Schüler verliert Hand durch Polizei-Granate
Bei einem Schülerprotest im nordfranzösischen Lens ist einem 15-jährigen Schüler durch eine Polizeigranate die Hand abgerissen worden. Der Schüler sei mit schweren Verletzungen in die Klinik nach Lille gebracht worden, aber befinde sich nicht in Lebensgefahr, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Der Jugendliche habe die mit Gummigeschossen gefüllte Granate offenbar aufgehoben und zurückwerfen wollen, als diese in seiner Hand explodiert sei, hieß es aus Kreisen der Polizeigewerkschaft. Eine Schülerin sagte dagegen dem Sender Ici Nord: "Ich stand neben dem Mitschüler, der verletzt wurde. Plötzlich traf etwas seine Hand und es explodierte. Ich habe gesehen, wie seine Hand explodierte."
Was als Protest für bessere Lernbedingungen an Schulen begann, ist teilweise gewaltsam ausgeartet. Frankreichs Regierung lädt zum Dialog – und droht zugleich mit Konsequenzen.
02.10.2026 | 2:34 min15-Jähriger verliert Hand durch Granate: Polizeiaufsicht ermittelt
Der Präfekt des Départements Pas-de-Calais, François-Xavier Lauch, sprach von einem "sehr schwerwiegenden" Vorfall. Der 15-Jährige sei "sehr schnell" in ein Krankenhaus gebracht worden.
Im Zuge landesweiter Proteste hatten Schüler vor der Schule in Lens demonstriert. Wie die Präfektur mitteilte, seien Beamte aus einer Gruppe von 200 bis 250 Schülern heraus mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Daraufhin sei die Bereitschaftspolizei vor der Schule angerückt und es sei zu dem Vorfall gekommen. Ob der schwer verletzte Schüler die von der Polizei auf die Menge abgefeuerte Granate aufgehoben habe oder ob diese direkt in seiner Hand landete, müsse noch ermittelt werden, teilten die Behörden mit.
Durch Frankreichs Verschuldung sei eine finanzielle Lösung bei den Schulprotesten schwierig. Besonders die "politischen Ränder mobilisieren", so ZDF-Korrespondent Thomas Walde.
02.10.2026 | 1:55 minNach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die Polizeiaufsicht IGPN eingeschaltet, um in dem Fall zu ermitteln. Die Schule, die der 15-Jährige besucht, kündigte an, ab sofort auf Fernunterricht umzustellen und eine Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung einzurichten.
Unterrichtsausfall in 400 Schulen
Die Proteste in Frankreich halten seit Wochen an. Für Dienstag haben zahlreiche Organisationen zu einem weiteren großen Protesttag aufgerufen. Am Montag fiel aus Furcht vor neuen Ausschreitungen in gut 400 Schulen erneut der Unterricht aus.
Auch 30 bis 40 Hochschulen beteiligten sich nach Regierungsangaben an der Protestbewegung, die in der vergangenen Woche ein bislang unbekanntes Ausmaß von Gewalt erreicht hatte. Die Menschenrechtsliga prangerte am Montag mit Blick auf den Einsatz der Sicherheitskräfte eine "weitgehende Abkehr vom Rechtsstaat" an.
Frankreich sei sehr hoch verschuldet, es gebe einen Verteilungskampf, erklärt ZDF-Korrespondent Thomas Walde.
02.10.2026 | 13:15 minDie Gewalttaten der vergangenen Woche ziehen unterdessen strafrechtliche Folgen nach sich. In der Polizei laufen interne Ermittlungen in fünf Fällen. Eine davon betrifft die Verletzung eines 16-Jährigen, der ein Auge verlor.
5.000 Festnahmen bei Protesten
Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren, die einen Polizisten zu Boden geworfen und gegen den Kopf getreten haben sollen. Der Ältere erstattete seinerseits Anzeige gegen den Polizisten und wirft ihm vor, er habe bei einer versuchten Festnahme in einem Bach seinen Kopf unter Wasser gehalten.
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In der vergangenen Woche waren insgesamt 5.000 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen worden, davon 85 Prozent Minderjährige. Zwei Dutzend Schulen wurden stark beschädigt oder in Brand gesetzt. Zudem wurden 78 Schulbeschäftigte verletzt, in den meisten Fällen nicht von Schülern der betroffenen Schulen.
Die Schulproteste seien klar von denen linksextremer Gruppen zu trennen, sagt Politikwissenschaftler Ross. Auch sozial schwache, gewaltbereite Jugendliche mischten sich unter die Demonstranten.
02.10.2026 | 12:09 minLehrermangel als Auslöser
Auslöser der Unruhen Mitte September war eine Schule in einer Pariser Vorstadt gewesen, in der Personal fehlte. Landesweit waren zum Schuljahresbeginn 2025/26 gut 2.000 Lehrerstellen unbesetzt. Die Schüler fordern mehr Lehrer, kürzere Schultage, weniger Schüler in den Klassen sowie Klimaanlagen und Heizungen. Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Wochenende fünf Ministerien beauftragt, nach Lösungen zu suchen.
Quelle: AFP, dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, zuletzt im heute journal am 02.10.2026 um 22 Uhr.
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