu entwerfen sowie Finanzprognosen und Dashboards zu erstellen.
Freigabe vor kritischen Aktionen
Anthropic betont, dass der Agent vor bestimmten Aktionen die ausdrückliche Zustimmung des Nutzers einholen muss, zum Beispiel vor Zahlungen, dem Unterschreiben von Dokumenten oder dem Löschen von Dateien. Wertpapierhandel und Geldtransfers zwischen Konten sind generell nicht erlaubt. Geschäftliche Einkäufe kann Duet über Stripes digitale Geldbörse Link sowie über Shop Pay von Shopify abwickeln – jeweils nach Nutzerbestätigung und ohne die tatsächliche Kartennummer an den Händler weiterzugeben.
Zum Schutz sensibler Informationen setzt Anthropic laut eigenen Angaben einen eigens dafür entwickelten Klassifikator ein, der jede Nachricht auf eine mögliche Weitergabe vertraulicher Daten prüfen soll. Die Weitergabe von Kreditkartennummern und staatlichen Identifikationsnummern werde grundsätzlich abgelehnt, so das Unternehmen. Ein Auto-Mode-Klassifikator soll zudem Aktionen blockieren, die der Nutzer nicht angefordert hat. Wie genau das geprüft wird, sagt der KI-Hersteller nicht.
Schutzmechanismen aus Anthropics Forschung zur Browsernutzung sollen Prompt-Injection-Angriffe abwehren. Das Unternehmen erklärt, Red Teams und eine externe Sicherheitsfirma hätten Penetrationstests durchgeführt. Zudem fällt Duet unter Anthropics öffentliches Bug-Bounty-Programm. Unabhängige Sicherheitsanalysen liegen jedoch noch nicht vor.
Einschränkungen und Ressourcenverbrauch
Anthropic bezeichnet Duet ausdrücklich als frühe Version mit Einschränkungen: Der Agent könne Nachrichten falsch interpretieren und die Dringlichkeit von Vorgängen fehlerhaft einschätzen. Persönliche Aufgaben wie das Buchen von Tickets funktionieren derzeit noch weniger zuverlässig als berufliche.
Duet teilt sich die bestehenden Nutzungslimits mit dem jeweiligen Claude-Tarif – regelmäßige Hintergrundprüfungen und umfangreiche Aufgaben können das Kontingent schnell aufbrauchen, warnt Anthropic.
Wettbewerb um persönliche KI-Agenten
Claude Duet tritt in einen zunehmend umkämpften Markt ein: Google hatte im Mai den persönlichen KI-Agenten Spark (jetzt Tasks) angekündigt und OpenAI bietet mit Dots seit September 2026 dauerhaft laufende Agenten. Meta meldet für seinen Verbraucher-Agenten Muse mehr als 10 Millionen Nutzer in den USA und Kanada. Auch Manus stellte mit Cue kürzlich einen persönlichen KI-Agenten vor, bei dem jeder Agent eine eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer, digitale Geldbörse und einen eigenen Cloud-Computer erhält – ein Ansatz, der sich deutlich von Anthropics Fokus auf kontrollierte berufliche Workflows unterscheidet.
Wann Duet außerhalb der USA und insbesondere in Europa verfügbar sein wird, hat Anthropic nicht mitgeteilt. Für den Einsatz in der EU dürften DSGVO-Anforderungen rund um Zweckbindung, Datenminimierung und Drittlandtransfer relevant werden – zumal der Agent potenziell auf E-Mails, Kalender, Rechnungen, Mitarbeiterdaten und weitere sensible Informationen zugreift. Zuletzt hatte Anthropic neue Nutzungsrichtlinien eingeführt, die auch für einen handelnden Agenten gelten dürften.
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