Inflation drückt Stimmung: Mit dieser Wirtschaftsbilanz schickt Trump seine Partei in die Midterms

Inflation drückt StimmungMit dieser Wirtschaftsbilanz schickt Trump seine Partei in die Midterms

Die US-Zwischenwahlen sind auch eine Abstimmung über den Erfolg des amtierenden Präsidenten. Seine vollmundigen Wirtschaftsversprechen halfen dem Republikaner Trump ins Amt. Nun drohen sie, ihn einzuholen.
Er werde die USA "wieder bezahlbar" machen. Das war eine der zentralen Formeln in Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024. Unter Joe Biden hatten pandemiebedingte Lieferengpässe und der russische Überfall auf die Ukraine heftige Preissprünge ausgelöst. Die hohen Kosten für Lebensmittel, Sprit und Wohnen lagen den Menschen schwer im Magen. Trump hatte das erkannt. Das erste Kapitel seines Wahlprogramms trug den Titel: "Inflation bekämpfen und alle Preise schnell senken".
Wie die Menschen in den USA Trumps Agenda nach zwei Jahren im Amt bewerten, zeigt eine Erhebung der Universität von Michigan. Monatlich befragt sie rund 900 bis 1000 Erwachsene zu ihrer finanziellen Lage, ihren Erwartungen für Familie und Gesamtwirtschaft sowie zu geplanten Anschaffungen. Daraus entsteht ein Index für das Konsumklima, ein wirtschaftspolitischer Seismograf.
Der Index misst nicht den tatsächlichen Konsum, sondern die Stimmung. Preise, Kaufkraft, Arbeitsmarkt und Zinsen fließen ebenso ein wie die politische Parteibindung. Seit Trumps Wahl hat sich die Stimmung in allen Einkommensgruppen spürbar verschlechtert. Als Hauptbelastungen nennt die Universität von Michigan Kaufkraftverluste und teurere Kredite.
Zu diesen wirtschaftlichen Faktoren kommt möglicherweise die Erwartungshaltung, die Trump auch nach der Wahl schürte. Zwei Jahre später heben sich seine Versprechen scharf von den steigenden Preisen ab.
Nach Trumps Amtsantritt sank die Inflationsrate zunächst weiter. Im April 2025 lag sie bei 2,3 Prozent, nach einem Rekord von 9,1 Prozent im Sommer 2022. Die Preise sanken deshalb nicht, sie stiegen langsamer. Kurz vor den Zwischenwahlen zog die Inflation wieder an: Im September lagen die Verbraucherpreise laut Statistikbehörde 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert.
Mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs ging auf hohe Spritpreise zurück. Benzin kostete im Schnitt 9,1 Prozent mehr als im Vormonat. Das ist auch politisch brisant: Mehr als neun von zehn Haushalten verfügen über mindestens ein Fahrzeug, die große Mehrheit der Berufstätigen fährt allein mit dem Auto zur Arbeit. Für viele Haushalte sind Benzinkosten unumgänglich.
Der republikanische Stratege Chris Wilson beschrieb den Effekt vor rund einem Monat so: "Benzinpreise zählen, weil sie zu den wenigen Wirtschaftsindikatoren gehören, die Wähler unmittelbar erleben und in Echtzeit sehen." Trump hatte diesen Wählern vor gut zwei Jahren versprochen: "Ich werde innerhalb von zwölf Monaten nach meinem Amtsantritt eure Energiepreise halbieren".
Immer wieder verkündete Trump, man werde nach Öl bohren, was das Zeug hält. Auch so wollte er die Energiekosten senken. Die USA säßen auf enormen Vorkommen, man müsse sie nur nutzen. Tatsächlich steuert die amerikanische Rohölförderung 2026 auf einen neuen Rekord zu. Nach Prognose der US-Energiebehörde EIA dürfte sie im Schnitt 13,9 Millionen Barrel täglich erreichen, rund 200.000 Barrel oder anderthalb Prozent mehr als im Vorjahr.
Allerdings lag die Förderung schon vor Trumps Amtsantritt auf Rekordkurs. 2025 waren sogar weniger Bohranlagen aktiv und weniger neue Brunnen gebohrt worden. Das Wachstum beruht vor allem auf produktiveren Schieferölquellen und großen Förderprojekten, deren Planung Jahre zuvor begann.
Während die heimische Förderung moderat zulegte, verursachten die Angriffe auf den Iran und die folgende Sperrung der Straße von Hormus erhebliche Ausfälle. Im September fehlten dem Weltmarkt laut US-Energiebehörde täglich rund 4,8 Millionen Barrel.
Trump schickt seine Partei mit robustem Wirtschaftswachstum in die Zwischenwahlen. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent. Das ist womöglich nicht der angekündigte Boom, aber durchaus präsentabel.
Ein großer Teil der Dynamik kommt aus einem rasant wachsenden Wirtschaftszweig: der künstlichen Intelligenz und der dazugehörigen Infrastruktur. Im Zentrum stehen KI-Entwickler wie OpenAI und Anthropic, Chiphersteller wie Nvidia und Rechenzentrumsbetreiber wie Oracle. Sie treiben die Nachfrage nach Rechenkapazität, Strom und Software.
Vor der Wahl hatte Trump gewarnt, "viele Menschen sagen, wenn ich nicht gewinne, erleben wir einen Crash von ähnlichen Ausmaßen wie 1929". Er sehe das genauso. Seit der Wahl legten die wichtigsten US-Indizes deutlich zu: Der S&P 500 stieg um rund 31 Prozent, der Dow Jones um 23 Prozent und der technologielastige Nasdaq Composite um 38 Prozent.
Einen großen Teil der Gewinne schreibt der Finanzdienstleister Carson Group dem KI-Boom zu. Ein Korb aus 47 KI-Aktien stand von Anfang 2024 bis Ende September 2026 für rund 60 Prozent des Anstiegs im S&P 500.
KI hatte in Trumps wirtschaftspolitischem Wahlprogramm zunächst nicht im Mittelpunkt gestanden. Er versprach vor allem, Arbeitsplätze und Fabriken zurückzuholen. Die USA würden "wieder zu einer Supermacht der Industrie", kündigte er im Oktober 2024 an. Sein wichtigstes Mittel dafür: Importzölle. Nach dem Amtsantritt belegte Trump Waren aus fast der ganzen Welt mit Abgaben und begann Handelskonflikte mit China, Kanada und Mexiko.
Viele der angedrohten Zölle blieben aber nicht in Kraft. Im Februar 2026 erklärte der Supreme Court die auf das Notstandsgesetz IEEPA gestützten Abgaben für unzulässig; rund 166 Milliarden Dollar müssen zurückgezahlt werden. Trump ersetzte einen Teil auf anderer Rechtsgrundlage. Die Zollbelastung blieb dennoch höher als vor seiner Rückkehr ins Weiße Haus.
Mit den Zolleinnahmen wollte Trump auch den Staatshaushalt sanieren. "Wir werden die Schulden unseres Landes zurückzahlen", versprach er im August 2024. Seitdem wuchs der Schuldenberg um rund ein Achtel. 2026 gab die Bundesregierung mehr als eine Billion Dollar für Zinsen aus.
Trumps Zölle tragen dabei eine Mitschuld an den gestiegenen Zinsen. Im September hob die Fed die Leitzinsen an und reagierte damit auf die erhöhte Inflation. Für die machte sie frühere Zollerhöhungen verantwortlich, neben höheren Energiepreise und steigenden Preisen für KI-Technik.
Einen breiten Zuwachs an Fabrikarbeitsplätzen hat Trumps Politik bislang nicht gebracht. Im September gab es im verarbeitenden Gewerbe sogar rund 21.000 Jobs weniger als bei seinem Amtsantritt. Allerdings kann Trump eine Reihe an versprochenen Ansiedlungen verbuchen. Der deutsche Autobauer Audi etwa kündigte in Georgia ein Vier-Milliarden-Dollar-Werk mit bis zu 4500 Arbeitsplätzen an. Der Bau soll 2027 beginnen, die Produktion in den 2030er-Jahren. Am Arbeitsmarkt wird sich das in Trumps Amtszeit nicht mehr niederschlagen
Auch die Investitionsdaten sprechen eher für einen KI- und Infrastrukturboom als für breite Reindustrialisierung. Der Fabrikbau liegt rund 37 Prozent unter seinem Höchststand im November 2024, während mehr Geld in Rechenzentren fließt. Das jüngste Produktionsplus kam vor allem von Halbleitern und elektronischen Komponenten.
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